Anschläge Wer steckt hinter dem Terror?


Nach den Bombenanschlägen mit mehr als 200 Toten in Madrid steht weiterhin nicht fest, ob die baskische Untergrundorganisation ETA oder eine islamische Terrorgruppe wie El Kaida dahinter gesteckt hat. Was für die eine oder andere Seite spricht.

Nach den Bombenanschlägen mit mehr als 200 Toten in Madrid steht weiterhin nicht fest, ob die baskische Untergrundorganisation ETA oder eine islamische Terrorgruppe wie El Kaida dahinter gesteckt hat. Spuren gibt es in beide Richtungen, wie die Hinweise zeigen, denen die Ermittler nachgehen. Dass es eine Zusammenarbeit beider Seiten gab, halten die Fahnder für eher unwahrscheinlich.

Was für die Täterschaft der ETA spricht

1. Die Bomben bestanden aus einem in Spanien hergestellten Plastiksprengstoff namens "Goma 2", wie ihn die ETA in früheren Jahren schon eingesetzt hat.

2. Bereits an Heiligabend 2003 hatte die ETA versucht, einen Zug auf dem Weg nach Madrid mit zwei Bomben in die Luft zu sprengen, die in Reisetaschen versteckt waren. Die Sprengsätze wurden jedoch abgefangen, die Beinahe-Attentäter festgenommen.

3. Schon früher hat die ETA vor Wahlen - wie an diesem Sonntag - Attentate verübt.

4. Vor zwei Wochen wurden zwei mutmaßliche ETA-Terroristen gefasst, die einen mit 536 Kilogramm beladenen Lieferwagen in Madrid explodieren lassen wollten. Sie hatten einen Stadtplan bei sich, auf dem auch die Gegend der Tatorte vom Donnerstag eingekreist war.

5. Vor den Anschlägen in Madrid waren im Baskenland Flugblätter radikaler Separatisten mit dem Aufruf aufgetaucht, das spanische Bahnnetz zu sabotieren.

6. In den Aufnahmen der Sicherheitskameras der Bahnhöfe ist ein Mann zu sehen, der einem gesuchten ETA-Terroristen gleicht.

7. Im Gegensatz zu den Methoden islamischer Terroristen waren keine Selbstmordattentäter am Werk.

8. Die Echtheit des Bekennerschreibens von El Kaida, das eine in London erscheinende arabische Zeitung veröffentlichte, wird angezweifelt. Noch nie habe sich El Kaida unmittelbar nach einem Anschlag dazu bekannt, sagen spanische Ermittler.

9. Dass es keine telefonische Vorwarnung gab, ist bei ETA-Anschlägen schon mehrmals der Fall gewesen.

Was für die Täterschaft El Kaidas spricht

1. Der besagte Plastiksprengstoff "Goma 2" ist von der ETA schon seit Jahren nicht mehr benutzt worden. Zuletzt bestanden ihre Bomben stets aus einem in Frankreich hergestellten Sprengstoff namens "Titadyne".

2. Auch die Zünder sind nicht aus dem sonst von der ETA bevorzugten Material. Sie bestanden aus Kupfer, die ETA setzt in der Regel Aluminium-Zünder ein.

3. In dem gestohlenen Lieferwagen, der Stunden nach den Anschlägen gefunden worden war, stellten die Fahnder ein Tonband in arabischer Sprache mit Koran-Versen sicher. In dem Fahrzeug waren die Bomben transportiert worden. An ein Ablenkungsmanöver der ETA glauben die Ermittler nicht.

4. Die in dem Lieferwagen entdeckten Fingerabdrücke stammen nach derzeitigem Stand von keinem bekannten ETA-Aktivisten.

5. Erstmals hat das ETA-Umfeld einschließlich der verbotenen ETA- nahen Partei Batasuna die Anschläge verurteilt.

6. Antiterror-Experten bezweifeln, dass die ETA nach den zahlreichen Polizeierfolgen logistisch in der Lage ist, Anschläge zu verüben, die einer Koordinierung von bis zu einem Dutzend Terroristen bedürfen.

7. Spanien ist eines der wichtigsten Rückzugsgebiete islamischer Terroristen in Europa. Die Anschläge des 11. September 2001 in den USA waren teilweise in Spanien vorbereitet worden.

8. Islamische Extremisten hatten Spanien mit Vergeltung gedroht, weil das Land den Irak-Krieg unterstützt und im Irak 1300 Soldaten stationiert hat.

9. Das Dementi der ETA wird von der Regierung angezweifelt. Die ETA wolle damit bloß Verwirrung stiften.


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