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Abgefangenes Flugzeug aus Moskau Erdogan bestätigt Munitionsfund in syrischem Airbus


Zoff zwischen Ankara und Moskau: Der zur Landung gezwungene syrische Passagierjet hatte laut dem türkischen Premier tatsächlich Militärausrüstung geladen. Absender: eine russische Rüstungsfirma.

Nach der erzwungenen Landung eines syrischen Passagierflugzeugs in der Türkei hat Regierungschef Recep Tayyip Erdogan bestätigt, dass "Munition und militärische Ausrüstung" an Bord beschlagnahmt worden seien. Den Transport von "militärischen Gütern" durch türkischen Luftraum verurteilte er scharf.

Bei einer vom Fernsehen live übertragenen Pressekonferenz in Ankara machte Erdogan jedoch keine Angaben über die Art der militärischen Ausrüstung, die in dem Flugzeug entdeckt worden sein soll. Am Abend sagte er dem Fernsehsender NTV, das Flugzeug habe "Ausrüstung und Munition" geladen. Regierungsnahe türkische Medien berichteten, es seien 300 Kilogramm Empfänger, Antennen und Bauteile für Raketen beschlagnahmt worden.

Nach Erdogans Darstellung waren die beschlagnahmten Güter von einer russischen Kammer für Industrie und Chemie an das syrische Verteidigungsministerium adressiert gewesen. Sie würden nunmehr von einer türkischen Behörde genauer untersucht. Aus Moskau hieß es dagegen, es seien keine russischen Militärgüter an Bord gewesen.

Putin sagt Türkeireise ab

Der Airbus war auf dem Weg von Moskau nach Syrien unterwegs. Türkische F-16-Kampfflugzeuge hatten die syrische Maschine am Mittwochabend abgefangen und zur Landung auf dem Esenboga-Flughafen in Ankara gezwungen, nachdem die Türkei eigenen Angaben zufolge Geheimdienstinformationen über "nicht-zivile Fracht" erhalten hatte.

Russland reagierte verärgert auf das Vorgehen Ankaras. Die Führung in Moskau forderte eine Erklärung der türkischen Regierung. Kremlchef Wladimir Putin sagte eine für diesen Montag geplante Reise in die Türkei ab. Bundesaußenminister Guido Westerwelle mahnte zur Besonnenheit: "Niemand sollte jetzt Öl ins Feuer gießen und die Spannungen zusätzlich anheizen."

Syrien bezichtigt Türkei der "Luftpiraterie"

Syrien reagierte empört auf den Zwischenfall. "Dies ist ein feindlicher Akt", erklärte das Außenministerium. Es seien "keine Waffen oder sonstigen verbotenen Waren" an Bord gewesen. Damaskus forderte die türkischen Behörden auf, die beschlagnahmte Ladung "vollständig und unbeschädigt" zu übergeben.

Der syrische Verkehrsminister Mahmud Said bezichtigte die Türkei der "Luftpiraterie". Was die Türkei getan habe, widerspreche allen Regeln und Bestimmungen der zivilen Luftfahrt. Syrische Staatsmedien warnten die Türkei davor, "mit dem Feuer zu spielen". Das Moskauer Außenministerium warf Ankara vor, das Leben der Passagiere gefährdet zu haben.

Die Türkei beschwerte sich über das syrische Konsulat in Istanbul bei der syrischen Regierung wegen der Verletzung des türkischen Luftraums und wegen des Verstoßes gegen die Bestimmungen der internationalen Luftfahrt.

kmi/DPA/AFP DPA

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