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Atomstreit: Putin hilft Ahmadinedschad

Dass die deutsche Kanzlerin Angela Merkel dem Iran kürzlich mächtig gedroht hat, scheint den russischen Präsidenten Wladimir Putin kaum zu scheren. Bei seinem historischen Besuch im Iran hat er dem iranischen Kollegen Mahmud Ahmadinedschad Hilfe beim Bau eines Atomkraftwerks versprochen.

Inmitten neuer Sanktionsdrohungen des Westens im Atomstreit mit dem Iran hat Russlands Präsident Wladimir Putin Teheran zugesichert, dass russische Firmen das erste Atomkraftwerk des Landes fertig bauen werden. Einen Termin für die Fertigstellung der Leichtwasserreaktoren in Buschehr am Persischen Golf nannte Putin aber auch nach einem mehrstündigen Treffen mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad in Teheran nicht.

"Wir stehen zu unseren Verpflichtungen", sagte Putin nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax. Er wollte sich aber nicht festlegen, dass das Kraftwerk bis zum Ende seiner Amtszeit im kommenden Jahr fertig wird: "Versprechen habe ich nur meiner Mama gegeben, als ich noch ein kleiner Junge war", sagte Putin auf die Frage eines iranischen Journalisten.

Recht Teherans auf Atomenergie unterstrichen

Putin war als erster Präsident einer Weltmacht seit der Islamischen Revolution 1979 in den Iran gereist. Am Vormittag hatte er an einem Gipfeltreffen der Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres zur Verteilung der enormen Bodenschätze in der Region teilgenommen. Am Rande des Gipfels hatte er nochmals das Recht Teherans, die Atomenergie friedlich zu nutzen, unterstrichen.

Bei einem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel in Wiesbaden hatte Putin am Montag um mehr Geduld im Atomstreit mit dem Iran geworben. Die Führung in Teheran hat wiederholt beteuert, das Atomprogramm des Landes diene ausschließlich der zivilen Atomkraftnutzung. Dazu werde im eigenen Land Uran angereichert. Der Westen befürchtet jedoch, die Urananreicherung solle in Wirklichkeit zum Bau einer Atombombe führen. Der Westen droht Teheran derzeit mit der Verschärfung von UN- Sanktionen, sollte der Iran nicht sein umstrittenes Urananreicherungsprogramm einstellen.

Buschehr als Druckmittel im Atomstreit

Russische Firmen bauen bereits seit Jahren an dem vor drei Jahrzehnten von deutschen Firmen begonnen Atomkraftwerk Buschehr, das ursprünglich Anfang 2000 in Betrieb genommen werden sollte. Als Gründe für die Verzögerung nannte Putin in einem Interview der Nachrichtenagentur IRNA technische und rechtliche Probleme. Zuletzt hatte Russland die Verzögerung mit angeblich ausgebliebenen Zahlungen der iranischen Auftraggeber begründet. Im iranischen Parlament waren Befürchtungen laut geworden, Russland könne Buschehr als Druckmittel im Atomstreit benutzen.

Auf konkrete Lieferfristen für den nuklearen Brennstoff ließ sich Putin in Teheran nicht festlegen. Das könne nach internationalen Vorgaben erst wenige Monate vor Inbetriebnahme des Reaktors erfolgen. "Wir müssen uns aber erst noch klar werden, wann das sein wird", ergänzte Putin. Der Kremlchef hob hervor, dass sich der Iran zur Rückgabe verbrauchter Nuklearbrennstäbe an Russland verpflichtet habe. Experten beider Länder verhandelten derzeit noch über eine nicht näher erläuterte Änderung der Vertragsbedingungen für die Fertigstellung des Reaktors, sagte Putin. Die USA haben Russlands Beteiligung an dem Projekt kritisiert

Putin lud Ahmadinedschad am Dienstag auch zu weiteren Gesprächen nach Moskau ein. "Ahmadinedschad hat die Einladung dankbar angenommen", zitierte die russische Nachrichtenagentur Interfax aus einer Erklärung der beiden Politiker.

DPA/Reuters / DPA / Reuters