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Anschlagserie in Mumbai: Terroristen richten Blutbad an

Blutbad im indischen Mumbai: Eine Gruppe von vermutlich islamistischen Terroristen hat dort Luxushotels, ein Kino und den Hauptbahnhof mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen. Mindestens 80 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Angeblich befinden sich noch zahlreiche Geiseln in der Hand der Angreifer. Ein Luxushotel steht in Flammen.

Mindestens 80 Menschen sind am Mittwochabend bei einer verheerenden Terrorserie in der westindischen Finanzmetropole Mumbai ums Leben gekommen. Das teilte die Regierung des Bundesstaats Maharashtras in der Nacht zum Donnerstag (Ortszeit) mit. Der TV-Sender NDTV meldete, über 200 Menschen seien verletzt worden, als Terroristen Luxushotels, ein Kino, ein Café und den Hauptbahnhof im Zentrum der Stadt angriffen. Insgesamt hätten die Täter zwischen 10 und 17 Zielen mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten attackiert. Unter den Toten sind laut Medienberichten der Anti-Terror-Chef der örtlichen Polizei, Hemant Karkare, drei hohe Polizeioffiziere sowie ein Japaner.

Gruppe mit Namen "Deccan Mujahideen" bekennt sich zu Anschlägen

Die Täter, die nach Angaben der indischen Nachrichtenagentur PTI zur bislang wenig bekannten Gruppe mit Namen "Deccan Mujahideen" gehören, nahmen in zwei Luxushotels der indischen Millionenstadt mehrere Geiseln, wie die Regierung des Unionsstaates Maharashtra mitteilte. Eines der Hotelgebäude ging am frühen Donnerstagmorgen (Ortszeit) in Flammen auf. Augenzeugen berichteten von schweren Explosionen im Hotel Taj Mahal. Vor dem an der Uferfront gelegenen Gebäude waren Schreie zu hören, schwarze Rauchwolken stiegen auf.

NDTV berichtete, nach der Erstürmung des bei Ausländern beliebten Hotels habe eine Anti-Terror- Einheit 50 Gäste gerettet. Drei Terroristen seien dabei getötet, neun weitere festgenommen worden. Mehrere Angreifer hielten sich aber weiterhin in dem Hotel verschanzt. Zuvor hatte der britische Sender BBC gemeldet, die Terroristen hätten dort etwa 100 Geiseln genommen.

In dem Hotel Taj Mahal, befand sich auch eine europäische Parlamentariergruppe, die an einer EU-Indien-Konferenz teilnehmen wollte. Einer der Abgeordneten, der britische Europaabgeordnete Sajjad Karim, sagte telefonisch der Nachrichtenagentur AP: "Ich war in der Lobby des Hotels. Plötzlich wurde draußen überall geschossen." Dann sei ein Mann mit einem Maschinengewehr vor ihm aufgetaucht. "Er begann auf uns zu schießen. Ich drehte mich um und bin in die entgegengesetzte Richtung gerannt."

Unter den von den Terroristen bedrohten Gästen ist auch die deutsche Europa-Parlamentarierin Erika Mann (SPD). Die Abgeordnete aus Niedersachsen berichtete in einem Telefon-Gespräch mit dem ZDF-"Heute Journal", sie sei mit hunderten Menschen "über viele Wege und viele Stationen" in einen Raum im Zentrum der Millionenstadt geflüchtet. Die Zustände seien chaotisch, nur wenige Ältere könnten sitzen.

Ein britischer Hotelgast berichtete, die Täter hätten gezielt nach Personen mit britischem und amerikanischem Pass gesucht. "Sie wollten Ausländer", sagt er dem Sender NDTV. "Sie hatten Bomben."

Noch keine Informationen über deutsche Opfer

Derzeit gibt es noch keine Informationen über mögliche deutsche Opfer. "Das Generalkonsulat in Mumbai ist mit indischen Stellen in engem Kontakt und bemüht sich um Aufklärung, ob Deutsche unter den Betroffenen sind", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

In einer Art Kommandounternehmen waren mehrere Ziele - darunter Hotels, ein Kino und der Hauptbahnhof -von den Terroristen mit Schnellfeuergewehren und Handgranaten angegriffen worden. "Es gibt Terror-Angriffe an mindestens sieben Orten", sagte der Polizeichef des indischen Bundesstaates Maharashtra, A. N. Roy, in Fernsehinterviews. Der indische Innenminister Shivraj Patil sagte fast schon hilflos: "Es scheint, dass es sich um eine Verschwörung handelt."

Schüsse auch im "Marriot" und "Oberoi"

Neben dem "Taj Mahal Hotel" wurde auch das bei Touristen besonders beliebte "Cafe Leopold" beschossen. Im nahe gelegenen "Oberoi-Hotel", in dem die gesamte Eingangslobby brannte, sollen am späten Mittwochabend mindestens 1000 Touristen in die Gewalt der Geiselnehmer geraten sein. Im "Marriott-Hotel" gab es Berichten zufolge heftige Schießereien. Aus der Hauptstadt Neu Delhi wurde nach Regierungsangaben eine 200 Mann starke Spezialeinheit zur Bekämpfung von Geiselnahmen nach Bombay geflogen. Auf den Straßen Bombays zogen Einheiten der Armee auf.

Der indische Nachrichtensender NDTV meldete, im "Taj-Mahal-Hotel", einem Wahrzeichen der Stadt, hätten sich Terroristen verschanzt. Kurz nach Mitternacht (Ortszeit) kam es zu einer schweren Explosion in dem Hotel. Auf Fernsehbildern war Rauch zu sehen, der nach der Detonation von der Kuppel des historischen Baus aufstieg.

NDTV berichtete weiter, die Eingangshallen des "Oberoi-Hotels" und des "Trident-Hotels" würden nach Angriffen brennen. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Verletzte auf vergoldeten Gepäckkarren abtransportiert wurden.

Salven aus automatischen Waffen

Die Terroristen müssen Teile der Millionenmetropole fast in ein Kriegsgebiet verwandelt haben. Laut Fernsehberichten wurden auch ein Restaurant, Bahnhöfe, Krankenhäuser und eine Polizeistation mit automatischen Waffen beschossen. Es sei auch mindestens eine Handgranate geworfen worden. "Sie stürmten den Bahnsteig eines Bahnhofs und fingen zu schießen an", sagte Bahnpolizeichef A.K. Sharma. Ein Bewohner berichtete zudem von einem Auto, das in der Nähe des Flughafens explodiert sei.

In Indien sind in den vergangenen Jahren mehrere Bombenanschläge verübt worden, die zumeist islamistischen Gruppen zugeschrieben wurden. Als Tatverdächtige wurden aber auch extremistische Hindus festgenommen.

In Berlin erklärte am Abend Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmaier: "Die Bundesregierung verurteilt die Anschläge in Mumbai auf das Schärfste." Der britische Außenminister David Miliband sagte, die Anschläge zeigten erneut das Ausmaß der Bedrohung, das von gewaltsamen Extremisten ausgehe. In Washington sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Tony Fratto: "Wir verurteilen diese Angriffe und den Verlust von unschuldigem Menschenleben."

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters