Afghanistan-Krieg Taliban töten immer mehr Zivilisten


In Afghanistan sind 2009 bei Kämpfen und Anschlägen mehr als 2400 Zivilisten getötet worden - so viele wie noch nie seit dem Sturz der Taliban. Während die Zahl der Opfer bei Militäroperationen gesunken ist, nahmen Aufständische immer weniger Rücksicht auf die Bevölkerung.

Der Konflikt in Afghanistan hat im abgelaufenen Jahr mehr Zivilisten das Leben gekostet als je zuvor seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan teilte am Mittwoch in Kabul mit, 2009 sei die Zahl der getöteten Unbeteiligten verglichen mit dem Vorjahr um 14 Prozent auf 2412 gestiegen. Aufständische wie die Taliban seien für rund zwei Drittel dieser Toten verantwortlich gewesen. 25 Prozent der zivilen Opfer hätten Militäroperationen wie etwa der von der Bundeswehr angeordnete Luftangriff von Kundus verursacht. Die restlichen acht Prozent ließen sich keiner Konfliktpartei zuordnen.

Die UN-Mission teilte weiter mit, die Zahl der bei Angriffen und Anschlägen der Aufständischen getöteten Zivilisten habe im abgelaufenen Jahr um 40 Prozent zugelegt. Die Zahl der Opfer, für die ausländische und einheimische Sicherheitskräfte verantwortlich waren, habe seit dem Vorjahr dagegen um 28 Prozent abgenommen. Von diesen knapp 600 getöteten Unbeteiligten seien 60 Prozent bei Luftangriffen der Truppen ums Leben gekommen. Die Aufständischen seien weiterhin für den Großteil der Opfer verantwortlich und töteten dreimal so viele Unbeteiligte wie die Regierungstruppen, so die UN.

"Der Konflikt hat sich verschärft"

In Deutschland hatte besonders der von der Bundeswehr im vergangenen September angeordnete Luftangriff im nordafghanischen Kundus eine Debatte um zivile Opfer ausgelöst. Die UN-Mission machte keine Angaben zur Zahl der zivilen Opfer bei diesem Bombardement. Nach Angaben der von Präsident Hamid Karsai eingesetzten Untersuchungskommission waren damals 30 Zivilisten und 69 Taliban getötet worden. Die Nato hatte die Opferzahl insgesamt mit bis zu 142 angegeben, darunter eine nicht näher genannte Anzahl Zivilisten.

Die UN-Verantwortliche für Menschenrechte, Norah Niland, sagte, der Rückgang ziviler Opfer bei Militäroperationen sei auf das vorsichtigere Vorgehen der Truppen zurückzuführen. Die Sicherheitskräfte müssten ihre Anstrengungen aber noch verstärken. Sie rief beide Konfliktparteien dazu auf, ihren internationalen Verpflichtungen nachzukommen und die Auswirkungen auf Zivilisten zu minimieren. "Der Konflikt hat sich verschärft und in Gegenden ausgebreitet, die zuvor als sicher galten", sagte Niland. "Die Sicherheit und das Wohlergehen der Zivilbevölkerung müssen an erster Stelle stehen."

DPA DPA

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