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Afghanistan: Karsai will Friedensgespräche mit Taliban boykottieren

Nachdem die Taliban in Katar ein Verbindungsbüro eröffnet haben, streiten Kabul und Washington über den weiteren Umgang mit den Islamisten. Verhandlungen unter US-Führung lehnt Präsident Karsai ab.

Die afghanische Regierung von Präsident Hamid Karsai will sich nicht an Friedensgesprächen mit den Taliban im Golf-Emirat Katar beteiligen. Der Hohe Friedensrat werde nicht an Verhandlungen teilnehmen, solange es sich nicht um einen vollständig von Afghanen geführten Friedensprozess handele, teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit. Die Islamisten hatten Verhandlungen mit Afghanistans Regierung bislang immer abgelehnt. Am Mittwochmorgen hatte Karsai bereits die Verhandlungen mit den USA über ein Sicherheitsabkommen nach 2014 ausgesetzt. Grund seien "Widersprüche zwischen den Taten und den Aussagen der Vereinigten Staaten von Amerika hinsichtlich des Friedensprozesses."

Afghanistan wolle Friedensgespräche mit den Taliban auf der Basis der Errungenschaften der vergangenen zehn Jahre, hieß es in der Mitteilung des Präsidentenpalastes weiter. "Aber von diesem Büro (der Taliban) geht eine Botschaft von Krieg und Blutvergießen aus." Jüngste Entwicklungen deuteten darauf hin, dass "ausländische Mächte" hinter den Friedensgesprächen steckten. Zudem habe die Art und Weise, wie das Büro in Doha eingeweiht worden sei, den von den USA gegebenen Garantien widersprochen. Die Taliban hatten an dem Gebäude unter anderem ihre Flagge gehisst.

"Wir wussten, dass es Spannungen geben würde"

Die Taliban hatten am Dienstag ein Verbindungsbüro in Katars Hauptstadt eröffnet. Die US-Regierung hatte daraufhin direkte Gespräche mit den Islamisten dort angekündigt. US-Präsident Barack Obama verteidigte die geplanten Gespräche und reagierte gelassen auf Karsais Kritik. "Wir wussten, dass es Spannungen geben würde", sagte Obama bei seinem Besuch in Berlin. "Das ist keine Überraschung." In Afghanistan herrsche großes Misstrauen. "Wir sind mitten im Krieg."

Trotzdem rief Obama dazu auf, den Prozess der Verständigung zwischen den Konfliktparteien fortzusetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) lobte die amerikanische Initiative.

Islamisten wollen Terroranschläge fortsetzen

Trotz der bevorstehenden Friedensgespräche wollen die Taliban ihre Angriffe und Terroranschläge in Afghanistan fortsetzen. "Das Islamische Emirat Afghanistans verfolgt politische und militärische Optionen", sagte ein Sprecher des Taliban-Büros dem Sender al-Dschasira. "Es gibt jetzt keinen Waffenstillstand. Sie greifen uns an und wir greifen sie an. Die Angriffe werden parallel zu den Friedensgesprächen weitergehen."

Die Taliban, die bis Ende 2001 in Afghanistan herrschten, das Land "Islamisches Emirat Afghanistan" nannten und danach in einen Guerillakrieg mit den US-geführten Truppen traten, versprechen sich einem Sprecher zufolge "den Beginn des Dialogs zwischen den Taliban und der Welt". Sie stellten rasche Gespräche mit den USA und "unter Umständen" auch mit der afghanischen Regierung in Aussicht.

mad/DPA/AFP / DPA