Bombenanschläge Weitere Attentate geplant?


Nach den verheerenden Bombenanschlägen in Bombay ist es zu ersten Festnahmen gekommen. Möglichweise hat die Polizei einen weiteren Anschlag verhindert.

Nach den verheerenden Bombenanschlägen in der indischen Finanzhauptstadt Bombay ist es zu ersten Festnahmen gekommen. Indische Medien berichteten unter Berufung auf die Polizei in Bombay, die Ermittlungen konzentrierten sich derzeit auf eine nicht näher bezeichnete muslimische Extremistengruppe. Ministerpräsident Atal Behari Vajpayee machte Terroristen für die zwei Bombenexplosionen verantwortlich, bei denen gestern (Montag) mindestens 46 Menschen getötet und mehr als 140 verletzt wurden.

Zündvorrichtungen

Möglicherweise konnten die Behörden nur wenig später nördlich der Stadt einen weiteren Anschlag vereiteln. Wie der US-Fernsehsender CNN berichtete, wurden 85 Kilometer nördlich von Bombay an einer Eisenbahnlinie neun Zündvorrichtungen für Minen entdeckt. Die Eisenbahnlinie führt nach Nashik, wo derzeit ein wichtiges Hindu-Fest stattfindet.

Untersuchungen abwarten

Der indische Innenminister und Vize-Ministerpräsident Lal Krishna Advani betonte, zunächst müsse das Ende der Untersuchungen abgewartet werden, bevor Schuldige benannt werden könnten. Unterdessen stellte sich heraus, dass unter den Toten auch fünf Frauen und ein Kind sind. Vajpayee zeigte sich geschockt über die Anschläge und drückte den Familien der Opfer sein Beileid aus. Am Dienstag wollen zahlreiche Spitzenpolitiker den Ort der Bluttat besuchen, darunter auch Advani und Oppositionsführerin Sonia Gandhi.

"Vom feindlichen Land losgelassen"

Die Polizei vermutete islamische Extremisten hinter den Anschlägen. "Es gibt hier etliche Jehadi-Gruppen, die vom feindlichen Land losgelassen werden", sagte Polizeisprecher Ranjit Sharma. Jehadi-Gruppen werden von militanten Islamisten geführt, mit dem "feindlichen Land" ist der Erzrivale Pakistan gemeint. Der Vorwurf könnte zu neuen Spannungen zwischen den Nuklearmächten führen.

Die beiden Bomben waren gestern im Abstand von nur wenigen Minuten explodiert. Der erste Sprengsatz wurde zur Mittagszeit in einem belebten Basar nahe eines Tempels gezündet. Die zweite Bombe detonierte am Touristenmagnet und Wahrzeichen Bombays, dem "Gate of India". Beide Sprengsätze waren im Kofferraum von Taxis versteckt.

Straßen menschenleer

"Die Angst geht um in der Stadt", sagte der Führer der muslimischen Gemeinde Bombays, Sohail Rokadia. In der Nacht waren Straßen in mehreren Teilen der Stadt menschenleer, in denen normalerweise der Verkehr pulsiert. 150 Menschen wurden bei den Explosionen zweier Autobomben verletzt. Pakistan verurteilte die Anschläge.

Das Blutbad in Bombay fiel mit dem Beginn einer Untersuchung über eine religiöse Stätte in Nordindien zusammen, die sowohl von Muslimen als auch Hindus beansprucht wird. Ein am Montag veröffentlichter archäologischer Bericht brachte keine Klärung über die Stätte in Ayodhya, die von Hindus als Tempel verehrt wird, der den Geburtsort des Gottes Rama vor 7.000 Jahren markiert.

Eine darauf errichtete Moschee wurde 1992 von Hindus zerstört. Über Indien rollte damals eine Gewaltwelle hinweg, in der mehr als 2.000 Menschen getötet wurden. Im vergangenen Jahr wurden im westindischen Unionsland Gujarat fast 1.000 Muslime umgebracht, nachdem Muslime einen Pilgerzug in Brand steckten, in dem Pilger von Ayodhya reisten. Elf Insassen kamen um.

DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker