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Bagdad: Ausländer entführt - Wohl keine Deutschen

In Bagdad haben Bewaffnete nach Angaben irakischer Sicherheitskreise mehrere Ausländer entführt. Das britische Außenministerium bestätigte die Verschleppung von fünf Briten. Erste Berichte, dass drei Deutsche unter den Entführten seien, wurden bis zum Abend nicht bestätigt.

Das Auswärtige Amt in Berlin betonte, es gebe keine Hinweise darauf, dass unter den verschleppten Ausländern Deutsche seien.

"Wir können bestätigen, dass fünf britische Staatsangehörige bei einem Vorfall gegen 11 Uhr Ortszeit heute Morgen entführt wurden", sagte eine Sprecherin des britischen Außenministeriums am späten Nachmittag. Vertreter der britischen Botschaft stünden in Kontakt mit irakischen Behörden, um die Krise zu lösen. Einer der Briten ist Angestellter der amerikanischen Management-Beratungsfirma BearingPoint. "Wir können bestätigen, dass einer unserer Mitarbeiter heute Morgen von seinem Arbeitsplatz verschleppt wurde", sagte ein Sprecher von BearingPoint.

Nach Angaben aus irakischen Sicherheitsreise ereignete sich die Entführung auf der Palästina-Straße im Zentrum Bagdads. Unklar war zunächst, ob die Entführer ihre Geiseln auf der Straße oder aus dem Finanzministerium entführten, für das die verschleppten Ausländer gearbeitet haben sollen. Die Nachrichtenagentur Aswat al-Iraq zitierte aus Sicherheitskreisen, Bewaffnete hätten ein Auto, "in dem Deutsche gesessen haben sollen", zum Anhalten gezwungen. Dann hätten sie ihre Geiseln in dem Wagen weggebracht. Zunächst hatte es geheißen, bei den Entführten handele es sich definitiv um Deutsche.

Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die in Kampfanzüge gekleideten Entführer seien mit dutzenden Polizeiautos über die Palästina-Straße vor dem Finanzministerium vorgefahren und ungehindert an den Wachen vorbei ins Ministeriumsgebäude gegangen, aus dem sie ihre Geiseln verschleppt hätten. Bei den Entführten handele es sich um fünf Briten, vier Personenschützer und einen Fachmann. Die Vier hätten für eine kanadische Sicherheitsfirma gearbeitet. Sollten sich diese Berichte bestätigen, wäre es nach BBC- Angaben das erste Mal, dass im Irak so viele Bodyguards auf einmal entführt wurden.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte am Nachmittag auf einer Pressekonferenz in Hamburg: "Die deutsche Botschaft und andere Stellen in Deutschland sind den Meldungen, wonach deutsche Staatsangehörige in Bagdad entführt worden sein sollen, sofort nachgegangen. Bisher sind solche Meldungen nicht erhärtet worden." Er fügte hinzu: "Und ich hoffe, dass es dabei bleibt."

Es wäre das vierte Mal seit dem Sturz des Diktators Saddam Hussein vor gut vier Jahren, dass Deutsche im Irak entführt wurden. Seit mehr als drei Monaten sind zwei Deutsche - eine Frau mit ihrem 20-jährigen Sohn - in der Hand von Geiselnehmern. Bereits zwei Mal sind Ultimaten verstrichen, in denen die Kidnapper den Abzug der Bundeswehrsoldaten aus Afghanistan gefordert hatten. Am 24. Januar 2006 waren die Ingenieure Thomas Nitzschke und René Bräunlich in der Industriestadt Baidschi nördlich Bagdads entführt worden. Erst Anfang Mai des Jahres waren sie wieder freigekommen. Erst im Dezember 2005 war die Archäologin Susanne Osthoff nach 25 Tagen Geiselhaft freigekommen.

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