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Amnestie in Kuba: Castro lässt politische Gefangene frei

Tauwetter in Kuba: Die Regierung des Inselstaates ließ mehrere politische Häftlinge frei und hielt sich damit an ein Versprechen von Staatschef Raúl Castro. Dessen Bruder und Amtsvorgänger Fidel Castro zeigte sich erstmals seit 2006 fast gleichzeitig wieder in der Öffentlichkeit.

Die kubanische Regierung hat nach Angaben von Angehörigen mit der versprochenen Freilassung von politischen Häftlingen begonnen. Wie die Nachrichtenagentur AFP am Samstag von Familienangehörigen erfuhr, wurden mindestens drei Gefangene entlassen und in die kubanische Hauptstadt Havanna gebracht. Von dort aus sollen sie nach Angaben von mit der weiteren Prozedur Vertrauten Anfang kommender Woche nach Spanien weiterreisen.

Der Cousin des freigelassenen Oppositionellen José Garcia Paneque sagte, dieser habe seine Familie angerufen und ihr gesagt, dass er sich nicht mehr im Gefängnis von Las Tunas im Zentrum des Landes, sondern in Havanna befinde. Die Ehefrauen der beiden Dissidenten Pablo Pacheco und Luis Milan sagten, sie hätten ihrerseits Anrufe von Mitgefangenen erhalten, die sie über die Freilassung ihrer Männer informiert hätten. Auch Pacheco und Milan wurden demnach nach Havanna gebracht. Noch sei aber niemand von den kubanischen Behörden gekommen, um die Familie abzuholen, mit der die Dissidenten nach Spanien gehen dürfen, sagte Milans Ehefrau.

Die ersten freigelassenen Gefangenen könnten "Anfang der kommenden Woche" nach Spanien aufbrechen. Madrid hatte sich nach der Ankündigung Kubas, insgesamt 52 politische Häftlinge freizulassen, zur Aufnahme der Dissidenten bereiterklärt. Ob außer den drei Männern noch mehr Häftlinge freigelassen wurden, blieb zunächst unklar. Die kubanischen Behörden wollten sich zu dem Thema nicht äußern. Allerdings sagten bereits mehrere Familien von Dissidenten AFP, sie seien bereits kontaktiert und gebeten worden, sich auf die Begleitung ihrer Angehörigen nach Spanien vorzubereiten, sobald diese frei seien.

Die katholische Kirche des Landes hatte am Samstag mitgeteilt, dass die kubanischen Behörden "demnächst" zunächst 17 politische Gefangene freilassen würden, die mit ihren Familien nach Spanien reisen dürften. Die Kirche betonte jedoch, die Aufnahme durch Spanien sei ein "Vorschlag" und kein Gang ins "Exil", keiner dürfe gezwungen werden, in das Land zu gehen.

Die Regierung unter Staatschef Raúl Castro hatte am Mittwoch überraschend mitgeteilt, in den kommenden Monaten insgesamt 52 politische Häftlinge freizulassen. Es sind dies die verbliebenen Gefangenen einer Gruppe von insgesamt 75 kubanischen Regierungsgegnern, die im März 2003 festgenommen und zu Haftstrafen zwischen sechs und 28 Jahren verurteilt worden waren. Nach der international begrüßten Ankündigung hatte der inhaftierte Regierungskritiker Guillermo Fariñas nach mehr als vier Monaten seinen lebensbedrohlichen Hungerstreik beendet.

Fidel Castro zeigt sich in der Öffentlichkeit

Der frühere kubanische Präsident Fidel Castro ist nach Medienberichten erstmals seit seiner Erkrankung 2006 wieder in der Öffentlichkeit aufgetreten. Wie die offizielle kubanische Webseite "Cubadebate " am Samstag berichtete und auf Fotos dokumentierte, besuchte Fidel Castro am vergangenen Mittwoch ein wissenschaftliches Institut in Havanna.

Auf den Bildern ist ein gut gelaunter Castro in einer weißen Trainingsjacke im Gespräch mit Wissenschaftlern des Nationalen Zentrums für wissenschaftliche Forschung (CNIC) zu sehen. Anlass des Besuchs sei der 45. Gründungstag der Einrichtung gewesen.

Der Comandante sei von den Mitarbeitern herzlich empfangen worden. Die fünf Fotos wurden von einem seiner Söhne, dem Fotografen Alex Castro Soto del Valle, aufgenommen.

Der heute 83-jährige Fidel Castro hatte 2006 wegen einer Darmoperation die Amtsgeschäfte als Staatschef an seinen Bruder Raúl abgetreten. Er war seither nicht mehr öffentlich aufgetreten. Nach internationalen Medienberichten war dies der erste öffentliche Auftritt des früheren Präsidenten seit seinem Rückzug von der Macht im Jahr 2006.