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Medienberichte: Hier, ich! Boris Johnson hat angeblich eine Lösung für den Backstop-Streit

Boris Johnson, der Brückenbauer? Medienberichten zufolge lässt der britische Premierminister derzeit ausloten, ob sich eine Brücke zwischen Schottland und Nordirland verwirklichen lasse. Der Bau würde wohl Jahre in Anspruch nehmen.

Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, hebt seinen Arm in einer Schulklasse

Großbritannien, London: Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, hebt seinen Arm während dem Geschichtsunterricht an der Pimlico Primary School

DPA

Im Brexit-Geschacher hat sich Boris Johnson bisher nicht als Brückenbauer erwiesen. Das Parlament schickte der britische Premierminister in eine hoch umstrittene Zwangspause, im Zwist um seinen politischen Kurs setzte er 21 Partei-Rebellen vor die Tür und überhaupt scheint Johnson keine Rücksicht auf Verluste zu nehmen.

Sein Kamikaze-Kurs verfolgt ein Ziel: Johnson will Großbritannien bis zum 31. Oktober aus der Europäischen Union führen. Ohne "Wenn und Aber", wie der Premier immer wieder und wortreich beschwört – im Zweifel also auch ohne ein Austrittsabkommen. 

Johnson: Backstop als Fußfessel

Dass Johnson mit dem aktuellen Austrittsabkommen nicht viel anfangen kann, ist kein Geheimnis. Der britische Premier sperrt sich vehement gegen die sogenannte Backstop-Regelung – eine Klausel für den Notfall, die garantieren soll, dass keine harte Grenze zwischen dem britischen Nordirland und dem unabhängigen EU-Mitglied Irland gezogen wird. Egal, wie sich die zukünftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien entwickeln.

Johnson sieht den Backstop gewissermaßen als Fußfessel, legte bisher aber offenbar keine anderen Lösungsvorschläge vor. Bis jetzt? Johnson könnte sich womöglich doch noch als Brückenbauer erweisen, berichteten die britische "Daily Mail" und "Channel 4 News". Allerdings im wahrsten Sinne des Wortes.

Boris Johnson, der Brückenbauer?

Internen Dokumenten zufolge lote sein Stab derzeit aus, ob sich eine Brücke zwischen Nordirland und Schottland bauen lasse, um eine Grenze in der irischen See zu beseitigen. Den Vorschlag habe Johnson schon 2018 angebracht, damals war er noch als Außenminister tätig. Nun sollen Kosten und Risiken für das Projekt zusammengetragen werden.

Ein Sprecher der Regierung wollte die Meldung weder bestätigen noch dementieren und sagte "Channel 4 News" lediglich: "Dieser Premierminister hat bisher kein Geheimnis aus seiner Unterstützung für Infrastrukturprojekte gemacht, die das Vereinigte Königreich stärken könnten." Man denke regelmäßig über allerhand Projekte nach. 

Video: Irland offen für Backstop-Alternativen

Laut "Channel 4 News" solle die Brücke womöglich zwischen Larne (Nordirland) und Portpatrick (Schottland) geschlagen werden. Das Bauwerk hätte damit eine ungefähre Länge von 45 Kilometern. Das wäre sicherlich ambitioniert, aber nicht unbedingt außergewöhnlich – die derzeit längste Brücke der Welt, die Danyang-Kunshan auf der Bahnstrecke zwischen Peking und Shanghai, misst 164,8 Kilometer.

Doch auch schon ein Bückenbauprojekt in vergleichbarer Größenordnung ist mit viel Aufwand und Zeit verbunden: So betrug die Bauzeit der Jiaozhou-Bucht-Brücke in China, die mit 42,5 Kilometer eine ähnliche Länge hat, rund vier Jahre. Über zehntausend Arbeiter verbauten dafür rund 450.000 Tonnen Stahl und 2,3 Millionen Tonnen Beton.

Schnell ließe sich eine Brücke zwischen Nordirland und Schottland vor diesem Hintergrund wohl nicht bauen. Zumal Johnson das Vereinigte Königreich am 31. Oktober aus der EU führen will.

Quellen: "Daily Mail", "Channel 4 News"

fs