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Bei Jazenjuks zu Haus: Mit dem ukrainischen Premier auf dem stillen Örtchen

Sein Land zerfällt, und der ukrainische Übergangs-Regierungschef Arseni Jazenjuk hat nichts Besseres zu tun, als einem Filmteam seine Wohnung zu zeigen - ein nett gemeinter, aber bizarrer Rundgang.

Von Niels Kruse

Was zeigt ein Regierungschef seinen Besuchern als erstes in seiner neuen Wohnung? Na klar, die Toilette. Also, bitte schön: Kameraschwenk auf ein Standardmodell, weiß, unauffällig, wie es sie zu Millionen in Europa gibt. Nichts Besonderes. Und genau das ist die Botschaft von Arseni Jazenjuk: 'Seht her, ich bin nichts Besonderes.'

In der Ukraine, dessen Interimsministerpräsident er ist, versteht man den Wink und sein Lachen, als er dem Filmteam das Gästeklo zeigt. Die Leute haben immer noch den Protzbau vom gestürzten früheren Präsidenten Viktor Janukowitsch vor Augen, mit dem Golfplatz, der Straußenfarm und den vergoldeten Wasserhähnen.

Die Gefahr, dass Jazenjuk, der zuweilen etwas bieder wirkende Karriere-Jungspund, irgendwann als Prasser mit fragwürdigem Einrichtungsgeschmack dastehen wird, ist gering. Ungefragt, aber offenherzig hat er seine Wohnung in Kiew für die Öffentlichkeit geöffnet und das Filmchen auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht. Was dort zu sehen ist, entspricht vielleicht nicht einem ukrainischen Durchschnittsapartment, geht aber locker als angemessene Behausung für einen Mann seiner Position (Ex-Topbanker, Ex-Außenminister) durch. Viele gedeckte Farben, die an diese blutleeren Businesshotels erinnern, ein großes Wohnzimmer, mit einer wie zufällig dorthin drapierten Tochter, weiße Möbel, grünes Kinderzimmer und, als Kulturstatement, ein weißer Flügel.

Jazenjuks Rundgang bei sich selbst hat natürlich bizarre Züge. Während sein Land zerfällt und an den Grenzen die Truppen aufmarschieren, inszeniert der Ministerpräsident grinsend seine eigene Homestory in Anzug und Krawatte. Aber gut, bald beginnt in der Ukraine, oder das, was dann noch davon übrig sein wird, der Wahlkampf. Da können intime Einblicke bei Regierungschefs' zu Haus natürlich nicht schaden. Als Gegenmodell zum Ex-Präsidenten quasi oder zum bösen Bruder aus dem Osten, der statt Bescheidenheit lieber seine Muskeln zeigt.