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9/11-Kommission: Geheimdienste sollen stärker kontrolliert werden

Die so genannte 9/11-Kommission will offenbar die Einsetzung eines Geheimdienstdirektors fordern, der die Arbeit der 15 Geheimdienste der USA überwachen soll.

Die Kommission zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001 will offenbar die Einsetzung eines Geheimdienstdirektors mit Kabinettsrang fordern, der die Arbeit der 15 Geheimdienste der USA überwachen und ihre Haushalte kontrollieren soll. Dies verlautete aus Kreisen, die mit den Befunden der so genannten 9/11-Kommission vertraut sind. Der Abschlussbericht soll am Donnerstag veröffentlicht werden.

Die Einsetzung eines Beauftragten im Kabinettsrang wäre die drastischste Umgestaltung der US-Geheimdienste seit dem Zweiten Weltkrieg. Die CIA, das FBI, aber auch das Pentagon und der Nationale Sicherheitsrat dürften Kompetenzen verlieren. Die Behörden wurden von der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September eingerichteten Kommission bereits scharf kritisiert. Zeitungsberichten zufolge spricht sich die Kommission auch dafür aus, die Parlamentskontrolle über die Geheimdienste zu erweitern sowie das FBI neu zu strukturieren.

Vorwürfe gegen den Iran

Das Nachrichtenmagazin "Time" berichtete, der Bericht werde auch Einzelheiten über Beziehungen der Attentäter zum Iran nennen. Das Land habe Al-Kaida-Mitgliedern wiederholt die Durchreise erlaubt. Allerdings gebe es keine Hinweise, dass der Iran von den Anschlagsplänen gewusst habe. Ein iranisches Angebot zur Zusammenarbeit habe Al-Kaida-Führer Osama bin Laden aber abgelehnt, um seine Unterstützer in Saudi-Arabien nicht zu verärgern, berichtet "Time".

Das Außenministerium in Teheran räumte am Sonntag ein, dass Al-Kaida-Aktivisten möglicherweise vor den Anschlägen iranisches Staatsgebiet illegal durchquert hätten. Die Grenzen seien lang und nicht vollständig kontrollierbar, sagte Ministeriumssprecher Hamid Resa Asefi. US-Berichte, wonach der Iran mit erlaubten Durchreisen für die späteren Attentäter die Anschlagspläne erleichtert haben könnte, wies er aber als Erfindungen zurück. Der Iran habe unter Beweis gestellt, dass er gegen Terrorismus und Extremismus vorgehe.

Al Kaida rekrutiert Nicht-Araber

Al Kaida wird unterdessen nach Einschätzung des FBI verstärkt versuchen, Nichtaraber für Anschläge in den USA zu rekrutieren. Mitglieder mit amerikanischer Staatsangehörigkeit oder legalem Aufenthaltsstatus würden es der Organisation erheblich erleichtern, Anschläge auszuführen, erklärte die US-Bundespolizei am Freitag in einem Lagebericht, der der Nachrichtenagentur AP vorliegt.

In letzter Zeit hat es wiederholt Warnungen vor einem Al-Kaida-Anschlag im Sommer oder Herbst im Zusammenhang mit dem Präsidentschaftswahlkampf gegeben. Für die bevorstehenden Parteiversammlungen von Demokraten und Republikanern in Boston beziehungsweise New York werden außergewöhnlich scharfe Sicherheitsvorkehrungen erwartet.

AP / AP / DPA