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Bin Ladens Stimme aus dem Grab: Toter Terrorchef vereinnahmt "arabischen Frühling" für sich

Osama bin Laden ist tot, aber seine Botschaft lebt weiter. Jetzt ist eine Tonbandaufnahme aufgetaucht, in der sich der Terrorchef zu den Umstürzen in der arabischen Welt äußert.

Ein Tonband mit angeblichen Äußerungen von Al-Kaida-Chef Osama bin Laden ist auf islamistischen Webseiten aufgetaucht. In der Aufnahme versucht der Terrorchef, die Proteste in den arabischen Ländern - den sogenannten "arabischen Frühling" - für sich zu vereinnahmen. Die in der Nacht zum Donnerstag vom Al-Kaida-Medienarm Al-Sahab ins Netz gestellte Botschaft soll kurz vor der Tötung Bin Ladens durch eine US-Kommando in Pakistan entstanden sein.

"Diese Revolution war nicht wegen Nahrung und Kleidung, sondern es war eine Revolution des Stolzes, des Opfers und der Hingabe", kommentiert die Stimme den Sturz der Präsidenten in Tunesien und Ägypten. Diese waren indes nicht von Al-Kaida nahestehenden Gotteskriegern, sondern von friedlich demonstrierenden jungen Menschen herbeigeführt worden. Religiöse Kräfte spielten bei den Umstürzen in Tunis und Kairo, aber auch bei den späteren Revolten in Libyen, Syrien und im Jemen, eine untergeordnete Rolle.

Der Terrorführer ruft die Muslime in seiner Botschaft dazu auf, "korrupte Herrscher und die Hegemonie des Westens" zu bekämpfen. "Ich denke, der Wind des Wandels wird über die gesamte islamische Welt hinwegfegen, so Gott will." Die Al-Kaida-Mitglieder fordert Bin Laden dazu auf, dabei mitzuhelfen, auch andere "Tyrannen" in der islamischen Welt zu stürzen. Die Echtheit der gut zwölfminütigen Botschaft stand zunächst nicht fest.

Ein US-Sonderkommando hatte Bin Laden am 2. Mai im pakistanischen Abbottabad getötet. Das Oberkommando der Al-Kaida hatte den Tod bestätigt und dabei erwähnt, dass der Führer des Terrornetzes noch kurz zuvor eine Audiobotschaft aufgezeichnet habe. Auch ein US-Offizieller sagte dem Fernsehsender CNN, dass bei der Durchsuchung des Anwesens Bin Ladens in Abottabad Tonträger ähnlichen Inhalts gefunden worden seien.

Die politische und militärische Führung Pakistans soll indes nach offizieller Washingtoner Einschätzung das Versteck Bin Ladens in Abbottabad nicht gekannt haben. US-Verteidigungsministers Robert Gates sagte nach Angaben der "New York Times" bei einer Pressekonferenz am Mittwoch (Ortszeit) in Washington, er habe keine Indizien dafür, dass die obere Führungsetage davon gewusst habe. Diese Einschätzung werde innerhalb der Regierung von Präsident Barack Obama von vielen geteilt.

Gates zeigte sich in Anwesenheit von Generalstabschef Mike Mullen jedoch überzeugt, dass es pakistanische Mitwisser gegeben habe. Aber dies seien reine Annahmen, für die keine handfesten Belege vorlägen.

DPA / DPA