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Brandbrief von der Wall Street: US-Banker flehen um Ende des Schuldenstreits

Die mächtigen Wall-Street-Banker stehen dem Schuldenstreit in Washington genauso hilflos gegenüber wie jeder andere US-Bürger. Jetzt wagt die Finanzelite einen neuen Vorstoß und beschreibt, was bei einem Staatsbankrott passieren würde.

Die US-Finanzelite fordert die Politik in Washington zu einer raschen Einigung im Schuldenstreit auf. Die Topbanker des Landes haben dazu am Donnerstag einen Brandbrief an Präsident Barack Obama und die Mitglieder des Kongresses geschickt, in denen sie in drastischen Worten vor den Konsequenzen warnen, sollten die USA keine neuen Schulden mehr aufnehmen dürfen und damit zahlungsunfähig werden.

"Die Folgen der Tatenlosigkeit wären gravierend - für unsere Wirtschaft, für unseren ohnehin schwächelnden Arbeitsmarkt, für die finanziellen Verhältnisse unserer Firmen und Familien und für Amerikas wirtschaftliche Führungsrolle in der Welt", schrieben die Chefs von Goldman Sachs, JPMorgan Chase, der Citigroup, der Bank of America und zehn weiterer US-Finanzkonzerne in ihrem Brief.

"Unsere Wirtschaft bleibt sehr zerbrechlich", stellten sie fest. Sollten die USA ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können oder würde die Kreditwürdigkeit herabgestuft, wäre das ein herber Schlag für das Vertrauen der Firmen und Investoren. "Die Zinsen für jeden Kreditnehmer würden steigen, der Wert des Dollar würde untergraben, die Aktien- und Anleihemärkte gerieten in Aufruhr." Das würde die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage dramatisch verschlimmern, warnten die Banker.

Stichtag 2. August

"Angesichts diese sehr realen Gefahren müssen die politischen Entscheidungsträger unseren finanzpolitischen Kurs korrigieren", mahnte die Gruppe. Nur so würde das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewonnen und am Ende entstünden neue Jobs. "Wir fordern Sie auf, noch in dieser Woche eine Übereinkunft zu erzielen", schlossen die Wall-Street-Größen ihren Brief an den Präsidenten und den Kongress.

Die USA müssen die Grenze für die Aufnahme von Staatsschulden anheben, sonst droht ihnen das Geld auszugehen. Stichtag ist der 2. August. Bis dato stehen sich die politischen Lager aber unversöhnlich gegenüber und die Finanzmärkte fürchten mittlerweile das Schlimmste. Seit Tagen geht es an der Wall Street abwärts. Das bekommen auch die Banken zu spüren.

Der Brandbrief wurde vom Financial Services Forum veröffentlicht, einer Interessenvereinigung der Finanzbranche. Ihr gehören auch ausländische Spitzenmanager wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann oder UBS-Lenker Oswald Grübel an. Sie gehören allerdings nicht zu den Unterzeichnern des Schreibens.

DPA / DPA