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Parlament statt Kreißsaal: Abgeordnete verschiebt wegen Brexit-Abstimmung Geburt ihres Kindes

Es ist eine Risikoschwangerschaft und eigentlich hätte die Abgeordnete Tulip Siddiq ihr Kind an diesem Dienstag zur Welt bringen sollen. Doch die Abstimmung über das Brexit-Abkommen kommt bei der Geburt dazwischen.

Die Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq will unbedingt das Brexit-Abkommen von Theresa May verhindern. Dafür verschiebt sie die Geburt ihres Babys.

Die Labour-Abgeordnete Tulip Siddiq will unbedingt das Brexit-Abkommen von Theresa May verhindern. Dafür verschiebt sie die Geburt ihres Babys.

DPA

Die Abstimmung über das Brexit-Abkommen im Londoner Unterhaus wird über das Schicksal Großbritanniens entscheiden – ganz klar. Im Falle der Labour-Abgeordneten Tulip Siddiq beeinflusst diese Wahl auch das persönliche Familienglück: Die 36-jährige Labour-Politikerin hat wegen des Brexit-Votums an diesem Dienstagabend die Geburt ihres Babys verschoben.

Das Kind sollte eigentlich am 15. Januar per Kaiserschnitt zur Welt kommen. Siddiq, die den Londoner Wahlkreis Hampstead & Kilburn vertritt, will aber unbedingt gegen den von Premierministerin Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal abstimmen. Das Baby soll deshalb zwei Tage später als geplant das Licht der Welt erblicken.

Anstatt in den Kreißsaal geht es also an diesem Dienstag ins Unterhaus: Dann will sich die hochschwangere Siddiq von ihrem Ehemann Chris im Rollstuhl zur Abstimmung schieben lassen, wie sie dem "Evening Standard" sagte. "Selbst wenn mein Sohn einen Tag später als von den Ärzten empfohlen das Licht der Welt erblickt, aber dies eine Welt mit besseren Chancen für eine solide Beziehung zwischen Großbritannien und Europa ist, dann lohnt es sich, dafür zu kämpfen", wird sie in der Zeitung zitiert.

Brexit-Abstimmung statt Geburt - nicht ganz ungefährlich

Siddiq, die Nichte der bangladeschischen Regierungschefin Sheikh Hasina, geht mit ihrer Entscheidung ein Risiko ein, denn die Schwangerschaft verlief bislang schwierig. Deshalb hätte der Termin für den Kaiserschnitt eigentlich eingehalten werden sollen. Wegen ihrer Schwangerschaftsdiabetes hatten ihr die Ärzte laut "Evening Standard" empfohlen, ihr Baby schon in der 37. Woche, zur Welt zu bringen - entweder an diesem Montag oder an diesem Dienstag. Der ursprüngliche Termin wäre der 4. Februar gewesen.

Und nun kam die Brexit-Abstimmung dazwischen. Zwar hat das Royal Free Hospital der Verschiebung der Geburt laut des Berichts inzwischen nach einer vorbereitenden Behandlung am vergangenen Wochenende zugestimmt. Siddiq sei sich jedoch im Klaren darüber, dass sie ein Risiko eingeht. "Ich mache es gegen den Rat der Ärzte", sagte sie der Zeitung. Auch die erste Schwangerschaft Siddiqs mit Töchterchen Azalea  verlief kompliziert. Die Kleine ist inzwischen zwei Jahre alt.

Für solche Fälle gibt es eigentlich eine Regel im Unterhaus

Ohnehin sollte es gar nicht nötig sein, wegen einer Abstimmung im Parlament eine Geburt zu verschieben. Denn es gibt laut "Evening Standard" eine Regel im britischen Parlament, wonach hochschwangere, kranke Abgeordnete oder solche mit neugeborenen Kindern nicht zu Abstimmungen erscheinen müssen. Die Lösung lautet dann, dass einfach ein Mitglied der gegnerischen Partei ebenfalls der Wahl fernbleibt, so dass das Wahlergebnis insgesamt durch das Fernbleiben der Politiker nicht beeinflusst wird. Doch im Juli 2018, so berichtet die Zeitung, sei diese Regel bei einer Abstimmung gebrochen worden. Deshalb traue die Labour-Abgeordnete dieser Praxis nicht mehr und ist fest entschlossen, an diesem Dienstag selbst an der Brexit-Abstimmung teilzunehmen.

Quelle: "Evening Standard"

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