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Armee-Einsatz im Gaza-Streifen: Mehr als 30 Palästinenser getötet

Die israelische Armee hat bei einem massiven Einsatz im Gazastreifen am Samstag mindestens 32 Palästinenser getötet. Augenzeugen zufolge starb die große Mehrheit der Opfer bei Luftangriffen auf das Flüchtlingslager Dschabalija. Gleichzeitig rückte die israelischen Armee mit Bodentruppen und Panzern in den Norden des Gazastreifens vor.

Israel reagierte mit der Offensive auf den anhaltenden Raketenbeschuss durch radikale Palästinenser aus dem Gazastreifen. Nach Angaben von Rettungskräften wurden bei den Angriffen mindestens 75 weitere Menschen verletzt, 15 von ihnen schwer. Die Kämpfe um Dschabalija dauerten am Samstagnachmittag an.

Unter den Opfern des israelischen Angriffs waren den Angaben zufolge mindestens 16 Zivilisten, auch Kinder. Außerdem seien mindestens zwölf Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisationen Hamas und Islamischer Dschihad ums Leben gekommen, hieß es. Die weiteren Opfer seien noch nicht identifiziert. Auslöser der jüngsten Gewalt war der Tod eines Israeli bei einem palästinensischen Raketenangriff am Mittwoch. Seitdem wurden bei israelischen Militäreinsätzen im Gazastreifen mindestens 65 Menschen getötet.

"Ständig hören wir den Lärm von Raketen

Der Leiter der Notaufnahme von Gaza, Muawija Hassanin, sagte, die Rettungskräfte seien mit den vielen Opfern überfordert. "Die Dinge verschlechtern sich ständig", sagte er. So könnten zwölf Krankenwagen mangels Treibstoff nicht genutzt werden. Die Geschäfte in den betroffenen Gebieten blieben am Samstag geschlossen, die Menschen wagten sich kaum auf die Straße. "Wir leben in einer Kriegsatmosphäre. Wir hören ständig den Lärm von Raketen und Explosionen", sagte der 40-jährige Abu Alaa aus Dschabalija.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kritisierte das israelische Vorgehen scharf. Was sich im Gazastreifen abspiele, sei "schlimmer als der Holocaust", sagte Abbas in einer Rede in Ramallah. Er rief erneut zu einem "internationalen Schutz des palästinensischen Volkes" auf. In einer Erklärung drängte Abbas anschließend das sogenannte Nahost-Quartett aus USA, EU, Russland und UNO zu einer "schnellen Intervention", um den "täglichen Massakern" im Gazastreifen ein Ende zu setzen.

Lediglich ein "erweiterter Einsatz"

Der stellvertretende Verteidigungsminister Matan Vilnai bestritt unterdessen im Armeeradio, dass es sich bei dem Einsatz um die großangelegte Bodenoffensive handele, mit der israelische Politiker in den vergangenen Tagen mehrfach gedroht hatten. Die Aktion sei lediglich ein "erweiterter Einsatz", sagte Vilnai. Die israelische Armee sei im Gazastreifen "permanent" im Einsatz.

Der arabische Nachrichtensender El Dschasira berichtete, dass bei den Gefechten zwei israelische Soldaten getötet worden seien. Einzelheiten nannte der Sender nicht. Eine Armeesprecherin hatte zuvor lediglich mitgeteilt, dass fünf israelische Soldaten verletzt wurden.

Ungeachtet der Offensive feuerten radikale Palästinenser erneut etwa 30 Raketen auf Südisrael ab, wie das israelische Militärradio berichtete. In der Stadt Aschkalon im Süden des Landes seien drei Zivilisten verletzt worden, darunter zwei Kinder.

AFP / AFP