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Belagerung in Nairobi Islamische Miliz droht mit Tötung von Geiseln


Die meisten Geiseln sind frei, doch noch haben Sicherheitskräfte das von Islamisten angegriffene Einkaufszentrum nicht unter Kontrolle. Die Kidnapper haben noch etwa zehn Menschen in ihrer Gewalt.

Die Geiselnahme in Nairobi wird zum Nervenkrieg. Fast zwei Tage nach Beginn der Attacke radikaler Islamisten auf ein Einkaufszentrum in der kenianischen Hauptstadt gelang es den Sicherheitskräften zwar, die meisten der Gefangenen zu befreien, sagte ein Sprecher der kenianischen Streitkräfte. Etwa zehn Menschen befänden sich allerdings weiterhin in der Gewalt der Geiselnehmer. Unklar blieb, wie viele Terroristen sich noch immer den Sicherheitskräften entgegenstellten. Am Morgen lieferten sich Sicherheitskräfte erneut heftige Schusswechsel mit den Angreifern. Augenzeugen berichteten auch von einer heftigen Explosion.

Unterdessen drohten die somalischen Geiselnehmer damit, die noch in ihrer Gewalt befindlichen Geiseln zu töten. Der Sprecher der somalischen Al-Shabaab-Miliz, Ali Mohammed Rage, erklärte auf einer islamistischen Website: "Wir gestatten den Mudschahedin in dem Gebäude, gegen die Gefangenen vorzugehen." In der Erklärung hieß es, die Miliz sei in Kontakt mit den Geiselnehmern. Der Text prangerte zugleich die Einschüchterungsversuche "Israels und anderer christlicher Regierungen" gegen das Kommando in Nairobi an.

Kenianische Eliteeinheiten rücken vor

Kenianische Eliteeinheiten hatten zuvor versucht, das vierstöckige Gebäude zu stürmen, in dem sich die Extremisten mit Geiseln verschanzt hatten. Den größten Teil des Einkaufszentrums hätten die Soldaten unter ihre Kontrolle gebracht, sagte der Sprecher Cyrus Oguna. Vier kenianische Soldaten seien bei dem Einsatz verletzt worden.

"Die Angreifer befinden sich in verschiedenen Teilen des Gebäudes", sagte Oguna. "Wir wissen nicht, wann diese Belagerung enden wird. Wir versuchen, den Einsatz rasch zu Ende zu bringen." Scharfschützen waren in Stellung gegangen, über dem Einkaufszentrum kreisten am Sonntagabend Hubschrauber.

Inzwischen 68 Tote und 175 Verletzte

In die Geiselbefreiung waren demnach neben der nationalen Eliteeinheit Recce auch Spezialkräfte aus Israel und den USA einbezogen. Dabei ging es anscheinend vor allem um Aufklärung. Ob ausländische Spezialkräfte mit in das Gebäude eindrangen, blieb unklar. Offen ließ der Militärsprecher, ob neben Somaliern auch Terroristen aus anderen Staaten zu den Geiselnehmern gehörten.

Bei der am Samstagmittag gestarteten Attacke der Terroristen waren mindestens 68 Menschen getötet sowie 175 weitere verletzt worden. Mehr als 1000 Menschen sollen sich zum Zeitpunkt des Angriffs in dem Gebäude befunden haben. Viele sollen laut Einträgen beim Kurznachrichtendienst Twitter noch vermisst sein. Dafür gab es jedoch zunächst keine Bestätigung. Der Überfall war der schwerste Terroranschlag in Kenia seit einem Sprengstoffanschlag auf die US-Botschaft vor 15 Jahren.

Ein Anführer der Al-Shabaab kündigte weitere Attacken an. Das ostafrikanische Land erklärte er zum Kriegsgebiet. Angriffe auf das Land und seine Bürger würden bis zum Rückzug der kenianischen Truppen aus dem Süden Somalias fortgesetzt, sagte der nicht näher benannte Mann in einem Interview des britischen TV-Senders "Channel 4". Kenia hatte das Nachbarland in den vergangenen Jahren beim Kampf gegen die Extremisten militärisch unterstützt.

Mehrere Ausländer unter den Toten

Unter den etwa 10 bis 15 Tätern waren Kenias Präsident Uhuru Kenyatta zufolge anscheinend auch Frauen. Die Terroristen hatten unter Einsatz von Maschinenpistolen und Handgranaten das exklusive Einkaufszentrum Westgate gestürmt. Darin kaufen vor allem Ausländer und reiche Kenianer ein. Ein Augenzeuge in Nairobi sagte: "Sie zeigten uns arabische Schriften. Wenn man sie lesen konnte, war man gerettet. Wenn man sie nicht lesen konnte, erschossen sie einen."

Unter den Toten sind mehrere Ausländer, darunter drei Briten, zwei Französinnen, zwei Kanadier und eine Niederländerin. Mehrere US-Bürger wurden verletzt. Auch der bekannte ghanaische Dichter Kofi Awoonor kam ums Leben. Das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen sind. Interpol und viele Regierungen der Welt boten Kenia ihre Hilfe bei der Strafverfolgung der Täter an.

kng/DPA DPA

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