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Konservative Trump-News: Tagelang nur bei Fox und "Breitbart" informiert – jetzt habe ich Angst

Timothy Collins, Praktikant im New Yorker stern-Büro, hat ein paar Tage lang ausschließlich Fox News und "Breitbart" konsumiert. Hier berichtet er, wie schwer es ist, sich der rechten Gehirnwäsche zu entziehen.

Fox Breitbart Donald Trump

Präsident Donald Trump wohlgesonnen: die Seite "Breitbart" und Sean Hannity von Fox News

Wer steckt hinter den Protesten gegen Donald Trump? Barack Obama! Wer steckt hinter den zahllosen Leaks aus dem Weißen Haus? Auch Barack Obama. Vermutlich. Solche Aussagen sind in amerikanischen Massenmedien zu hören und sie stammen von niemand geringerem als dem US-Präsidenten selbst. Er hat sie in einem Interview bei seinem Leib- und Magensender Fox News fallen lassen. Widerspruch braucht er dort nicht zu erwarten.

Warum auch? Der neue US-Präsident behauptet gerne mal Dinge, die einer Überprüfung nicht standhalten, wie die von ihm angezettelte Diskussion um die Zuschauerzahl bei der Amtseinführung gezeigt hat. "Alternative Fakten" halt. Und die liefern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten konservative Fernsehsender wie Fox News oder die ultrarechte Internetseite "Breitbart". Von hier bezieht auch der durchschnittliche Trump-Wähler seine Nachrichten. Sie geben vor, was vor allem in den ländlichen Gegenden der USA über den Rest der Welt gedacht wird.

Wie verändern Fox und Co. meinen Blick auf die Welt?

"Alternative Facts", das ist für mich – einem Jugendlichen aus Deutschland, der seit vier Jahren in den USA lebt – ein ungewohnter Begriff von Seiten einer demokratisch gewählten Regierung. Deshalb bin ich neugierig: Wie verändert sich mein Blick auf die USA und die Welt, wenn ich meine Nachrichten für ein paar Tage ausschließlich von Fox News und "Breitbart" beziehe? So wie es viele der Trump-Wähler und Anhänger tun. Auf die von Trump betitelten "Fake-News" von CNN und "New York Times" verzichte ich komplett.

Ich beginne mit der täglich laufenden Show "Hannity" auf Fox, die an diesem Tag live von der Conservative Political Action Conference in Washington gesendet wird. Der Moderator, ein Mann mittleren Alters namens Sean Hannity, ist bekennender Trump-Fan, geoutet hat er sich mitten im Wahlkampf. Wenn man über ihn etwas Gutes sagen will, dann, dass er nicht einmal so tut, als wäre er ein unabhängiger Journalist.

Feindbild Barack Hussein Obama

Gleich zum Start der Sendung lässt er sich von einem johlenden Publikum feiern und beginnt mit einer Reihe von patriotisch gefärbten rhetorischen Fragen an die Menge: Wer von euch steht zu seinem Gott? Seinen Waffen? Der Bibel? Sind wir nicht alle froh, dass Barack Hussein Obama endlich weg ist? Das Publikum schreit jubelnd Beifall, als Hannity "Hussein", den zweiten Vornamen des früheren Präsidenten, besonders betont.

Für Hannity ist das Feindbild klar und daraus macht er auch jetzt keinen Hehl. Er sagt, die Medien in den USA seien unehrlich und korrupt. Fox News nimmt er natürlich aus von seiner Kritik. Er behauptet, die "linken" Medien seien faul und überbezahlt, würden durch ihre Propaganda einen Krieg gegen Präsident Trump führen. Krieg? Propaganda? Der Tonfall in den USA hat sich in den Wochen seit Trump dramatisch verschärft.


Auf der Bühne agiert Hannity als Propagandasprecher für Trump – er nennt ihn einen Mann der Taten und lobt den Präsidenten für seine bisherigen umwerfenden Erfolge. Erfolge, über die die "korrupten Medien" natürlich nie berichten würden.

Eine Stunde geht das so. Immer wieder betont er, dass die Medien und die Demokraten alle gegen Präsident Trump wären und dieser die Hilfe des Volkes, der wahren, patriotischen Amerikaner bräuchte, um gegen das korrupte Regime zu kämpfen. "America First!" lautet das Motto.

Fox News ist erfolgreichster US-Sender

Auf Fox laufen außer "Hannity" noch zwei weitere, inhaltlich und von der politischen Sichtweise sehr ähnliche Sendungen: "The O'Reilly Factor" und "Tucker Carlson Tonight". Sie dominieren die populären Einschaltzeiten von 20 bis 23 Uhr. Objektive Nachrichtensendungen, wie ich sie aus Deutschland kenne, sind das nicht. Fox News war 2016 übrigens der erfolgreichste US-Sender und Sean Hannitys Show die mit dem größten Zuschauerzuwachs.

