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US-Präsident "Es war mir eine Ehre": Obama verabschiedet sich mit emotionalem Appell

Zu Tränen gerührt: Barack Obama bei seiner letzten großen Rede an die Nation in Chicago
Zu Tränen gerührt: Barack Obama bei seiner letzten großen Rede an die Nation in Chicago
© Charles Rex Arbogast/AP
Barack Obama geht: Mit einer großen Rede hat sich der scheidende US-Präsident ein letztes Mal an die Amerikaner gewandt und sie an das erinnert, was ihm wichtig ist. Und auch seinen wichtigsten Satz sagte er noch einmal.

Mit einem eindringlichen Aufruf zur Geschlossenheit hat sich US-Präsident Barack Obama von seinen Landsleuten verabschiedet. Die Demokratie in den USA sei nur dann funktionsfähig, wenn alle Bürger, "unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit oder unserem spezifischen Interesse, dazu beitragen, das Bewusstsein einer gemeinsamen Bestimmung wiederherzustellen", sagte Obama am Dienstagabend (Ortszeit) in seiner Abschiedsrede in Chicago. Dieses Bewusstsein werde derzeit "dringend gebraucht".

Die Mahnungen des scheidenden Präsidenten spiegelten seine Sorge angesichts der politischen und gesellschaftlichen Polarisierung des Landes wider, die durch den extrem erbittert geführten Wahlkampf vertieft wurde. Viele US-Bürger, besonders die Angehörigen von Minderheiten, blicken der anstehenden Präsidentschaft des rechtspopulistischen Immobilienmilliardärs Donald Trump mit Ängsten entgegen.

Obama warnt vor Rückzug in "Blasen"

In der Rede zehn Tage vor Ende seiner Amtszeit stellte Obama die Botschaft in den Mittelpunkt, dass die Demokratie eine gemeinsame Aufgabe aller Bürger sei: "Alle von uns, unabhängig von der Parteizugehörigkeit, sollten sich auf die Aufgabe stürzen, unsere demokratischen Institutionen zu reformieren."

Von seinen Landsleuten forderte er Respekt für Andersdenkende ein. Der gesellschaftliche Zusammenhalt werde zersetzt, wenn Mitbürger, die eine andere Meinung hätten, "nicht bloß als fehlgeleitet, sondern als irgendwie bösartig" betrachtet würden.

Obama nannte es einen gefährlichen Trend, dass sich die Menschen in ihre jeweiligen "Blasen", also abgeschlossenen Lebens- und Wahrnehmungswelten, zurückzögen. Wenn die Bürger keine Informationen mehr akzeptierten, die nicht zu ihrer Meinung passten, würden Konsens und Kompromiss unmöglich.

Serie unmissverständlicher Botschaften an Trump

In der 50-minütigen Rede nannte Obama seinen Nachfolger nur ein einziges Mal beim Namen. Neben dem Aufruf zur gesellschaftlichen Solidarität enthielt seine Ansprache eine Serie unmissverständlicher Botschaften an Trump. So warnte der erste afroamerikanische US-Präsident vor der Diskriminierung von Minderheiten wie Schwarzen, Einwanderern und Muslimen. Trump hatte den Wahlkampf mit scharfer Polemik gegen Minderheiten aufgeheizt.

Weiße sollten anerkennen, dass Afroamerikaner bei ihren Protesten keine "Sonderbehandlung", sondern "Gleichbehandlung" verlangten, sagte Obama. Die Integration von Einwandererkindern bezeichnete er als Zukunftsinvestition. Einwanderer hätten auch in früheren Zeiten zur Stärkung des Landes beigetragen.

Obama betonte auch: "Ich lehne die Diskriminierung muslimischer Amerikaner ab." Die USA dürften im Kampf gegen den Terror nicht ihre freiheitliche Ordnung unterminieren: "Die Demokratie kann beschädigt werden, wenn wir der Furcht nachgeben."

Obama verweist auch auf eigene Erfolge

Der scheidende Präsident appellierte ferner indirekt an Trump, sich ernsthaft mit dem Klimawandel auseinanderzusetzen. Das Problem "einfach zu leugnen", sei Verrat an den künftigen Generationen. Trump hat die Tatsache des menschengemachten Klimawandels angezweifelt und will Restriktionen für die klimaschädlichen fossilen Energien aufheben.

In der Bilanz seiner achtjährigem Amtszeit verwies Obama unter anderem auf die Bewältigung der großen Finanzkrise, seine Gesundheitsreform und das Atom-Abkommen mit dem Iran. Er räumte aber ein, dass noch viel Arbeit zu leisten sei. Die ökonomischen Ungleichheiten seien zu groß und die Rassentrennung noch zu stark.

US-Präsident hat Tränen in den Augen

Zum Abschluss seiner streckenweise hochemotionalen Rede dankte Obama seiner populären Ehefrau Michelle. Sie habe die Rolle der First Lady "mit Anmut, Entschlossenheit, Stil und gutem Humor" bewältigt. Bei diesen Worten standen Obama Tränen in den Augen.

Obama beendete seine Rede auf einer optimistischen Note. Er sprach sein Vertrauen in die junge Generation aus. Bei ihr sei die Zukunft des Landes "in guten Händen". Diese Generation glaube an "ein faires, gerechtes, integratives Amerika". Ganz zum Schluss griff Obama dann seinen früheren Wahlkampfslogan auf. "Yes, we can!" ("Ja, wir können das!") rief er aus. Dem folgte ein "Yes, we did!" ("Ja, wir haben es getan!") und dann nochmal "Yes, we can!".

mad/Michael Donhauser,DPA

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