VG-Wort Pixel

Bürgerkrieg in Syrien Lässt Assad die Waffenruhe platzen?


Der Zeitpunkt sei "nicht exakt", überhaupt wolle man schriftliche Garantien der Opposition. Das Regime in Damaskus relativiert die für Dienstag vereinbarte Waffenruhe in Syrien – und feuert weiter auf das eigene Volk.

Die syrische Regierung will ihre Truppen aus den umkämpften Städten des Landes erst abziehen, wenn die Opposition "schriftliche Garantien" für ein Ende der Gewalt vorlegt. Den 10. April als Frist für den Rückzug der Truppen zu bezeichnen, sei "nicht exakt", erklärte das syrische Außenministerium. Erst müssten die "bewaffneten terroristischen Gruppen" schriftlich ein Ende "jeder Form der Gewalt" zusagen. Der internationale Syrien-Sondergesandte Kofi Annan habe entsprechende Garantien noch nicht vorgelegt.

Der UN-Sicherheitsrat hatte die syrische Führung "dringend" aufgefordert, bis zum kommenden Dienstag die Truppen aus den Protesthochburgen abzuziehen. Die syrische Opposition soll spätestens am Donnerstag alle Angriffe einstellen. Annan hatte erklärt, Syriens Staatschef Baschar al Assad habe der Frist für eine Waffenruhe zugestimmt.

Gefechte und Heckenschützen

Ohnehin scheint das Regime noch einmal mit einem massiven Militäraufgebot gegen die Rebellen vor. Regierungstruppen hätten am Sonntag mit Unterstützung von Kampfhubschraubern Gebiete in der Unruheprovinz Idlib gestürmt, berichtete die Syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte. Die Region an der Grenze zur Türkei ist auch eine Hochburg der Freien Syrischen Armee der Deserteure. Diese liefert sich seit Monaten massive Gefechte mit regimetreuen Soldaten.

Nach Angaben der Aktivisten wurde in Chan Scheichun ein Mensch von einem Heckenschützen getötet. In Kafr Nabl und Marsita seien Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen ausgebrochen, hieß es. In Vororten der Hauptstadt Damaskus kamen demnach fünf Oppositionelle bei Auseinandersetzungen mit Assad-Soldaten ums Leben. Wegen der Medienblockade sind Meldungen aus Syrien nur schwer zu überprüfen.

Türkei fürchtet sich vor Flüchtlingsstrom

Am Samstagabend hatte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan der syrischen Führung mit "Maßnahmen" gedroht, sollte sie die Waffenruhe nicht einhalten. "Wir werden geduldig beobachten, was bis zum 10. April passiert", sagte Erdogan nach Angaben der Zeitung "Hürriyet". Sollte die Gewalt nicht enden, würden "Maßnahmen umgesetzt". Welche Maßnahmen seine Regierung genau ergreifen will, sagte Erdogan nicht.

Die Türkei sorgt sich angesichts der großen Zahl syrischer Flüchtlinge, die vor den Kämpfen in die Türkei fliehen. Allein seit Donnerstag waren es rund 4000 Menschen, derzeit leben in türkischen Flüchtlingslagern nach Angaben der Regierung in Ankara mehr als 24.000 Syrer.

be/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker