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AKW Buschehr: Iran will in Kürze ersten Atomreaktor hochfahren

Noch im Frühjahr hatten die USA gefordert, das Projekt zu stoppen. Vergebens. Russland will das Atomkraftwerk in Buschehr in der nächsten Woche mit Brennstoff beliefern. Wenige Tage später soll das erste iranische AKW ans Netz gehen.

Das erste Atomkraftwerk im Iran soll noch in diesem Monat seinen Betrieb aufnehmen. Das von Russland gebaute AKW in Buschehr werde am 21. August mit Brennstoff versorgt, teilte die russische Atombehörde Rosatom am Freitag mit. Ab diesem Zeitpunkt könne die Anlage als nukleare Einrichtung angesehen werden.

Der Iran bestätigte die baldige Inbetriebnahme. Der Brennstoff solle in der kommenden Woche in das AKW gebracht werden. Dann seien noch sieben bis acht Tage nötig, um die Brennstäbe in dem Reaktor zu installieren, sagte der Chef der Atombehörde, Ali Akbar Salehi, nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Irna. Die offizielle Inbetriebnahme der umstrittenen Anlage soll russischen Aussagen zufolge von einem Festakt begleitet werden. Dazu werde auch Rosatom-Chef Sergej Kirijenko in den Iran reisen.

Der Reaktor im Südiran gehört zu den Streitpunkten des Landes mit der internationalen Gemeinschaft, die hinter dem iranischen Atomprogramm die Absicht zum Bau von Atomwaffen vermutet. Die Regierung in Teheran bestreitet die Vorwürfe. US-Außenministerin Hillary Clinton hatte noch im Frühjahr gefordert, das Projekt in Buschehr solle nicht fortgesetzt werden, solange der Iran Garantien dafür schuldig bleibe, dass er unter dem Vorwand der Stromgewinnung nicht heimlich nach Atomwaffen strebe.

Russland hatte zuletzt mehrfach erklärt, dass das Kraftwerk im Sommer ans Netz gehen solle. Die schon für 2007 geplante Fertigstellung hatte sich immer wieder verzögert, unter anderem auch wegen Zahlungsproblemen auf iranischer Seite. Die Regierung in Moskau hatte zwar die Iran-Sanktionen im Weltsicherheitsrat mitgetragen. Allerdings verurteilte der Kreml die schärferen Maßnahmen, die die EU und die USA zusätzlich verabschiedet hatten. Russland will zwar wie der Westen verhindern, dass der Iran Atomwaffen baut, jedoch billigt Moskau der Führung in Teheran das Recht auf zivile Nutzung der Atomenergie zu.

Deutscher Siemens-Konzern hatte den Bau begonnen

Der Bau der Anlage am Persischen Golf war bereits in den 1970er Jahren von der damaligen Kraftwerk Union AG (Siemens) begonnen, im Zuge des irakisch-iranischen Kriegs 1980 aber eingestellt worden. Nach der iranischen Revolution hatte Russland 1994 das Buschehr-Projekt übernommen. Zuletzt hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass der deutsche Zoll in Frankfurt die Ausfuhr von Siemens-Ausrüstung für das Atomkraftwerk verhindert habe. Dem Bericht zufolge sollten Bauteile über die russische Nuklearfirma Atomstroiexport in den Iran geliefert werden.

mad/swd/AFP/DPA / DPA