Briefbombenserie Explosive Post für EU-Parlamentarier


Der Versand von Briefbomben an EU-Politiker reißt nicht ab. Im Brüsseler Büro des deutschen EU-Parlamentariers Hans-Gert Pöttering explodierte ein Paket. In Manchester erhielt der britische EU-Abgeordnete Gary Titley auch eine Briefbombe.

Der deutsche EU-Parlamentarier Hans-Gert Pöttering und zwei weitere Abgeordnete des Europaparlaments sind am Montag Ziel der mysteriösen Briefbombenserie gegen europäische Politiker geworden. Im Brüsseler Büro Pötterings und im Büro des Briten Gary Titley in Manchester gingen im Abstand weniger Stunden zwei präparierte Briefe in Flammen auf. Verletzt wurde dabei niemand. Eine dritte Briefbombe, die an den konservativen spanischen Abgeordneten Jose Ignacio Salafranca adressiert war, wurde im Europaparlament rechtzeitig abgefangen.

Der CDU-Politiker Pöttering, der Fraktionsvorsitzender der Europäischen Volkspartei (EVP) ist, hielt sich zum Zeitpunkt des Vorfalls nicht in Brüssel auf. Eine Mitarbeiterin öffnete das Paket, das dabei in Flammen aufging. Pöttering zeigte sich in einem Interview der "Bild"-Zeitung (Dienstagausgabe) entsetzt. "Ich bin sehr betroffen und erschüttert und mache mir große Sorgen um meine Mitarbeiter", sagte er. Nach eigenen Angaben reiste Pöttering noch am Montagmittag nach Brüssel, um sich in seinem Büro einen Eindruck über das Ausmaß des Attentats zu verschaffen.

Nur geringer Schaden

Das an den sozialistischen EU-Abgeordneten Titley adressierte Paket verpuffte ebenfalls bei der Öffnung durch einen Mitarbeiter, wie eine Sprecherin des Europaparlaments am Abend mitteilte. Dabei sei geringer Schaden entstanden.

Mit den drei Briefbomben vom Montag erhöhte sich die Zahl der versuchten Anschläge auf führende Repräsentanten und Institutionen der Europäischen Union binnen zwei Wochen auf sieben. Frühere Adressaten waren EU-Kommissionspräsident Romano Prodi, der Chef der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, sowie die Büros von Europol und Eurojust in Den Haag. Die Sendungen wurden alle in Bologna in Italien aufgegeben. In zwei Fällen bekannte sich eine Organisation namens Vereinigung Informeller Anarchisten zum Versand der Briefbomben. Die Polizei vermutet, dass es sich in allen Fällen um diese Täter handelt.

Wie im Fall des Anschlags auf Prodi in dessen Privathaus in Bologna am 27. Dezember enthielt das Pöttering zugesandte Päckchen nach Angaben von EVP-Mitarbeitern ein Buch. Die Postsendung an den spanischen Abgeordneten Salafranca sei identisch gewesen, sagte ein Sprecher des EU-Parlamentspräsidenten Pat Cox.

Kritik an Sicherheitsvorkehrungen

Obwohl die Sicherheitsvorkehrungen für die EU-Institutionen nach Beginn der Bombenserie erhöht wurden, äußerten Pöttering und sein CDU-Parteikollege Elmar Bok Kritik an den getroffenen Maßnahmen. Pöttering forderte in dem "Bild"-Interview die Überprüfung der gesamten Post an alle Europa-Abgeordneten. Bisher sei nur die Post an Kommissionspräsident Prodi überprüft worden, bemängelte der EVP-Fraktionsvorsitzende.

Bok forderte in einem Interview der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" (Dienstagausgabe) verstärkte Sicherheitsmaßnahmen seitens der belgischen Behörden. "Der Brief hätte erst gar nicht an Pötterings Büro durchkommen dürfen", sagte er.

DPA

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