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Parkland, Florida Trumps Bildungsministerin besucht Schule des Attentats - Schüler sind über ihr Verhalten entsetzt

War bereits bei ihrer Ernennung schwer umstritten: US-Bildungsministerin Betsy DeVos
War bereits bei ihrer Ernennung schwer umstritten: US-Bildungsministerin Betsy DeVos
© Joe Raedle / Getty Images / AFP
US-Bildungsministerin Betsy DeVos hat die Schule in Florida besucht, die im Februar durch ein Massaker erschüttert wurde. Um mit den Schülern über Sicherheit zu sprechen, wie sie sagt. Doch die Schüler beschweren sich.

Donald Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos hat die Schule in Parkland, Florida besucht, an der ein ehemaliger Schüler im vergangenen Monat 17 Menschen mit einem Sturmgewehr tötete. Der Besuch ließ viele Schüler der Marjory Stoneman Douglas High School frustriert zurück, wie unter anderem "Time", "The Independent" und "Daily Beast" berichten. DeVos sei allen kritischen Fragen ausgewichen und habe sich kaum mit den Schülern unterhalten, heißt es. "Es war unterm Strich ein PR-Stunt und völlig sinnlos", wird eine 18-Jährige Schülerin zitiert, die für die Schulzeitung schreibt und Fragen für die Bildungsministerin vorbereitet hatte.

Bei dem Besuch, von dem Journalisten ausgeschlossen waren, wollte DeVos eigenen Angaben zufolge "mit den Schülern über Verbesserungsmöglichkeiten zur Schulsicherheit" sprechen. Viele der überlebenden Schüler des Massakers engagieren sich seither politisch, organisieren Protestmärsche und setzen sich für striktere Waffengesetze ein. DeVos scheint allerdings nicht allzu viel Interesse an ihren Ideen gezeigt zu haben. "Wir gingen mit ihr durch die Schule und stellten ihr Fragen, aber sie wich einfach immer aus. Das war sehr, sehr frustrierend", wird eine Schülerin vom "Independent" zitiert. "Sie meinte schlicht, es sei nicht die Zeit, um ihr solche Fragen zu stellen, dass das Thema ihr sehr wichtig sei und sie hart daran arbeite. (...) Dabei hatten wir sie nach ihren Lösungsideen gefragt."

Eine Lehrerin der Schule zeigte sich laut "Time" ebenfalls irritiert von DeVos' Besuch. "Sie kam nicht her, um Fragen zu beantworten. Viele Menschen haben das Geschehene für ihre eigene Agenda missbraucht und ihr Besuch hat sich auch so angefühlt." Sie sei sich nicht einmal sicher, was der Besuch überhaupt sollte, "weil sie sich mit keinem Lehrer oder Schüler wirklich getroffen" habe. "Sie lief eigentlich nur durch die Schule und hat mit niemandem wirklich gesprochen", wird eine Schülerin zitiert. 

Betsy DeVos wich auch vor Journalisten aus

Auch in der anschließenden Pressekonferenz wich DeVos den Berichten zufolge Fragen gezielt aus. Nach konkreten Maßnahmen für eine Verbesserung der Sicherheit gefragt, sagte sie: "Der Präsident treibt mehrere Themen voran, um die sich der Kongress wird kümmern müssen." Es gebe die Möglichkeit, "Schritte zu gehen", auf die sich "viele, viele Menschen einigen" könnten. 

Die Ernennung der Milliardärin Betsy DeVos zur Bildungsministerin war von Beginn an umstritten. Im US-Senat hatten sich damals zwei Republikaner gegen sie ausgesprochen und damit ein Unentschieden trotz eigentlicher Sitzmehrheit von Trumps Partei geschaffen. Damit kam es zu der sehr außergewöhnlichen Konstellation, dass Vizepräsident Mike Pence gemäß der ihm verfassungsmäßig zustehenden Befugnis mitstimmte und das Patt zugunsten von DeVos brach. Mit der entscheidenden Stimme von Pence wurde sie ins Amt gehievt. Sie ist das erste Kabinettsmitglied der US-Geschichte, das allein dank der Intervention des Vizepräsidenten zu ihrem Posten gekommen ist.

Michael Wolff, US-amerikanischer Autor, blickt mit nach rechts gedrehtem Kopf in die Kamera. Er trägt eine schwarze Brille
fin / fin

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