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Barack Obama über den Bin-Laden-Einsatz "Die längsten 40 Minuten meines Lebens"


Seine Frau wusste von nichts, die Erfolgschancen standen bei 55 Prozent, aber geschlafen hatte er gut: Barack Obama erzählt zum ersten Mal von seinen Gefühlen während der Operation "Geronimo".
Von Mareike Rehberg

"Es waren die längsten 40 Minuten meines Lebens" - zum ersten Mal seit dem tödlichen Angriff auf Osama bin Laden hat US-Präsident Barack Obama darüber gesprochen, was er während der riskanten Aktion im pakistanischen Abbottabad vor einer Woche empfand. Die Lage im Situation Room des Weißen Hauses sei still und angespannt gewesen, erzählte Obama dem Fernsehsender CBS in einem Interview. Nur als seine kleine Tochter Sasha als Baby eine Hirnhautentzündung hatte, sei er ähnlich aufgeregt gewesen.

Vor allem galt Obamas Sorge den Elitesoldaten der Navy Seals, die die Operation durchführten. Stets habe er sich die Frage gestellt: "Wenn ich sie reinschicke, wie kann ich sie auch wieder herausholen?" Als die Einsatzkräfte dann aus dem festungsgleich gesicherten Anwesen bin Ladens herauskamen und verkündeten "Geronimo (so der Deckname bin Ladens) ist getötet worden", sei er sehr erleichtert gewesen. Nur die wenigsten Mitarbeiter des Weißen Hauses seien in die Pläne eingeweiht gewesen, versicherte der US-Präsident, selbst seine Familie hätte von der Aktion nichts gewusst. Die Chance, den Einsatz erfolgreich zu beenden, habe 55 zu 45 gestanden. Es sei nicht einmal sicher gewesen, dass bin Laden sich zu dem Zeitpunkt in dem Haus aufhielt.

Schlaflose Nächte habe er vor der Tötungsaktion allerdings nicht gehabt, sagte Obama CBS, er sei lediglich nervös gewesen. Wer außerdem infrage stelle, dass der Verantwortliche für einen Massenmord auf amerikanischem Boden bekommen habe, was er verdiene, müsse zum Arzt, sagte der Friedennobelpreisträger weiter. Damit reagierte der US-Präsident auf Vorwürfe, der Einsatz sei nicht vom internationalen Recht gedeckt.

USA erhöhen den Druck auf Pakistan

Gleichzeitig nutzte Obama im Interview die Gelegenheit, den Druck auf Pakistan zu erhöhen. Er forderte die Regierung in Islamabad auf, die Helfer des Al-Kaida-Chefs zu ermitteln. "Wir glauben, dass es ein Unterstützer-Netzwerk für bin Laden in Pakistan gegeben hat", erklärte der US-Präsident. Unklar sei, ob bin Ladens Helfer aus dem Umkreis der Regierung stammten, sagte Obama weiter. "Das ist etwas, was wir untersuchen müssen, und noch wichtiger: was die pakistanische Regierung untersuchen muss." Islamabad habe signalisiert, an der Aufklärung ein starkes Interesse zu haben. Dies sei jedoch keine Frage von drei oder vier Tagen. "Es wird uns einige Zeit kosten, die Geheiminformationen auszuwerten, die wir vor Ort sammeln konnten", sagte Obama.

Deutschland hat sich unterdessen den USA angeschlossen und von der pakistanischen Regierung ebenfalls Aufklärung verlangt. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) sagte am Montag in Berlin, er unterstütze die Aussagen von Obama. Pakistan müsse aufklären, wie es sein könne, dass sich der Topterrorist so lange in der Nähe der Hauptstadt Islamabad aufhalten konnte.

Pakistan wendet sich gegen eigenen Premier

Pakistans Regierung selbst gerät derweil auch innenpolitisch unter Beschuss. Premierminister Yousuf Raza Gilani will sich im Laufe des Montags im Parlament zu dem US-Einsatz gegen bin Laden äußern. Ihm wird vorgeworfen, die Souveränität seines Landes nicht geschützt zu haben. Selbst aus der eigenen Volkspartei PPP gibt es Rücktrittsforderungen an ihn und Präsident Asif Ali Zardari.

Vom US-Präsidenten bekommt Gilani aber auch Rückendeckung. Obama lobte im CBS-Interview die bisherige Zusammenarbeit mit den pakistanischen Behörden. "Wir haben nirgendwo so viele Terroristen getötet wie auf pakistanischem Boden, und das wäre ohne pakistanische Hilfe nicht möglich gewesen", erklärte er. Anhand des gefundenen Materials gehe er davon aus, dass die USA die Taliban im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet besiegen könnten.

mit Agenturen

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