Anschlag Deutsche Soldaten getötet


Bei einem Autobomben-Anschlag auf einen Bus mit deutschen Soldaten in Kabul sind mindestens vier Bundeswehrsoldaten getötet worden.

Bei einem Autobomben-Anschlag auf einen Bus mit deutschen Soldaten in Kabul sind mindestens vier Bundeswehrsoldaten getötet worden. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden vier weitere Soldaten schwerst verletzt. Unter den insgesamt rund 30 Verletzten befänden sich auch Passanten.

Der Anschlag ereignete sich nach Angaben der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe in Kabul (ISAF) gegen 08.30 Uhr im Osten Kabuls. Die Soldaten seien auf dem Weg zum Flughafen gewesen, um nach Ende ihres Afghanistan-Einsatzes nach Hause zu fliegen, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums. Nach Angaben der afghanischen Polizei war der Sprengstoff in einem Taxi versteckt. "Das Taxi ist vermutlich neben den Bus gefahren, und dann ist die Bombe gezündet worden", sagte ein Mitarbeiter des Kabuler Polizeichefs Basir Salangi. Es sei noch zu früh, jemanden für den Anschlag verantwortlich zu machen. Von dem Taxi sei außer dem Nummernschild nichts mehr zu erkennen.

Auch Passanten verletzt

Das Bundesverteidigungsministerium teilte mit, unter den Verletzten seien auch Passanten. Der Explosionsort wurde abgeriegelt. Sprengstoffexperten untersuchten die Wrackteile. Augenzeugen sagten, überall seien Blutspuren zu sehen.

Die Bundeswehr stellt rund 2500 der 4500 ISAF-Soldaten. Deutschland führt derzeit gemeinsam mit den Niederlanden die ISAF, die nach dem Ende der radikal-islamischen Taliban-Regierung Ende 2001 in Kabul und am nahen Flughafen für Sicherheit sorgen soll. Die Truppe wurde bereits mehrfach angegriffen. Zuletzt waren Ende Mai ein deutscher Soldat bei einer Minenexplosion getötet und ein weiterer verletzt worden. Insgesamt waren nach Angaben des Ministeriums bislang zehn Bundeswehrsoldaten in Afghanistan umgekommen und ein weiterer eines natürlichen Todes gestorben.

Bundeskanzler Gerhard Schröder

Bundeskanzler Gerhard Schröder machte "terroristische Kräfte" für den Anschlag verantwortlich. Mit solchen Attentaten solle Afghanistan zurück in die Anarchie gebombt werden. Die deutschen Soldaten würden auch nach diesem schockieren Anschlag ihren schwierigen Dienst in den internationalen Krisengebieten fortsetzen, erklärte Schröder.

Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan

Der Vorsitzende des Bundeswehrverbands, Bernhard Gertz, regte indes einen Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan an. Der Zeitung "Bild am Sonntag" sagte er, die Wahrscheinlichkeit von Anschlägen wachse, da sich die Kämpfer des gestürzten Taliban-Regimes und der Moslem-Extremistenorganisation El Kaida sammelten und wieder stärker würden. "Sollte sich die Sichrheitslage dramatisch verschärfen, sollten wir die ISAF-Friedenstruppe entweder erheblich verstärken oder aus Afghanistan abziehen." Einstweilen sollten die Soldaten in Fuchs-Transportpanzern und nicht mehr in Bussen transportiert werden.

Der verteidigungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Christian Schmidt (CSU), forderte, die für Dienstag geplante Entsendung eines Erkundungsteams für einen Bundeswehreinsatz außerhalb Kabuls auszusetzen. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) hatte die Reise erst am Donnerstag angekündigt. In der Bundesregierung wird die Teilnahme an so genannten Aufbauteams in der Provinz Herat im Nordwesten Afghanistans erwogen. Die Bundesregierung hatte sich unter Hinweis auf die labile Sicherheitslage lange gegen die von den USA geforderte Ausweitung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan gewandt. Im Mai hatte sich Schröder jedoch überraschend beim Besuch von US-Außenminister Colin Powell offen für eine Ausweitung gezeigt.


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