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Besuch in Algerien Hollande nennt französische Kolonialherrschaft brutal


132 Jahre lang war Frankreich Kolonialmacht in Algerien. Bei seinem Besuch hat Francois Hollande erstmals die Leiden des algerischen Volkes anerkannt - von Entschuldigung jedoch keine Spur.

Als erster französischer Präsident hat François Hollande in aller Deutlichkeit die Grausamkeit der Pariser Kolonialherrschaft über Algerien eingestanden. Das nordafrikanische Land habe sich 132 Jahre lang einem "zutiefst ungerechten und brutalen System" unterwerfen müssen, sagte er am Donnerstag bei einem Staatsbesuch in Algier.

Die Kolonisation habe dem algerischen Volk viel Leid zugefügt. Frankreich hatte Algerien erst 1962 in die Unabhängigkeit entlassen. Vorausgegangen war ein achtjähriger blutiger Befreiungskrieg mit Hunderttausenden Toten. Die Vergangenheit belastet die Beziehungen beider Länder bis heute.

Ein halbes Jahrhundert nach dem Unabhängigkeitskrieg wollen Frankreich und Algerien nun ihre bilateralen Beziehungen normalisieren. Hollande und sein algerischer Amtskollege Abdelaziz Bouteflika unterzeichneten dazu bereits am Mittwochabend eine Freundschafts- und Kooperationserklärung. Sie sieht unter anderem eine verstärkte Zusammenarbeit im politischen und wirtschaftlichen Bereich vor. Zur Vergangenheitsbewältigung sollen intensive Programme zum Jugend- und Kulturaustausch beitragen.

Beziehung zu Deutschland als positives Beispiel

Mit Algerien könne das gleiche gelingen wie mit Deutschland, sagte Hollande am Donnerstag in seiner Rede vor dem algerischen Parlament. Paris und Berlin seien nach einem tragischen Krieg der Motor der europäischen Einigung geworden. Mit Algerien könne Frankreich den Motor für die Einheit der Mittelmeerländer werden.

Der französische Präsident wurde bei dem Staatsbesuch von zahlreichen Regierungsmitgliedern und Wirtschaftsvertretern begleitet. Der französische Autokonzern Renault unterzeichnete ein Abkommen über ein Joint Venture zum Bau eines Werkes in dem größten nordafrikanischen Land. Dort sollen jährlich bis zu 75 000 Fahrzeuge hergestellt werden.

Ein echter Freundschaftsvertrag war von Frankreich unter Präsident Jacques Chirac geplant worden. Der Text war bereits vom Parlament verabschiedet, doch in Algerien gab es heftigen Protest, weil darin auch von positiven Seiten der Kolonialzeit die Rede war. Chiracs Nachfolger Nicolas Sarkozy verfolgte das Projekt dann nicht weiter.

fle/DPA DPA

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