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Anti-Terror-Razzia: Soldat sollte im "irakischem Stil" sterben

Bei einer Anti-Terror-Razzia in Birmingham hat die Polizei mehrere Extremisten festgenommen. Sie wollten einen muslimischen Soldaten entführen und "im irakischen Stil" köpfen.

Die britische Polizei hat mit einer Anti-Terror-Razzia in Birmingham laut Medienberichten eine tödliche Entführungsaktion im Stil irakischer Extremisten vereitelt. Neun Verdächtige wurden dabei festgenommen. Der Terrorplan habe bereits seine letzte Planungsphase erreicht gehabt, erklärte die Polizei, nannte aber keine Einzelheiten. Medienberichte, wonach ein muslimischer Soldat verschleppt und geköpft werden sollte, bestätigten die Sicherheitskräfte nicht.

"Die Bedrohung durch den Terrorismus bleibt sehr reell", sagte Polizeisprecher David Shaw. Der Razzia in den frühen Morgenstunden seien sechsmonatige Ermittlungen vorausgegangen. Beamte durchsuchten rund ein Dutzend Wohnungen, zwei islamische Buchläden und ein Internet-Cafe in einem von hauptsächlich pakistanischen Immigranten bewohnten Viertel der mittelenglischen Stadt. Dabei wurden acht Verdächtige festgenommen, eine neunte Festnahme meldete die Polizei am Nachmittag.

Ermordung sollte im Internet veröffentlicht werden

Das mögliche Opfer des Verschwörungsplans befinde sich in Polizeischutz, berichteten britische Medien. Nach der Entführung hätten die Extremisten die Ermordung ihrer Geisel "im irakischen Stil" geplant, hieß es beim Sender Sky. Bilder der Ermordung sollten im Internet veröffentlicht werden. In Sicherheitskreisen wurde bestätigt, der Entführungsplan sei der erste dieser Art in Großbritannien. Es wuchs die Angst, dass eine neue Art von Terror Einzug in England halten könnte: die Verschleppung und möglicherweise Ermordung von Staatsbürgern der am Irak-Einsatz beteiligten Staaten.

Mit einer solchen Bedrohung innerhalb des Landes hätten sich die Anti-Terror-Beamten bislang nicht auseinandersetzen müssen, hieß es in Polizeikreisen. Im Irak sind Briten bereits mehrfach Opfer von Entführungen geworden. Der 62-jährige Kenneth Bigley aus Liverpool wurde im Herbst 2004 von seinen Entführern vor laufender Kamera ermordet. Nach den Terroranschlägen auf das Londoner U-Bahn-System im Juli 2005 - verübt von in Großbritannien aufgewachsenen Muslimen - geriet Birmingham bereits wiederholt ins Visier der Anti-Terror-Einheiten. Auch einige der mutmaßlichen Verschwörer eines geplanten Terrorangriffs auf Transatlantikflugzeuge wurden in der mittelenglischen Großstadt festgenommen.

330 Muslime in britischen Streitkräften

Birmingham ist auch die Heimatstadt des ersten muslimischen Soldaten, der beim Afghanistan-Einsatz der britischen Truppen ums Leben kam. Islamistische Extremisten brandmarkten den 24-Jährigen nach seinem Tod im Internet als Verräter. Im vergangenen Jahr wurde ein Londoner Straßenhändler zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil er die Ermordung eines im Irak eingesetzten britischen Soldaten geplant hatte. In den britischen Streitkräften sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums 330 Muslime.

Die britischen Ermittler hätten wegen des Terrorplans vor vier Tagen Kontakt mit dem pakistanischen Geheimdienst aufgenommen, berichtete der Sender Sky. Das britische Außenministerium bestätigte dies nicht. Eine Sprecherin des pakistanischen Außenministeriums in Islamabad erklärte lediglich, die britischen Behörden hätten erklärt, dass es "keine pakistanische Verbindung" gebe. Das Büro von Premierminister Tony Blair lehnte eine Stellungnahme zu der Polizeiaktion ab.

Rob Harris/AP / AP