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Anschläge von Toulouse: Sarkozy will Veröffentlichung von Attentatsvideo verhindern

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will verhindern, dass das Video ausgestrahlt wird, das der Attentäter von Toulouse bei seinen Taten gedreht hat. Die Aufzeichnung war dem TV-Sender al Dschasira zugespielt worden.

In Frankreich haben Spekulationen über mögliche Komplizen des Serienmörders von Toulouse durch ein Tatvideo Auftrieb erhalten. Eine Kopie der Aufnahmen war dem arabischen Nachrichtensender al Dschasira nach eigenen Angaben zugeschickt worden. Noch sei unklar, wer das Video am vergangenen Mittwoch abgeschickt habe, aber es "kann nicht Mohamed Merah sein", teilte die Polizei am Dienstag in Paris mit. Nun wird in der französischen Öffentlichkeit spekuliert, dass ein Komplize das Video abgeschickt haben könnte. Merah hatte seine Verbrechen nach Angaben der Ermittler selbst gefilmt.

"Man sieht alle Taten drauf", sagte der Pariser Büroleiter des Senders, Zied Tarrouche, am Dienstag dem TV-Kanal BFM. Auch die Schreie der Opfer seien klar zu hören. "Das ist eine Videomontage mit Bildern der verschiedenen Morde mit Musik und Koranversen", berichtete ein Ermittler. Der Film sei auf einem USB-Stick gespeichert gewesen und außerhalb von Toulouse abgeschickt worden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy hat die Fernsehsender am Dienstag aufgerufen, "unter keinen Umständen" die Bilder der Attentatsserie auszustrahlen. "Aus Respekt vor den Opfern und vor der Republik" solle das Video nicht gesendet werden, sagte Sarkozy in Paris.

Sarkozy zeigte sich "empört" darüber, dass der Vater des Attentäters Mohamed Merah den französischen Staat verklagen wolle, weil sein Sohn von Elitepolizisten erschossen worden war. Mit Blick auf den Vater sagte der Präsident: "Ich möchte diesen Mann daran erinnern, dass sein Sohn seine Verbrechen gefilmt und die teuflische Vorsorge getroffen hat, diese schändlichen Bilder einem Fernsehsender zukommen zu lassen." Der Vater Mohamed Benalel Merah, der in Algerien lebt, hatte am Montagabend eine Klage gegen Frankreich angekündigt, weil der Staat seinen Sohn getötet habe.

Gab es mehrere Komplizen?

Inzwischen suchen die Ermittler zudem nach einem zweiten Komplizen. Dabei gehe es um den Diebstahl des Motorrollers, den Mohamed Merah bei seinen drei Bluttaten benutzt hat, hieß es am Dienstag von Seiten der Polizei in Paris. Dieser dritte Mann, der noch nicht identifiziert sei, sei womöglich auch vor den Anschlägen an Vorbereitungen beteiligt gewesen, etwa indem er Motorradzubehör gekauft oder sich zur Abschaltung der Diebstahlsicherung kundig gemacht habe.

Bisher hatten die Ermittler mitgeteilt, dass Mohamed Merah ein Einzeltäter gewesen sei, der vermutlich von seinem älteren Bruder unterstützt wurde. Der Bruder soll auch an dem Diebstahl des Motorrollers beteiligt gewesen sei. Gegen Abdelkader Merah, der in der Nähe von Paris inhaftiert ist, läuft ein Ermittlungsverfahren.

Merah hatte an drei Tagen im März insgesamt sieben Menschen erschossen, darunter drei Kinder und einen Lehrer an einer jüdischen Schule. Der Attentäter war am vergangenen Donnerstag von der Polizei in seinem Haus erschossen worden.

Bekennerschreiben in fehlerhaftem Französisch

Dem Video, das al Dschasira zugespielt wurde, habe ein handgeschriebenes Bekennerschreiben in fehlerhaftem Französisch beigelegen. Die Behörden, die beides untersuchten, halten die Aufnahmen für authentisch. Sie bezweifeln aber eine Beteiligung des Terrornetzwerks al Kaida. Merah hatte sich selbst als Gotteskrieger bezeichnet und erklärt, dem Terrornetzwerk al Kaida nahezustehen.

Die Sendung trug den Poststempel vom vergangenen Mittwoch, schrieb die Zeitung "Le Parisien". An diesem Tag hatte die Belagerung des Appartements, in dem der Serienmörder nach einem mehr als 30-stündigen Nervenkrieg von der Polizei erschossen wurde, bereits begonnen.

fro/DPA/AFP / DPA