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10. Jahrestag des Irakkriegs: Geplatzte Träume und enttäuschte Hoffnungen

Vor zehn Jahren begann der US-Angriff auf den Irak. Für viele Iraker eine Tragödie, besonders für die christliche Minderheit. Politiker fordern nationale Versöhnung und Toleranz statt Lagerpolitik.

Billige Leuchtreklame flackert an den Fassaden im Stadtviertel al Wahda in Bagdad. Einst lebten hier christliche Ärzte und Ingenieure. Sie sind verschwunden. Wo früher stattliche Häuser mit gepflegten Gärten lagen, finden sich heute Büros. Nur wenige der alteingesessenen Bewohner des Innenstadt-Viertels sind heute noch da. Die ersten gut situierten Bewohner verließen al Wahda während des Krieges gegen den Iran in den 1980er Jahren. Doch der endgültige Abstieg des Viertels begann mit dem Einmarsch der US-Truppen und ihrer Verbündeten vor zehn Jahren. Es folgten Jahre des Bürgerkriegs, von ethnischen Säuberungen, Kriminalität und ungezügelter Korruption.

"Nach 2003 hat sich die Situation für Christen sehr stark verschlechtert", sagt Sarmad Matta. "Sie wurden zu einem leichten Ziel für bewaffnete Gruppen und Tausende wurden getötet, verletzt oder entführt", erzählt der 38-jährige Christ, der einen Laden in al Wahda betreibt.

Hoch qualifizierte Ärzte, Ingenieure und Universitätslehrer waren unter den Hunderttausenden, die den Irak seit 2003 verlassen haben. Viele von ihnen flohen in die Christen-Viertel der syrischen Hauptstadt Damaskus und sind heute erneut auf der Flucht. Auch schiitische und sunnitische Muslime flüchteten ins Ausland oder suchten Zuflucht in anderen Landesteilen. Sie fürchteten die Terrororganisation al Kaida und die mit den neuen politischen Machthabern verbündeten Milizen. Tausende kamen ums Leben - ein blutiger Beweis, dass die Ängste der Geflohenen begründet waren

Türkische Firmen machen gute Geschäfte

"Wir haben harte Zeiten durchlebt. Wir haben Brüder und Familie bei Schießereien, Bombenanschlägen und Entführungen verloren. Und nun fürchten wir, dass sich daran im Irak nichts ändern wird", sagt Matta. Die Kirchenführer in Bagdad, Mossul und Kirkuk appellieren zwar in jedem zweiten Gottesdienst an ihre Gemeindemitglieder, auszuharren und das Land ihrer Väter nicht zu verlassen. Doch der Aderlass geht weiter.

Viele arabische Familien, die den Irak nicht verlassen wollen, lassen sich im Norden des Landes nieder, im kurdischen Autonomiegebiet. Hier ist es relativ sicher. Ein wirtschaftlicher Boom hat das Kurdengebiet zur Musterregion des Iraks gemacht. Vor allem türkische Firmen machen hier gute Geschäfte. Die Einkaufszentren mit den blitzblanken Böden, die sie in der Stadt Erbil eingerichtet haben, sehen aus wie Shopping Malls in der Türkei.

Auch etliche ausländische Firmen, denen das Pflaster in Bagdad wegen der vielen Terroranschläge zu heiß ist, haben sich im Kurdengebiet niedergelassen. In den etwas miefigen Drei-Sterne-Hotels von Erbil kommen Iraker aus allen Landesteilen zu Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen zusammen. Auch das nationale Jugendorchester probt hier, weil ihnen das andernorts zu gefährlich ist. Denn die militanten Islamisten, von denen sich jede Woche mindestens einer irgendwo im Irak in die Luft sprengt, mögen keine Musik.

Der Krieg war nicht für alle eine Katastrophe

Leicht fällt es den Vertriebenen aus Bagdad nicht, sich im Kurdengebiet einzugliedern. Viele junge irakische Kurden sprechen kein Arabisch. Araber werden von den Bewohnern der Nordprovinzen oft misstrauisch beäugt. Doch der Krieg war nicht für alle eine Katastrophe. Manche haben durch den Neuanfang auch ein neues Leben in Wohlstand erreicht, vor allem durch Familienbande und Beziehungen zu Entscheidungsträgern.

Die Iraker haben auch die Entwicklung einer parlamentarischen Demokratie erlebt - zumindest auf dem Papier. Was bis heute fehlt, ist eine demokratische Kultur. Viele Politiker bekennen sich zu einem modernen Staat, auch wenn sie aus Angst vor Anschlägen hinter hohen Mauern leben. "Wir hofften, unseren Traum zu verwirklichen und einen stabilen irakischen Staat aufzubauen, der auf Recht, Institutionen und verfassungsgemäßen Organen beruht", sagt der frühere Innenminister Dschawad al-Bolani. "Einige dieser Hoffnungen haben sich erfüllt, aber für viele ist eine neue, offenere Vision notwendig."

Vor allem die politische Spaltung entlang ethnischer und religiöser Trennlinien, zwischen der schiitischen Bevölkerungsmehrheit und den sunnitischen und kurdischen Minderheiten sei ein Problem, sagt al-Bolani. Sunniten fordern ein Ende der Gesetze, die Mitglieder von Saddam Husseins Baath-Partei von einer Reihe von öffentlichen Ämtern ausschließen. "Wir brauchen eine nationale Versöhnung und wir müssen eine Kultur von Toleranz und Offenheit verbreiten, damit wir die Vergangenheit hinter uns lassen können", sagt der Abgeordnete Abdelkader Taher von dem säkulären Iraqiya-Bündnis.

Kadhem al-Atabi, DPA / DPA
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Füllhorn Rente 63 ?
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