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US-Abtreibungsrecht Folgen des "Roe v. Wade"-Urteils: Zehnjährige in Ohio darf Schwangerschaft nicht abbrechen

Protest gegen das Abtreibungsverbot vor dem Parlament von Ohio
Protest gegen das neu erlassene Abtreibungsverbot vor dem Parlament von Ohio in der Hauptstadt Columbus. Einer Zehnjährigen aus dem Bundesstaat wurde ein Schwangerschaftsabbruch verweigert.
© Brooke Lavalley / The Columbus Dispatch via AP / DPA
Nach dem Aus des bundesweiten Abtreibungsrechtes werden in den USA die Folgen der Entscheidung immer deutlicher. In Ohio wurde nun einer Zehnjährigen eine Abtreibung verweigert. Hilfe winkt nur im Nachbarstaat. Noch.

Im US-Bundesstaat Ohio ist in der vergangenen Woche einem zehnjährigen Mädchen eine Abtreibung verweigert worden. Wie US-Medien berichten, hatte eine auf Fälle von Kindesmissbrauch spezialisierte Ärztin den Fall bei Dr. Caitlin Bernard, einer Kollegin in Indianapolis im westlichen Nachbarstaat Indiana, gemeldet. Demnach ist das Mädchen seit mehr als sechs Wochen schwanger – und hat damit jene Phase erreicht, ab der in der Regel fetale Herzaktivität registriert wird. Damit unterliegt die sehr junge Patientin dem restriktiven gesetzlichen Abtreibungsverbot in Ohio.

Der republikanisch regierte Staat im Mittleren Westen hatte das Verbot – wie andere Bundesstaaten – innerhalb weniger Stunden in Kraft gesetzt, nachdem der US-Supreme-Court vor rund zwei Wochen das historische Urteil "Roe v. Wade" und damit ein bundesweites Recht auf Abtreibung gekippt hatte. In dem auf dieser Entscheidung fußenden Gesetz des Bundesstaates mit dem Wahlspruch "With God, all things are possible" ("Mit Gott sind alle Dinge möglich") ist nun offenbar selbst im Fall einer missbrauchten Minderjährigen ein Schwangerschaftsabbruch nicht erlaubt – obwohl es bei einer so jungen Mutter durchaus eine medizinische Indikation für eine Abtreibung geben kann.

Abtreibung: In Indiana kann Mädchen noch geholfen werden

Eine Notaufhebung des Abtreibungsverbotes wurde zudem am vergangenen Freitag durch den Obersten Gerichtshof von Ohio abgelehnt, berichtete die Zeitung "Cincinnati Enquirer". Damit bleibt das Verbot zunächst in Kraft, obwohl das entsprechende Gesetz in der vergangenen Woche durch mehrere Klagen angefochten wurde und damit weiter strittig ist.

Im Nachbarstaat Indiana ist das anders. Auch dort wird ein neues, strengeres Abtreibungsgesetz erwartet, doch wird das Parlament des Staates darüber voraussichtlich erst Ende Juli beraten und entscheiden. Bis dahin gilt dort das bisherige Recht unter den Bedingungen von "Roe v. Wade" – der Ausweg für das zehnjährige Mädchen aus Ohio, das sich den Berichten zufolge in die Obhut der Gynäkologin Bernard begab. Im Nachbarstaat kann dem Kind somit geholfen werden – wenn wohl auch nur noch für kurze Zeit. "Es ist schwer vorstellbar, dass wir in nur wenigen Wochen nicht in der Lage sein werden, eine solche Behandlung vorzunehmen", blickt Bernard bereits mit Sorge in die nahe Zukunft.

Lange Reise zur nächsten Fachklinik

Der Fall der Zehnjährigen ist damit auch ein frühes Beispiel dafür, was Kliniken in Bundesstaaten bevorsteht, in denen es auch weiterhin eine liberale Abtreibungsregelung geben wird. Gynäkologinnen aus Indiana berichten schon jetzt von einem enormen Zulauf von betroffenen Mädchen und Frauen aus den Nachbarstaaten Ohio und Kentucky. Den Angaben der Medizinerinnen zufolge ist die Nachfrage in den Abtreibungskliniken von fünf bis acht pro Tag auf jetzt 20 angestiegen.

Ob oder unter welchen Einschränkungen die Kliniken in Indiana auch nach dem 25. Juli noch werden helfen können, ist derzeit völlig offen. Kliniken in Staaten mit liberalem Abtreibungsrecht werden Experten zufolge einen enormen Ansturm erleben. Schon jetzt wird davon ausgegangen, dass sich die Wartezeit auf einen qualifizierten Eingriff auf mehrere Wochen verlängern wird. Auch die Anreise zu einer Klinik wird sich den Prognosen zufolge deutlich verlängern – für rund jede zweite Betroffene auf etliche hundert Kilometer.

Quellen: "The Columbus Dispatch"; "Cincinnati Enquirer"; WAFYI Indianapolis; FiveThirtyEight

dho

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