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Mutmaßlicher Attentäter von Toulouse Mohamed Merah stirbt im Kugelhagel


Dramatisches Ende der Belagerung in Toulouse: Nach 32 Stunden hat die Polizei Mohamed Merah beim Sprung aus einem Fenster erschossen. Eine al-Kaida-nahe Gruppe bekannte sich derweil zu den Attentaten.

Die nervenzehrende Belagerung ist beendet, der mutmaßliche Serienattentäter von Toulouse ist tot: Scharfschützen erschossen Mohamed Merah nach Polizeiangaben am Donnerstag, als er aus dem Fenster seiner Wohnung in der südfranzösischen Stadt flüchten wollte. Zuvor hatte sich der 23-Jährige nach Angaben von Innenminister Claude Guéant einen heftigen Schusswechsel mit den Elitepolizisten geliefert, bei dem ein Beamter verletzt wurde. Zu Beginn der Belagerung durch die Polizei hatte er noch signalisiert, sich ergeben zu wollen - doch das tat er nie.

Eine dem Terrornetzwerk al Kaida nahestehende Organisation hat sich inzwischen zu den Anschlägen bekannt. Die Gruppe namens Dschund al Chilafah (Die Soldaten des Kalifats) forderte Frankreich in einer im Internet veröffentlichten Botschaft auf, seine "feindliche" Politik gegenüber Muslimen aufzugeben.

Die Eliteeinheit Raid der Polizei drang gegen elf Uhr in die Wohnung von Merah ein, in der er sich 32 Stunden lang verschanzt hatte. Dort prüften die Polizisten zunächst mit Kameras jedes Zimmer und tasteten sich langsam vor. Zu dem Zeitpunkt war nicht klar, ob der 23-Jährige überhaupt noch am Leben war.

Die ganze Nacht saß der 23-Jährige im Dunkeln in seiner Wohnung. Die Polizei hatte die Beleuchtung in der Rue du Sergent Vigné ausgeschaltet, so dass Merah nicht sehen konnte, was draußen vor sich ging. Außerdem stellten die Polizisten in seinem Haus Strom, Gas und Wasser ab, so dass sich der algerischstämmige Franzose nicht mehr über Radio und Fernsehen informieren konnte.

Verdächtiger schoss bis zuletzt um sich

Um Merah zusätzlich unter Druck zu setzen, inszenierte die Polizei in der Nacht mehrere Explosionen. Als am Morgen erneut drei schwere Detonationen die Rue du Sergent Vigné erschütterten, war das allerdings keine Einschüchterungsmaßnahme mehr: Die Elitepolizisten rückten nun tatsächlich vor.

Der algerischstämmige Franzose hielt sich im Badezimmer versteckt und kam laut Guéant "mit äußerster Gewalttätigkeit" um sich schießend heraus. Dann sei er mit der Waffe in der Hand aus dem Fenster gesprungen, immer noch um sich feuernd. Dabei wurde er Raid-Scharfschützen erschossen.

Bei dem Schusswechsel mit Merah wurden laut Polizei 300 Patronen abgefeuert. Ein Polizist sagte, er habe noch nie einen so schweren Angriff erlebt, berichtete Guéant. Ein Beamter wurde am Bein verletzt, ein zweiter erlitt einen Schock. Guéant hatte angeordnet, den Verdächtigen möglichst lebend zu fassen, um ihn vor Gericht zu stellen.

Sarkozy kündigt Maßnahmen an

Präsident Nicolas Sarkozy gratulierte den Einsatzkräften. "Wir denken jetzt besonders an die von dem Mörder Getöteten und Verwundeten", fügte der Präsident in einer Erklärung hinzu. In einer Fernsehansprache kündigte Sarkozy zudem verschärfte Maßnahmen gegen "die Verherrlichung des Terrorismus" an. Auch Aufrufe zum Hass und zur Gewalt würden künftig härter verfolgt, sagte Sarkozy.

"Von jetzt an wird jede Person, die regelmäßig Internetseiten aufruft, die den Terrorismus verherrlichen oder zu Hass und Gewalt aufrufen, strafrechtlich verfolgt", betonte der Präsident. Dies gelte auch für Personen, die im Ausland ideologische Schulungen dieser Art besuchten. Zudem solle extremistische Indoktrinierung in Gefängnissen strenger verfolgt werden. Propaganda und Verherrlichung extremistischer Ideologien würden bereits im Rahmen des Anti-Terror-Kampfes bestraft.

Merah plante weitere Morde

Die Polizei hatte Mohamed Merah in der Nacht zu Mittwoch aufgespürt und belagerte seither das Haus. Der Verdächtige bekannte sich dazu, in den vergangenen Tagen im Großraum Toulouse sieben Menschen erschossen zu haben. Der Tod dreier Fallschirmjäger soll ebenso auf sein Konto gehen wie der Anschlag auf eine jüdische Schule, bei dem drei Kinder und ein Rabbiner ums Leben kamen. Jedes Mal soll der Mann mit einem Motorroller geflohen sein. Merah gab in Gesprächen mit der Polizei an, Mitglied des islamistischen Terrornetzwerks al Kaida zu sein.

Der mutmaßliche Attentäter zeigte nach Angaben des Pariser Staatsanwalts François Molins "keinerlei Reue", vielmehr bedauerte er, dass er nicht noch mehr Menschen habe töten können. Seine Attentate glorifizierte der Islamist demnach mit den Worten, er habe "Frankreich in die Knie gezwungen". Der 23-Jährige plante auch, einen weiteren Soldaten sowie zwei Polizisten zu töten.

Staatsanwalt Molins bestätigte, dass Merah zweimal in Afghanistan und in Pakistan war, dass er aber "ein untypisches Profil salafistischer Selbstradikalisierung" aufweise. Er sei mit eigenen Mitteln und nicht über die bekannten Netzwerke nach Afghanistan gekommen. Der Mann habe auch erklärt, von al Kaida in Waziristan im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet worden zu sein.

mlr/DPA/AFP/Reuters DPA Reuters

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