HOME

Abrüstungsvertrag unterzeichnet: Obama, Medwedew und ein "historisches Ereignis"

Ein Jahr nach Barack Obamas Plädoyer für eine Welt ohne Atomwaffen in Prag haben die USA und Russland an gleicher Stelle einen weitreichenden Vertrag zur Reduzierung ihrer Atomarsenale besiegelt.

Ein Jahr nach Barack Obamas Plädoyer für eine Welt ohne Atomwaffen in Prag haben die USA und Russland an gleicher Stelle einen weitreichenden Vertrag zur Reduzierung ihrer Atomarsenale besiegelt. US-Präsident Obama sprach von einem wichtigen Meilenstein für nukleare Sicherheit und die Beziehungen zwischen beiden Staaten. Der russische Präsident Dmitri Medwedew nannte die Unterzeichnung des Abkommens ein historisches Ereignis, das ein neues Kapitel der bilateralen Zusammenarbeit eröffne.

In einem Festsaal Saal der Prager Burg setzten Obama und Medwedew am Donnerstag ihre Unterschrift unter das Dokument. Es handelt sich um die bedeutendste Abrüstungsvereinbarung seit zwei Jahrzehnten. Der Vertrag muss nun noch von der russischen Staatsduma und vom US-Senat ratifiziert werden.

Anschließend sollen die einstigen Gegenspieler im Kalten Krieg nun innerhalb von sieben Jahren die Zahl ihrer für strategische Waffen geeigneten Atomsprengköpfe um ein Drittel auf 1.550 verringern. Die dann noch verfügbaren Atomwaffen stellen immer noch ein mehrfaches Vernichtungspotenzial dar. Die Abrüstung bedeutet aber ein deutliches Signal, dass die USA und Russland ihre Massenvernichtungswaffen begrenzen wollen. Beide Staaten verfügen zusammen über mehr als 90 Prozent der weltweit vorhandenen Atomwaffen.

Obama sagte, der Vertrag lege die Grundlage für weitere Kürzungen bei den Atomwaffen. Dem Abkommen gingen langwierige Verhandlungen voraus, die auch dann noch fortgesetzt wurden, als der START-Vertrag von 1991 im Dezember vergangenen Jahres abgelaufen war. "Das von uns erzielte Ergebnis ist gut", sagte Medwedew.

Beide Seiten vereinbarten weitere Gespräche über Raketenabwehrsysteme, die entgegen russischer Forderungen von dem neuen Vertrag nicht berücksichtigt werden. Obama versicherte, die geplante Errichtung einer Raketenabwehr in Europa solle das strategische Gleichgewicht mit Russland nicht verändern und sei gegen Angriffe von anderen Ländern gerichtet.

Fast auf den Tag genau vor einem Jahr hatte Obama in einer Rede auf dem Hradcany-Platz vor den Toren der Prager Burg mit der Vision von einer Welt ohne Atomwaffen die neue Abrüstungsinitiative angestoßen. Als einziger Staat, der jemals Atomwaffen eingesetzt habe, hätten die USA "die moralische Verantwortung", die Welt von Nuklearwaffen zu befreien, sagte Obama damals vor mehr als 20.000 Menschen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat das neue Abkommen zwischen den USA und Russland als Meilenstein für die weltweiten Abrüstungsbemühungen gelobt. Die Unterzeichnung des START-Nachfolgeabkommens eröffne nun Chancen für weitere Abrüstungsschritte auch bei den nicht-strategischen Atomwaffen, erklärte der Vizekanzler.

Westerwelle erklärte, die Vertragsunterzeichnung in Prag sei auch ein Signal für die Überprüfungskonferenz zur Nichtverbreitung von Atomwaffen im Mai. "Nukleare Abrüstung und die Verhinderung der unkontrollierten Verbreitung von Atomwaffen sind zwei Seiten derselben Medaille", sagte er.

George Jahn und Vladimir Isachenkov, APN / APN