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Afghanistan Zahl der getöteten Zivilisten erreicht Rekordwert


Die Gewalt in Afghanistan hat dramatisch zugenommen: Nach Angaben der Uno sind in der ersten Jahreshälfte so viele Zivilisten getötet worden, wie noch nie seit dem internationalen Militäreinsatz.

Die Zahl der zivilen Todesopfer in Afghanistan ist in der ersten Jahreshälfte auf einen neuen Höchststand seit 2001 gestiegen. Im ersten Halbjahr 2011 seien 15 Prozent mehr Zivilisten getötet worden als im Vorjahreszeitraum, teilte die UN-Mission in Afghanistan am Donnerstag mit. Für 80 Prozent der 1462 Todesfälle seien die Aufständischen verantwortlich, 14 Prozent müssten der Nato und der afghanischen Armee zugeschrieben werden.

"Da der Konflikt sich in den traditionellen Kampfgebieten im Süden und Südosten intensivierte und sich auf Bezirke im Westen und Norden ausdehnte, hat der Schutz der Zivilisten eine Abwärtsspirale erlebt", erklärte die UN-Mission Unama. Mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanische Armee in mehreren Gebieten im Juli habe die Gewalt zugenommen, da die Aufständischen beweisen wollten, dass die afghanische Armee allein nicht fähig sei, die Sicherheit zu gewährleisten.

Nach Angaben der Unama wurden seit Beginn des internationalen Militäreinsatzes in Afghanistan 2001 noch nie so viele Zivilisten binnen sechs Monaten getötet. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres starben demnach 1271 Zivilisten; mit insgesamt 2777 getöteten Zivilisten wurde 2010 der bisherige Höchststand erreicht.

Mai war der tödlichste Monat

Etwa die Hälfte der zivilen Opfer kam laut Unama in den ersten sechs Monaten 2011 durch Bombenanschläge ums Leben. Doch auch die Zahl der Opfer bei Kämpfen zwischen Aufständischen und der Armee sei gestiegen. Außerdem habe es mehr zivile Tote bei Nato-Luftangriffen gegeben. Sechs Prozent der Opfer konnten keiner der Konfliktparteien zugeordnet werden. Der bislang tödlichste Monat des Jahres war der Mai mit 368 zivilen Todesopfern.

Am Donnerstagmorgen wurden in der ostafghanischen Provinz Chost bei einem Nato-Einsatz sechs afghanische Zivilisten getötet, wie ein Sprecher der Provinzregierung sagte. Ein Lehrer, ein Student und ein Mädchen seien unter den Toten. Die Nato-geführte Truppe Isaf erklärte ihrerseits, sie habe bei einer gemeinsamen Razzia mit der afghanischen Armee in einem Vorort von Chost sechs Aufständische getötet, die das Feuer auf die Soldaten eröffnet hätten.

Ebensfalls am Donnerstag hat ein Selbstmordattentäter bei einem Gottesdienst für den ermordeten Bruder des afghanische Präsidenten Hamid Karsai mindestens vier Menschen getötet. Der Täter zündete am Donnerstag in einer Moschee in Kandahar eine Bombe. Wie das Innenministerium mitteilte, ist unter den Toten auch einer der bedeutendsten islamischen Kleriker Afghanistans.

Der 50-Jährige war in seinem Haus in Kandahar von einem seiner Leibwächter erschossen worden. Zu der Tat hatten die sich radikal-islamischen Taliban bekannt.

fro/AFP AFP

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