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Auswärtiges Amt: Deutsche sollen Bangkok meiden

Das Auswärtige Amt hat den Bürgern empfohlen, sich vom Flughafen Bangkok fernzuhalten. Mehrere Tausend Reisende sitzen dort bereits fest, weil Regierungsgegner das Gebäude besetzt haben. Unterdessen rief Thailands Militärchef die Regierung auf, zurückzutreten und Neuwahlen auszurufen.

Nach der Blockade des Flughafens von Bangkok durch Regierungsgegner sitzen dort mehrere Tausend Reisende fest. Das Auswärtige Amt empfiehlt Bundesbürgern, den internationalen Flughafen vorerst zu meiden. Der Flughafen wird seit der Nacht zum Mittwoch von Regierungsgegnern lahmgelegt. Ein Sprecher des Außenministeriums in Berlin sagte, die künftige Entwicklung sei "unkontrollierbar". Das Auswärtige Amt hat nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse, ob und wie viele Deutsche sich am Mittwoch noch am Flughafen aufhielten. Bislang habe es keine Bitten um konsularische Betreuung gegeben.

Nach Aussage des thailändischen Flughafendirektors warten inzwischen rund 3000 Menschen auf ihre Flüge, die wegen des Eindringens der Demonstranten auf das Flughafengelände ausfielen. Insgesamt wurden bis Mittwochmorgen (Ortszeit) 73 Flüge abgesagt. Als eine der letzten konnte die Lufthansa-Maschine nach Frankfurt den Flughafen am Dienstagabend noch verlassen. Bei Explosionen auf den Parkplätzen vor dem Flughafen wurden am Mittwochmorgen mindestens vier Menschen verletzt, berichtete der Rundfunk. Die Polizei griff nicht ein.

Unterdessen rief Thailands Militärchef die Regierung auf, zurückzutreten und Neuwahlen auszurufen. Die Armee forderte zudem die Demonstranten auf, ihre seit Wochen anhaltenden Proteste zu beenden und den besetzten Flughafen zu räumen. Die Auflösung des Parlaments wurde von einem Regierungssprecher umgehend abgelehnt. Ministerpräsident Somchai habe wiederholt erklärt, Regierung wie Parlament seien demokratisch gewählt und würden deswegen im Amt bleiben. Die PAD reagierte zunächst nicht auf die Forderungen des Militärs, die Proteste einzustellen. Ein Gesprächsangebot der Regierung lehnte sie jedoch ab.

Tausende von Demonstranten waren am Dienstagabend auf das Flughafengelände eingedrungen. Sie wollten mit der Blockade des internationalen Flughafens die für Mittwoch geplante Rückkehr des umstrittenen Ministerpräsidenten Somchai Wongsawat verhindern, der vom Apec-Gipfel in Peru zurück in Thailand erwartet wurde.

Mit der Blockade des Internationalen Flughafens hat sich die innenpolitische Krise in Thailand weiter zugespitzt. "Wir haben gesiegt", jubelte Oppositionsführer Chamlong Srimuang. Sein außerparlamentarisches Bündnis PAD versucht seit Wochen, Ministerpräsident Somchai zum Rücktritt zu zwingen. Schon während des Tages hatten Tausende die Zufahrtsstraßen zum Flughafen Suvarnabhumi blockiert. Sicherheitskräfte stellten sich ihnen entgegen. Es gelang ihnen jedoch nicht, die Demonstranten vom Flughafengelände und von der Startbahn fernzuhalten.

Das Oppositionsbündnis PAD wirft Regierungschef Somchai vor, nur eine Marionette seines Schwagers, des vor zwei Jahren gestürzten Premierministers Thaksin Shinawatra, zu sein. Der frühere Ministerpräsident war wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Er lebt im Exil.

Deutsche Veranstalter streichen Flüge

Wegen der Proteste auf dem Flughafen von Bangkok haben deutsche Veranstalter Reisen nach Thailand abgesagt. Meiers Weltreisen und Dertour teilten mit, alle für Mittwoch und Donnerstag geplanten Reisen mit Flügen nach oder über Bangkok seien storniert worden. Thai Airways strich zwei Verbindungen von und nach Frankfurt am Main. Die Lufthansa leitete einen Jumbo-Jet mit mehr als 300 Passagieren nach Malaysia um.

Bei Meiers Weltreisen und Dertour waren etwa 200 Kunden betroffen. Direktflüge in die Urlaubergebiete nach Phuket fänden wie geplant statt, erklärten die Unternehmen. TUI teilte mit, eine Maschine der Thai Airways mit Gästen des Reisekonzerns, die in Frankfurt starten sollte, sei storniert worden. Für einen LTU-Flug von Düsseldorf aus würden den TUI-Kunden kostenlose Stornierungen oder Umbuchungen angeboten. Die Kunden des Reiseveranstalters in Bangkok seien in Hotels untergebracht und würden von der Reiseleitung betreut.

Schon am Dienstag waren bei Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern der Regierung elf Menschen verletzt worden, einige durch Schüsse. Flüge nach Bangkok wurden umgeleitet, unter anderem nach Chiang Mai und Phuket. Dort säßen rund 500 Reisende aber noch fest, sagte Flughafendirektor Serirat Prasutanont. Der Vorfall habe das Ansehen Thailands beschädigt.

DPA/AP / AP / DPA