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Annäherung der Taliban Islamisten suchen "friedliche und politische Lösung"


Die Hoffnungen auf eine Verhandlungslösung in Afghanistan schwanden zuletzt immer weiter. Zu festgefahren erschien der Konflikt mit den Taliban. Nun könnte es überraschend doch noch Bewegung geben.

Das hat es seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 nicht mehr gegeben: Ein Vertreter des "Islamischen Emirats Afghanistans", wie die Taliban sich in Erinnerung an ihre Regierungszeit nennen, trat am Dienstag vor die Presse. Weltweit live übertragen vom Sender al Dschasira verkündete Muhammad Naeem in Doha die Eröffnung eines "politischen Büros" der Taliban im Golf-Emirat Katar. Das Ziel: "Eine friedliche und politische Lösung" des Krieges und ein Ende der "Besatzung" Afghanistans durch die ausländischen Truppen herbeizuführen.

Eine Verhandlungslösung in Afghanistan liegt zwar auch mit dem Taliban-Büro in Doha in weiter Ferne. Die Eröffnung könnte aber der erste schwache Hoffnungsschimmer seit langem sein.

Zuletzt hat die Gewalt wieder deutlich zugenommen. Ende April begannen die Taliban ihre Frühjahrsoffensive mit spektakulären Anschlägen. Erst vergangene Woche attackierte ein Selbstkommando den Kabuler Flughafen. Auch die Bundeswehr wurde von der jüngsten Gewaltwelle erfasst. Anfang Mai wurde ein Elitesoldat des Kommandos Spezialkräfte (KSK) in einem Taliban-Hinterhalt erschossen. Er war der erste deutsche Gefallene seit fast zwei Jahren.

Kampfeinsatz läuft Ende 2014 aus

Die Gewalt gab wenig Anlass für Optimismus - und das Zeitfenster schließt sich. Der Kampfeinsatz der Nato-geführten Afghanistantruppe Isaf läuft Ende 2014 aus; dann sollen afghanische Polizei und Armee weitgehend alleine für Sicherheit sorgen. Zwar betonen Regierung und Isaf immer wieder, die afghanischen Sicherheitskräfte (ANSF) seien dazu in der Lage. Erst am Dienstag verkündete der afghanische Präsident Hamid Karsai, die ANSF würden nun die Verantwortung im ganzen Land übernehmen. Dennoch bleiben erhebliche Zweifel daran, ob die Afghanen der Aufgabe gewachsen sein werden.

Schon lange ist auch innerhalb der Nato klar, dass es einen militärischen Sieg über die Taliban nicht geben wird. Karsai fordert die Aufständischen zu Verhandlungen auf - bislang ohne Erfolg. Angesichts der immer aussichtsloseren Lage rief der Präsident 2010 den Hohen Friedensrat (HPC) ins Leben. Doch dessen Vorsitzenden, den früheren Präsidenten Burhanuddin Rabbani, sprengte im Jahr darauf ein Selbstmordattentäter in die Luft, der sich als Friedensemissär der Taliban ausgegeben hatte.

Anfang vergangenen Jahres schien dann wieder Bewegung in die festgefahrene Situation zu kommen. Die Taliban kündigten im Januar 2012 an, das Büros in Doha zu eröffnen, nachdem Karsai seinen Widerstand dagegen bei Katars Regierung aufgegeben hatte.

Taliban wollen nur mit den USA verhandeln

Allerdings wollten die Taliban direkt nur mit den Amerikanern verhandeln - und nicht mit Karsai, den sie als Marionette Washingtons beschimpfen. Die "vorläufigen Gespräche", wie sie die Taliban nannten, scheiterten, nachdem sich die Regierung Barack Obamas wenige Monate vor der US-Präsidentenwahl nicht zu einem Gefangenenaustausch durchringen konnte. Das Taliban-Büro blieb geschlossen - bis das Projekt am Dienstag überraschend wieder Fahrt aufnahm.

Bei der Eröffnung des Büros sagte Muhammad Naeem zwar nichts dazu, ob die Taliban nun auch mit der Karsai-Regierung reden würden. Er schloss es aber zumindest nicht mehr explizit aus. Karsai gab sich jedenfalls optimistisch. Er kündigte an, eine Delegation des Hohen Friedensrates zu Gesprächen mit den Taliban nach Katar zu entsenden. Er hoffe, sagte der Präsident, dass solche Gespräche den "Anfang für einen Übergang zum Frieden" in Afghanistan bilden könnten.

Von Can Merey, DPA DPA

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