Berlin Irakische Entführer kontaktierten Schwester


Weil die Geiselnehmer die Schwester des entführten 20-Jährigen in Berlin kontaktiert haben, erfuhr das Auswärtige Amt von der Entführung der deutschen Mutter und ihres Sohnes. Nun drohen die Kidnapper mit der Erschießung des jungen Mannes.

Die Bundesregierung hüllt sich weiter in Schweigen über das Schicksal der beiden im Irak vermissten Deutschen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes wollte sich am Dienstag nicht zur Identität der womöglich entführten Personen äußern. Nach einem Bericht des Berliner "Tagesspiegel" handelt es sich bei den Opfern um eine über 60 Jahre alte Frau, die mit einem irakischen Arzt verheiratet sein soll, und ihren Sohn. Der Mann sei Mitte 20 und arbeite im irakischen Außenministerium, hieß es unter Berufung auf Sicherheitskreise. Die Geiselnehmer hätten gedroht, ihn zu erschießen.

Mitglieder der Familie lebten in Berlin und anderen Teilen Deutschlands und seien direkt von den Kidnappern kontaktiert worden, berichtete die Zeitung. Die beiden Opfer seien unversehrt. Sie gelten dem Bericht zufolge für irakische Verhältnisse als vermögend. In Sicherheitskreisen werde noch über den Hintergrund der Entführer spekuliert. Es sei unklar, ob es ihnen um Lösegeld oder um politische Motive gehe.

Entführer sollen versuchen, die Bundesregierung zu erpressen

Die "Berliner Zeitung" berichtete, die Entführer hätten zur in Berlin lebenden Schwester des Entführten Kontakt aufgenommen. Dadurch sei der Fall bekannt geworden. Die Schwester sei bereits von Ermittlern vernommen worden. Auch andere Verwandte seien nach Berlin geflogen worden, um befragt zu werden.

Nach Angaben des Berliner "Tagesspiegels" haben die Geiselnehmer gedroht, den erwachsenen Sohn zu erschießen. Der Vater, ein irakischer Arzt, sei zum Zeitpunkt des Überfalls nicht in der Wohnung gewesen. Die Bundesanwaltschaft hat nach Informationen von "Welt.de" aus Sicherheitskreisen in dem Fall ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt unter anderem wegen Geiselnahme eingeleitet und damit das Bundeskriminalamt (BKA) beauftragt. Die Entführer sollen versucht haben, die Bundesregierung zu erpressen. Beim BKA sei eine Sonderkommission "Prater" für die Entführung zuständig, berichtet die Online-Ausgabe der Zeitung. Weder Bundesanwaltschaft noch BKA wollten dazu am Montag Stellung nehmen.

Die früheren Entführungen von Deutschen im Irak waren nach längeren Verhandlungen ohne Blutvergießen gelöst worden. Die beiden am 24. Januar 2006 gekidnappten Leipziger Ingenieure René Bräunlich und Thomas Nitzschke waren nach 99 Tagen unversehrt freigelassen worden. Im November 2005 war die Archäologin Susanne Osthoff im Nordirak verschleppt worden und nach dreiwöchiger Gefangenschaft frei gekommen. In beiden Fällen wurde über Lösegeldzahlungen in Millionenhöhe spekuliert.

DPA/Reuters DPA Reuters

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