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Bush-Besuch: London rüstet sich für den "guten Freund"

Als George W. Bush das letzte Mal im Buckingham- Palast Tee trank, erregte er nur mit seinen Cowboy-Stiefeln Anstoß. Damals war er noch der Sohn des Präsidenten und stellte sich der Queen als das "schwarze Schaf der Familie" vor.

Als George W. Bush das letzte Mal im Buckingham- Palast Tee trank, erregte er nur mit seinen Cowboy-Stiefeln Anstoß. Damals war er noch der Sohn des Präsidenten und stellte sich der Queen als das "schwarze Schaf der Familie" vor. Jetzt wird er nach Schätzungen etwa 100 000 Demonstranten auf den Plan rufen. Sein viertägiger Besuch erfordert die größte Sicherheitsaktion der britischen Geschichte.

Erster Staatsbesuch seit 1918

Bush ist der erste US-Präsident, den Großbritannien mit einem Staatsbesuch ehrt. Selbst Präsident Woodrow Wilson kam 1918 kurz nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nur als offizieller Besucher, nicht als Staatsgast. Er fuhr mit König George V. in offener Kutsche über die Prachtstraße The Mall, umjubelt vom Volk. Diesmal kommt zwar auch ein Kriegsalliierter, aber für ihn werden ringsum Straßen abgeriegelt, und seine Limousine ist gegen Granaten-Einschläge und Minen-Explosionen gepanzert. Wie bei James Bond sind Gewehre und Tränengas-Kanonen eingebaut.

14.000 Polizisten im Einsatz

14.000 Polizisten wachen über die Sicherheit des "guten Freundes" (O-Ton Premierminister Tony Blair) - mehr als ein Zehntel der britischen Polizei. Über der Londoner Innenstadt gilt ein Flugverbot, Scharfschützen stehen auf den Dächern, und nach Presseberichten wird sogar erwogen, zeitweise alle Mobilfunksignale in der Nähe des Präsidenten zu unterbrechen: Scotland Yard befürchtet demnach, dass Terroristen per Handy eine Bombe explodieren lassen könnten.

Kriegsgegner und Polizei bereiteten sich am Dienstag auf Demonstrationen vor. Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone übte heftige Kritik an dem Sicherheitsaufwand.

"Die Protestbewegung wächst wie ein Schneeball"

"Die Protestbewegung wächst wie ein Schneeball", teilten die Organisatoren mit. Zu einer Kundgebung am Donnerstag würden 100.000 Teilnehmer erwartet. Die Londoner Polizei plante für die Zeit von Dienstagabend bis Freitagabend 14.000 Einsatzschichten, drei Mal so viele wie ursprünglich angekündigt.

Jüngsten Umfragen zufolge wird Bushs Besuch von 36 Prozent der Briten abgelehnt, 43 Prozent heißen den US-Präsidenten nach einer Erhebung für die Dienstagsausgabe des "Guardian" willkommen. Die Zahl der Befragten, die den Irak-Krieg verurteilten, sank gegenüber einer Umfrage im September um 12 Prozentpunkte.

Der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, der Bush am Montag als "Bedrohung für das Leben auf diesem Planeten" bezeichnet hatte, kritisierte den Sicherheitsaufwand für den Besuch des US-Präsidenten. Jeder Londoner Haushalt zahle im Schnitt zwei Pfund Steuern für den Polizeieinsatz, sagte Livingstone. "Ich glaube, die meisten Londoner würden gerne vier Pfund dafür geben, wenn er nicht käme."

Amerikanische Sicherheitsbedenken

Wenn man Livingstone glaubt, sind alle Sicherheitsvorkehrungen den Sicherheitsleuten des Präsidenten noch zu wenig: Sie hätten am liebsten die ganze Innenstadt abgesperrt und die U-Bahn geschlossen, berichtet der "Rote Ken". Auch aus britischen Regierungskreisen verlautet, die Amerikaner hätten mit eigenen Hubschraubern über der Stadt kreisen und kugelsicheres Glas im Buckingham-Palast einbauen wollen. Die Londoner Polizei Scotland Yard versichert deshalb immer wieder, sie allein habe das Sagen und alles unter Kontrolle. Das allerdings hinderte eine 61-jährige Großmutter am Montag nicht daran, den Zaun des Buckingham-Palastes zu ersteigen und dort ein Transparent mit einer Botschaft für "Elizabeth Windsor" aufzuhängen.

So ist der amerikanische Geheimdienst denn sicherheitshalber doch mit 250 eigenen Leuten vertreten. Daran ist man in Großbritannien gewöhnt. Als 1969 der damalige Präsident Richard Nixon von Premierminister Harold Wilson empfangen wurde, ließ der US- Geheimdienst sogar eigenes Wasser einfliegen, um einer Vergiftung durch englische Köche vorzubeugen.

dpa, AP / AP