In den USA nennt man diese Art von Sendung "Editorials". Also Programme, in denen die Moderatoren deutliche politische Positionen beziehen, es gibt sie auch bei den liberalen Sendern. Nur Neutralität darf niemand erwarten. Bei Fox und Co. erst recht keine Kritik an Präsident Trump. Deutlich wird es zum Beispiel dann, wenn Interviews geführt werden: Äußert sich ein Gast kritisch über eine Regierungsentscheidung, die der Moderator befürwortet, wird er unentwegt und lautstark unterbrochen. Was dem Moderator nicht passt, wird nicht akzeptiert und in Frage gestellt.

 Auch wenn die Wahrheit oder nachprüfbare Tatsachen dabei auf der Strecke bleiben. Nachdem Donald Trump in einer Rede angedeutet hatte, dass es einen ernsthaften Zwischenfall in Schweden gegeben habe (was nicht stimmte), führte Fox kurz danach mit dem "schwedischen Sicherheitsexperten" Nils Bildt über die Lage in seinem Heimatland ein Interview. Nur: In Schweden kennt man einen Nils Bildt nicht als Experten – geschweige denn als Berater. Sondern als verurteilten Gewalttäter, wie die Zeitung "Dagens Nyheter" anschließend berichtete.

Twitter-Reaktionen: Trumps Schweden-Äußerungen bringen das Netz in Hochform


"Breitbart"-Gründer nun Berater von Donald Trump

Die politisch rechts orientierte Nachrichtenseite "Breitbart" ist mein nächstes Ziel. "Breitbart" erlebte während des Präsidentschaftswahlkampfes des vergangenen Jahres einen signifikanten Zuwachs an Lesern. Stephen Bannon, der nach dem Tod von Seitengründer Andrew Breitbart 2012 Chef der Webseite wurde, sagte bereits in der Vergangenheit, er glaube an einen Krieg zwischen den USA und China in den nächsten Jahren. Er bezeichnet sich außerdem selbst als "Leninist", das heißt, er will den Staat in seiner jetzigen Form zerstören. Dieser Mann arbeitete mittlerweile nicht mehr für Breitbart, sitzt im Nationalen Sicherheitsrat der USA und ist einer der wichtigsten Berater von Donald Trump. Von vielen wird er bereits als heimlicher Präsident gehandelt. So soll er zum Beispiel hinter dem umstrittenen Reisebann für Muslime aus sieben Ländern stecken.

Chefstratege von Donald Trump: Stephen Bannon: "Alles wird dekonstruiert"

Auf der Website finde ich einen Artikel über Deutschland und den neu gewonnenen Vorsprung der SPD bei den Bundestagswahlen gegenüber der CDU. Darin heißt es, sollte Schulz zum Bundeskanzler gewählt werden, würde sich die Kritik aus Deutschland an Präsident Trump wohl noch verstärken. Okay, soweit alles richtig.

"Merkel: die Schlimmste seit Hitler"

Überraschend sind die Kommentare unter diesem eher sachlichen Artikel. Da wird gehetzt und geschimpft: "Die AfD ist Deutschlands einzige Rettung!" und "Die Überschrift der Statistik sollte sein: '88% der Deutschen sind entschlossen, den nationalen Selbstmord zu wählen'", geben einen Einblick in die Sichtweise der Leser dieser Seite. "Merkel will Deutschland mit ihrer Politik zerstören!", "Merkel: die Schlimmste seit Hitler", heißt es in Kommentaren, die teilweise hunderte "Gefällt mir"-Angaben haben.


Ich beende meinen Exkurs in die Welt der Trump-Anhänger mit einer weiteren Show, bei der die Akteure auf der Bühne ebenso viel Beifall erhalten wie Sean Hannity: dem Oscar. Bei der Preisvergabe für den besten Film unterläuft den Machern ein aufsehenerregender und peinlicher Patzer: Kuverts wurden vertauscht und falsche Sieger vorgelesen. Die Amerikaner rätseln, wie so etwas passieren konnte. "Breitbart" kennt den "wahren" Grund.

In einem Interview mit der Nachrichtenplattform äußert sich Präsident Trump: Sie seien so sehr auf Politik fokussiert gewesen, dass sie die eigentliche Show nicht auf die Reihe bekommen hätten. Laut "Breitbart" war der Glamour-Abend gespickt von Trump-Kritik in Form von niveaulosen Hollywood-Witzen – den letzten Lacher aber habe nun der Präsident.

Falscher Sieger bei den Oscars


Ein Wochenende, das mir Angst machte

Mir ist nach diesem Wochenende das Lachen vergangen. Die emotional aufgeladene Stimmung, die mir durch Medien wie Fox und "Breitbart" entgegenschlägt, lässt mich nachvollziehen, warum Trump-Anhänger so eine einseitige Weltanschauung haben. Ich ertappe mich sogar das ein oder andere Mal dabei, dass ich die Aussagen von Fox gar nicht infrage stelle. Dass der Schwede gar kein Sicherheitsexperte war, erfahre ich zum Beispiel erst später aus der "New York Times". Es ist ein beklemmendes Gefühl. Propaganda pur, fällt mir dazu ein – und ich muss sagen, dass es mir fast schon Angst macht.  

Timothy Collins