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Atomstreit: Iran testet Rakete - mit Reichweite bis nach Israel

Die Tests dürften die Spannungen mit dem Westen weiter erhöhen: Der Iran hat eine Langstreckenrakete getestet. Die Rakete mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern könnte im Ernstfall wohl auch bis nach Israel reichen.

Der Iran hat erstmals seit einem Jahr wieder eine Mittelstreckenrakete getestet, die mit ihrer Reichweite von geschätzten 2000 Kilometern wohl auch Israel treffen könnte. Die Boden-Boden-Rakete vom Typ "Schahab 3" sei am Sonntag während eines Manövers der Revolutionswächter zum Einsatz gekommen, meldete das iranische Staatsfernsehen am Montag. Nach Angaben von Rüstungsexperten könnte die Rakete auch US-Militärstützpunkte im Golf treffen.

Nach russischen Informationen arbeitet der Iran mit Hochdruck an der Entwicklung von Raketen mit einer Reichweite von bis zu 5500 Kilometern. Das sagte Generalmajor Wladimir Dworkin von der Moskauer Akademie der Wissenschaften der Agentur Interfax. "Es ist sehr naiv anzunehmen, dass der Iran sich solche Technologien nicht aneignen könnte." Der ehemalige Leiter der Raketenabwehrtruppen in Moskau, General Nikolai Rodionow, sagte, Russland werde iranische Raketentests weiter aufmerksam mit Hilfe der Radaranlage Gabala in Aserbaidschan verfolgen.

EU-Außenbeauftragter Javier Solana besorgt

Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana zeigte sich angesichts der jüngsten iranischen Raketentests beunruhigt. "Alles, was in diesem Zusammenhang passiert, besorgt uns", sagte Solana am Montag am Rande eines Treffens der europäischen Verteidigungsminister im schwedischen Göteborg.

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der im Konflikt um das iranische Atomprogramm vermitteln will, warnte vor einem Militärschlag gegen Atomanlagen des Nachbarlandes. Solch ein Angriff wäre "verrückt" und werde nicht nur für den Iran schlimme Folgen habe, zitierten türkische Zeitungen den Regierungschef am Montag. Die militärische Führung Irans hatte mehrfach mit einem Raketenangriff auf den jüdischen Staat für den Fall gedroht, dass die iranischen Atomanlagen von Israel angegriffen würden.

Ganz übliche jährliche Tests

Bereits am Sonntag waren im Iran im Rahmen eines Militärmanövers Kurzstreckenraketen erprobt worden. Nach Angaben des Brigadegenerals der Revolutionsgarden, Hossein Salami, lagen die Ziele zwischen etwa 300 und 700 Kilometer entfernt. Die Erprobung sei erfolgreich gewesen. Die Schahab-3-Tests seien der dritte und letzte Teil der Serie.

Ein Sprecher des Teheraner Außenministeriums betonte unterdessen, dass es keinerlei Zusammenhang zwischen den Raketentests und dem Bau einer zweiten Anlage zur Urananreicherung gebe. Es handele es sich um ganz übliche jährlichen Tests zur Überprüfung der Verteidigungsfähigkeit des Landes. Der Iran hatte die Raketentests vorab angekündigt.

Geheime Pläne zum Bau einer Atombombe

Der Bau einer zweiten iranischen Anlage zur Urananreicherung war am vergangenen Freitag bekannt geworden und hatte international Besorgnis ausgelöst. Der Iran steht im Verdacht, unter dem Deckmantel eines zivilen Kernenergieprogramms heimlich an einer Atombombe zu arbeiten, bestreitet dies aber und beteuert, das atomare Material nur für zivile Zwecke nutzen zu wollen.

Am Donnerstag dieser Woche treffen sich die fünf ständigen Vertreter des Weltsicherheitsrats und Deutschlands mit dem Iran in Genf. Im Streit um das Atomprogramm der Führung in Teheran schließt auch Russland neuerdings eine härtere Gangart gegen das islamische Land nicht aus.

Reuters/DPA / DPA / Reuters