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Demonstrant zu Boden geschubst: 57 US-Polizisten quittieren Job, nachdem zwei Kollegen suspendiert wurden

In Buffalo ist die gesamte Notfalleinheit der Polizei zurückgetreten, nachdem zwei Beamte ohne Bezahlung suspendiert worden sind. Sie sollen einen 75-jährigen Demonstranten zu Boden geschubst und hilflos zurückgelassen haben. 

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In Buffalo, New York, haben 57 Polizisten aus Protest gegen die Suspendierung zwei ihrer Kollegen den Dienst in der Notfalleinheit quittiert, meldet die Lokalzeitung "The Buffalo News". Zwei Quellen bei den Strafverfolgungsbehörden hätten den Rücktritt der gesamten Einheit bestätigt. Den zwei suspendierten Beamten wird vorgeworfen, bei einer Kundgebung gegen Polizeigewalt einen älteren Demonstranten zu Boden gestoßen zu haben.

Ein in der Nacht zum Freitag vom Sender WBFO veröffentlichtes Video zeigt, wie ein weißer Demonstrant auf eine Gruppe uniformierter Polizisten zugeht und von zwei von ihnen umgestoßen wird. Der 75-jährige Mann fällt hin und bleibt mit Blutungen am Kopf auf dem Bürgersteig liegen. Mehrere Polizisten gehen an dem am Boden liegenden Mann tatenlos vorbei, wie die Aufnahmen belegen. 

Der Polizeichef von Buffalo leitete eine interne Untersuchung wegen des Vorfalls ein und suspendierte die beiden beschuldigten Beamten ohne Bezahlung. In den Reihen der Polizeitruppe stoßen diese Maßnahmen jedoch auf Unverständnis. "57 Polizisten treten angewidert zurück, weil zwei ihrer Kollegen, die lediglich Befehle ausgeführt haben, so behandelt werden", erklärte John Evans, Präsident der Buffalo Police Benevolent Association, gegenüber dem lokalen TV-Sender WGRZ.

"Unsere Position ist, dass diese Beamten einfach den Anweisungen des stellvertretenden Polizeichefs Joseph Gramaglia gefolgt sind", so Evans. Die 57 Beamten verlassen den Polizeidienst nicht endgültig, ziehen sich jedoch aus der Notfalleinheit zurück. Diese Einheit (Emergency Service Unit) wird in einigen US-Bundesstaaten bei Verkehrsunfällen, Gebäudeeinstürzen, Geiselnahmen und ähnlichen Situationen eingesetzt. Sie umfasst zahlreiche Abteilungen wie etwa eine Diensthundestaffel, Polizeitaucher oder Sprengstoffexperten. Der taktische Teil der Notfalleinheit stellt das Pendant zu den SWAT-Einheiten anderer Bundesstaaten dar.

Vertretung aus News York City

Der Rücktritt der gesamten Notfalleinheit wirft nun Fragen nach der Sicherheit auf den Straßen Buffalos auf - vor allem weil in den kommenden Tagen weitere Proteste erwartet werden. "Buffalo wird an diesem Wochenende in Sicherheit sein", versicherte aber der Bürgermeister der Stadt Byron W. Brown. "Wir haben einen Notfallplan, wir haben immer einen Notfallplan." Aus New York City sollen nun zusätzliche Polizeikräfte angefordert werden, berichtet CNN.

Solidarität in Kanada: Justin Trudeau kniet vor tausenden Demonstranten nieder

Seit Tagen kommt es in vielen US-Städten zu Demonstrationen gegen Rassismus, Polizeigewalt und soziale Ungerechtigkeit. Auslöser ist der Tod des Afroamerikaners George Floyd nach einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota am 25. Mai. Die Proteste arteten zum Teil in Ausschreitungen und Plünderungen aus.

Quellen: "The Buffalo News", WGRZ, CNN

ivi
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