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Bedrohung durch Nordkorea: Südkorea soll aufrüsten dürfen

Ein Abkommen über die Reichweite ballistischer Raketen verhindert bisher ein Wettrüsten auf der koreanischen Halbinsel. Das könnte sich nun ändern. Angesichts der Bedrohung durch nordkoreanische Waffentests in den vergangenen Wochen soll Südkorea die Erlaubnis erhalten, Raketen mit größerer Reichweite zu entwickeln.

Die USA könnten Südkorea nach Informationen aus dem Verteidigungsministerium in Seoul die Entwicklung von ballistischen Raketen mit größerer Reichweite gestatten. Washington habe sich offen für dahingehende Gespräche gezeigt, sagte ein Gewährsmann, der nicht namentlich genannt werden wollte, am Dienstag. Demnach hat ein ranghoher US-General vor Abgeordneten in Südkorea signalisiert, dass Washington eine Änderung der Vereinbarung aus dem Jahr 2001 akzeptieren könnte, wonach Seoul ballistische Raketen nur mit einer Reichweite von maximal 300 Kilometern bauen darf.

Das US-Militärkommando in Seoul bestätigte die Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums bisher nicht. Südkoreanische Politiker hatten zuletzt mehrfach die Entwicklung besserer Raketen gefordert, um der zunehmenden Aufrüstung des kommunistischen Nordens zu begegnen. Das Regime in Pjöngjang verfügt über hunderte Raketen, die Ziele in ganz Südkorea oder Japan treffen könnten. Mit dem Abkommen aus dem Jahr 2001 sollte bislang ein Wettrüsten auf der koreanischen Halbinsel verhindert werden. Von 1979 bis 2001 lag die Obergrenze der Reichweite nur bei 180 Kilometern.

Seoul begrüßt erneute Verurteilung Nordkoreas

Unterdessen begrüßte Südkorea die Verurteilung der jüngsten nordkoreanischen Raketentests durch den Weltsicherheitsrat. Die Regierung sehe in der Antwort "eine schnelle und angemessene Maßnahme", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul am Dienstag. Nordkorea hatte am Samstag nach Angaben aus dem südlichen Bruderstaat sieben ballistische Raketen in Richtung des Japanischen Meers abgefeuert.

Der Weltsicherheitsrat hatte die Tests als Bedrohung für die regionale und internationale Sicherheit verurteilt. Nach einer internen Sitzung am Montag in New York sagte der amtierende Ratspräsident Ruhakana Rugunda zudem, das höchste UN-Gremium habe "große Sorge" über die Tests geäußert. Damit habe Nordkorea gegen UN-Resolutionen verstoßen. Die 15 Ratsmitglieder appellierten den Angaben zufolge an die Regierung in Pjöngjang, ihre internationalen Verpflichtungen einzuhalten.

Unterdessen berichtete die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo", dass ein wochenlang vom US-Militär beschatteter nordkoreanischer Frachter wieder heimische Gewässer erreicht habe, ohne auf seiner Fahrt einen ausländischen Hafen angelaufen zu haben. Die "Kang Nam" stand seit der Abfahrt aus Nordkorea am 17. Juni im Verdacht, Rüstungsgüter zu einem unbekannten Bestimmungsort zu transportieren.

DPA/AP / AP / DPA