Afghanistan-Einsatz Israel trainiert Bundeswehr


Bundeswehrsoldaten werden erstmals in Israel für einen Auslandseinsatz ausgebildet. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" trainieren derzeit deutsche Piloten unter Anleitung der israelischen Luftwaffe und dem Flugzeugbauer Israel Aerospace Industries den Umgang mit Drohnen.
Von Silke Mertins, Thomas Steinmann und Fidelius Schmid

Ab März will die Bundeswehr drei der unbemannten Flugzeuge in Afghanistan einsetzen, wo die Aufklärungskapazitäten angesichts der militärischen Eskalation dringend gebraucht werden. "Es hat schon sehr oft Training in Deutschland gegeben für israelische Soldaten, und natürlich Manöver im Mittelmeer", sagte ein Sprecher des israelischen Verteidigungsministeriums. Gleiches gilt für gemeinsame Offiziersschulungen in Israel. "Aber noch nie sind deutsche Soldaten in Israel ausgebildet worden", sagte der Sprecher weiter.

Neue Etappe in der Kooperation

Dass Bundeswehrpiloten 65 Jahre nach dem Ende des Holocaust in Israel für einen Einsatz in einem islamischen Land trainiert werden, markiert eine neue Stufe in der militärischen Zusammenarbeit. Die Israelis verfügen vor allem über einen Erfahrungsvorsprung bei der militärischen Aufklärung. Die israelische Armee überwacht mit Drohnen wie Heron 1 unter anderem den Gaza-Streifen und den Südlibanon.

Bei den Deutschen handelt es sich nach Angaben des Bundesverteidigungsministeriums um erfahrene Piloten von Kampf- und Transportflugzeugen sowie Hubschraubern. Für die sechswöchigen Lehrgänge sind nach FTD-Informationen 15 bis 20 Bundeswehrangehörige vorgesehen. Die Drohne vom Typ Heron 1 wird von einer Zweimannbesatzung - einem Pilot und einem Sensorbediener - aus einem Container per Joystick gesteuert.

Heron 1 wird von dem Flugzeugbauer Aerospace Industries in Zusammenarbeit mit dem deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall gebaut. Im Herbst hatte das Bundesverteidigungsministerium einen Leasingvertrag in zweistelliger Millionenhöhe mit den Herstellern abgeschlossen, der den Einsatz von insgesamt drei Drohnen in Afghanistan vorsieht. Mit seiner Entscheidung für Heron hatte sich das Ministerium den Ärger des EADS-Konzerns zugezogen, der sich ebenfalls Hoffnungen auf den Auftrag gemacht hatte, aber kurzfristig kein geeignetes Aufklärungssystem liefern konnte.

Die Drohnen sollen Mitte März im nordafghanischen Masar-i-Sharif stationiert werden. Im Vergleich zu den bisherigen Aufklärungssystemen der Bundeswehr hat Heron 1 den Vorteil, dass es einen größeren Einsatzraum abdecken und auch bei schwierigen Wetterbedingungen zuverlässige Informationen liefern kann.

Ärger in der arabischen Welt

Der Einsatz von Heron 1 gilt zunächst nur als Übergangslösung. Der Vertrag mit den Herstellern läuft vorerst nur ein Jahr, er sieht aber die Option für eine Verlängerung um zwei weitere Jahre vor. Solange Heron im Einsatz ist, werde die Ausbildung der deutschen Soldaten auf jeden Fall in Israel stattfinden, hieß es im Bundesverteidigungsministerium.

Die militärische Zusammenarbeit Deutschlands sowie der Nato insgesamt mit Israel stößt in der arabischen Welt auf großen Argwohn. Erst diese Woche geißelte Saif al-Islam al-Gaddafi, Sohn des libyschen Diktators Muammar al-Gaddafi, die Kooperation in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel. Er erfahre "mit großer Überraschung", dass die Bundesrepublik ein U-Boot und zwei weitere Kriegsschiffe an Israel liefere, schrieb Gaddafi am Montag. Dem jüdischen Staat dürfe Berlin keine "tödlichen Geschenke" machen.

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