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60. Geburtstag von Wladimir Putin: Opposition schenkt Parkbank und Pantoffeln

Für Gerhard Schröder war er einst ein "lupenreiner Demokrat": Das Echo zu Wladimir Putins 60. Geburtstag war jedoch nicht gerade euphorisch. Die Opposition bedachte ihn mit beißendem Spott.

Kein lupenreiner Jubel für den Kremlchef: Eine Parkbank und Pantoffeln hat die russische Opposition ihrem "Dauerherrscher" Wladimir Putin zum 60. Geburtstag geschenkt. Seit Sonntag hat dieser das offizielle russische Rentenalter erreicht. Zeit also für einen "Rückzug in den Ruhestand". Auch Politologen sparten nicht mit Kritik.

Angesichts von Sonderausstellungen und Galakonzerten für den russischen Präsidenten am Sonntag sprachen Regierungsgegner von einem "Personenkult wie in Nordkorea". Bei Protesten gegen seien in Moskau und St. Petersburg mehrere Demonstranten festgenommen worden, meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Der Politologe Gleb Pawlowski beklagte einen "tiefen Graben zwischen der Staatsführung und der Gesellschaft" seit Putins Rückkehr in den Kreml im Mai 2012. Von Regierungschef Dmitri Medwedew und Präsidenten von Ex-Sowjetrepubliken kamen dagegen Glückwünsche für den Staatschef, der in seiner Geburtsstadt St. Petersburg feierte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hob in einem Schreiben an Putin die besondere Bedeutung der bilateralen Beziehungen hervor. Beide Länder könnten zentrale internationale Probleme nur gemeinsam lösen.

Gesetze zum Machterhalt

Bereits 13 Jahre währt die Ära Putin, doch ans Aufgeben scheint der russische Präsident noch lange nicht zu denken. Erst am 7. Mai trat der ausgewiesene Machtmensch trotz Massenprotesten gegen ihn eine neue sechsjährige Amtszeit im an, eine weitere ist laut Verfassung möglich. Damit könnte Putin noch bis 2024 an der Spitze Russlands stehen.

Um seine Macht zu zementieren, hat der Meister der "gelenkten Demokratie" seit Mai nichts unversucht gelassen. Nach den Massenprotesten gegen den umstrittenen Ämtertausch mit seinem Zögling und Manipulationen der dazu abgehaltenen Wahlen ließ Putin unter anderem das Demonstrationsrecht verschärfen, die Meinungsfreiheit weiter einschränken und Nichtregierungsorganisationen als "Auslandsagenten" abstempeln.

Beobachter erwarten, dass der Herrscher im Kreml nach seinem 60. Geburtstag die Zügel noch einmal anzieht. So kritisierte er kürzlich selbst Ministerpräsident Medwedew öffentlich, weil die Verfassung Putin drei Amtszeiten hintereinander als Präsident verbot. In dieser Zeit behielt Putin als Ministerpräsident weiter das Sagen.

Der Spion, der Punk nicht liebte

Geboren wurde Putin am 7. Oktober 1952 in Leningrad, dem heutigen St. Petersburg. Nach dem Jura-Studium trat er 1975 in den Auslandsgeheimdienst ein, der damals Teil des KGB war. Von 1985 bis 1990 arbeitete er als Agent in der damaligen DDR und spricht seitdem fließend Deutsch. Acht Jahre später stieg er zum Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB auf.

Als Staatschef Boris Jelzin Putin im August 1999 überraschend zu seinem Ministerpräsidenten und Kronprinzen machte, war dieser ein politischer Nobody. Als FSB-Chef verfügte er aber über beste Kontakte in die Sicherheitsapparate des Staates, auf die er dann seine Macht aufbaute. Eine seiner ersten Amtshandlungen war der Einmarsch russischer Truppen in Tschetschenien am 1. Oktober 1999 - der Beginn des zweiten Tschetschenien-Kriegs. Die Präsidentenwahl im Frühjahr 2000 gewann Putin daraufhin mit einem Erdrutschsieg.

Dem Parlament entzog Putin zahlreiche Befugnisse, er ließ Medien schließen oder auf Linie bringen. Auch mit widerspenstigen Oligarchen legte er sich immer wieder an. Der einstige Ölmagnat und damals reichste Mann Russlands, Michail Chodorkowski, ein erklärter Kreml-Gegner, wurde 2003 wegen Unterschlagung und Steuerhinterziehung verhaftet. Er sitzt bis heute im Gefängnis. Auch drei Musikerinnen der Band Pussy Riot sind seit März in Haft, weil sie in einem "Punkgebet" in einer Moskauer Kathedrale die Gottesmutter Maria baten, sie von Putin zu "erlösen".

Geschenke für den Präsidenten

Sich selbst präsentiert der Vater zweier Töchter gerne als harter Mann: Der Träger eines schwarzen Gürtels demonstrierte öffentlich sein Judo-Können, ritt mit freiem Oberkörper durch die Taiga und posierte mit Raubtieren vor Kameras. Nur als er im Sommer 2011 beim Tauchen zwei antike griechische Vasen "fand", musste sogar Putins Umfeld einräumen, dass dies vielleicht ein bisschen zu dick aufgetragen war. Das hielt ihn Anfang September jedoch nicht davon ab, sich als "Leitvogel" seltener Kraniche zu inszenieren, denen er im Ultraleichtflieger den richtigen Weg ins Winterquartier zeigte.

Wenn seine Kritiker auch über Putins Inszenierungen spotten, gerade bei vielen jungen Russen kommt das Macho-Gehabe des Kreml-Herrschers an. Zu seinem Geburtstag vor zwei Jahren machten ihm glühende Verehrerinnen ein besonderes Geschenk: Die Studentinnen ließen sich barbusig für einen Kalender mit schriftlichen Liebesbekundungen ablichten. In diesem Jahr bekam er von jungen Damen immerhin einen Kuchen.

Über einige Geschenke wird sich Putin aber sicher gefreut haben. In der russischen Teilrepublik Nordossetien im Kaukasus hissten Bergsteiger ein riesiges Putin-Porträt auf einem 4150 Meter hohen Gipfel. Medwedew schenkte dem Jubilar ein Buch des Künstlers Alexander Benois (1870-1960). Kulturminister Wladimir Medinski bezeichnete den Präsidenten als den demokratischsten Kremlchef seit Zar Nikolaus II. (1868-1918).

ono/DPA/AFP / DPA