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Anti-israelische Proteste am NakbaTag: Ausschreitungen vor der israelischen Botschaft in Kairo

Die Krawalle am israelischen Unabhängigkeitstag haben sich in der Nacht fortgesetzt. Vor der israelischen Botschaft in Kairo wurden dutzende Menschen verletzt. Was Israel als Nationaltag feiert, sehen die Palästinenser als Tag der Nakba, den Tag der Katastrophe. Am Sonntag war es zu zahlreichen Ausschreitungen in den Grenzgebieten zu Israel gekommen.

Bei einer pro-palästinensichen Demonstration vor der israelischen Botschaft in Kairo ist es in der Nacht zum Montag zu Ausschreitungen gekommen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete, gingen Sicherheitskräfte mit Gummigeschossen und Tränengas gegen Demonstranten vor, die die Vertretung stürmen wollten. Mindestens 40 Menschen seien verletzt worden. Zuvor waren am Sonntag, dem sogenannten Nakba-Tag der Palästinenser, mehr als 20 Menschen getötet und Dutzende verletzt worden, als sie von Syrien und dem Libanon aus versuchten, die schwer gesicherte israelische Grenze zu durchbrechen.

Die Palästinenser gedenken am 15. März, dem Tag der Nakba (Katastrophe), der Flucht und Vertreibung hunderttausender Araber aus dem historischen Palästina nach der israelischen Staatsgründung von 1948.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte in einer Fernsehansprache, die Opfer an Menschenleben seien nicht sinnlos vergeudet worden. "Ihr Blut wurde für die Freiheit unseres palästinensischen Volkes und für seine Rechte vergossen."

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Israel werde alles tun, um seine Souveränität zu verteidigen. "Wir hoffen, dass bald wieder Ruhe herrscht."

Plästinensische Proteste an Grenzen zu Israel

Im libanesischen Grenzort Marun el Ras versammelten sich am Sonntag tausende palästinensische Flüchtlinge, um der "palästinensischen Katastrophe" zu gedenken. Ihr "Marsch für die Rückkehr nach Palästina" endete in einem Blutbad, als Dutzende Jugendliche die Absperrungen der libanesischen Armee durchbrachen und israelische Grenzposten mit Steinen bewarfen, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die Soldaten schossen in die Menge, zehn Palästinenser wurden getötet und mehr als 70 weitere verletzt.

Auf den Golanhöhen gelang es zahlreichen Palästinensern, aus Syrien über die Grenzabsperrung und ein früheres Minenfeld auf besetztem Gebiet zu gelangen. Israelische Soldaten eröffneten das Feuer und töteten zwei der Demonstranten; vier weitere wurden schwer verletzt, wie aus israelischen Sicherheitskreisen verlautete. Es war einer der schwersten Grenzzwischenfälle an der israelisch-syrischen Grenzen seit dem Jom-Kippur-Krieg 1973.

Auch im Norden des Gazastreifens wurden Krankenhausmitarbeitern zufolge mehr als 90 Demonstranten durch Schüsse verletzt. Rund tausend Palästinenser marschierten zum Grenzübergang Eres, wie ein AFP-Reporter berichtete. Im Osten von Gaza wurde zudem eine 18-jährige Palästinenserin von israelischen Kugeln tödlich getroffen, wie ein Sprecher der Rettungsdienste sagte. Unklar war zunächst, ob der Vorfall auch im Zusammenhang mit dem "Nakba"-Tag stand.

In der Stadt Hebron im Süden des Westjordanlands wurden neun Menschen verletzt, während in Kalandia, dem wichtigsten Grenzübergang vom Westjordanland nach Ostjerusalem, bei Zusammenstößen mindestens 17 Demonstranten verwundet wurden.

Israel hatte aus Angst vor Anschlägen und Ausschreitungen zum Jahrestag der Staatsgründung tausende Polizisten mobilisiert. Das Westjordanland wurde bis Sonntag um Mitternacht abgeriegelt. Mehr als 760.000 Palästinenser wurden im Zuge der Staatsgründung aus ihrer Heimat vertrieben.

Ihre heute 4,8 Millionen Nachkommen leben vor allem in Jordanien, Syrien, im Libanon und in den Palästinensergebieten. Sollte bis September keine Lösung bei den Nahostverhandlungen gefunden sein, will die Palästinenserführung einseitig einen eigenen Staat ausrufen.

liri/AFP/DPA / DPA