Bush-Rede Die US-Truppen bleiben im Irak


Mit ungewohnt direkten Worten hat US-Präsident George W. Bush seine Landsleute um Unterstützung seiner umstrittenen Irak-Politik gebeten. Gleichzeitig machte er klar: Es gibt keinen baldigen Rückzug. Ein Ende der Gewalt auch nicht.

US-Präsident George W. Bush hat in einer Fernsehansprache bei seinen Landsleuten für eine Unterstützung seiner Irak-Politik geworben. "Ich erwarte von ihnen nicht, dass Sie alle meine Entscheidungen unterstützen", sagte Bush am Sonntagabend in einer aus seinem Büro übertragenden Fernsehansprache. "Aber ich bitte Sie heute: Verzweifeln Sie nicht und geben Sie in diesen Kampf für die Freiheit nicht auf." Zwar lägen noch weitere Prüfungen und Opfer vor den USA. "Aber wir können den Krieg im Irak nicht nur gewinnen, wir werden ihn auch gewinnen." Mit seiner fast schon an die legendäre "Blut, Schweiß und Tränen"-Rede Winston Churchills erinnernde Ansprache versuchte Bush die zunehmend kriegsmüden Amerikaner hinter sich zu versammeln.

Bush räumte eigene Fehler ein

Grausame Bilder aus dem Irak würden nur belegen, dass der Krieg schwierig sei. "Aber es bedeutet nicht, das wir verlieren." Allerdings sei die Arbeit im Irak schwieriger als erwartet. Bush räumte ein, beim Wiederaufbau des Irak und der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte habe es einen schleppenden Start gegeben.

Dabei würdigte Bush die Parlamentswahlen im Irak als "Geburt der Demokratie im Nahen Osten". Um diesen Prozess zu schützen, dürften die US-Truppen nicht vorzeitig abgezogen werden, so Bush. Die Wahl vom vergangenen Donnerstag bedeute, "dass Amerika einen stärker werdenden Verbündeten im Kampf gegen Terror" habe. Bush räumte ein, dass nach 30.000 im Irak getöteten Zivilpersonen und mehr als 2.100 dort umgekommenen US-Soldaten einige den Schluss ziehen könnten, "dass der Krieg verloren ist und keinen weiteren Groschen und keinen weiteren Tag mehr rechtfertigt".

"Amerika hat nicht verloren"

Er glaube das aber nicht, und auch die Offiziere und Soldaten im Irak glaubten nicht, dass Amerika verloren habe. "Nicht einmal die Terroristen glauben das. Wir wissen aus ihrer eigenen Kommunikation, dass sie spüren, wie sich die Schlinge zuzieht und sie den Aufstieg eines demokratischen Iraks fürchten." Es sei wichtig, dass jeder Amerikaner verstehe, was die Konsequenzen für einen verfrühten Rückzug aus dem Irak seien, sagte Bush in seiner ersten Rede an die Nation aus dem Oval Office, seitdem er von dort im März 2003 den Einmarsch in das Land verkündete.

"Wir würden unsere irakischen Freunde im Stich lassen und der Welt signalisieren, dass man dem Wort Amerikas nicht trauen kann. ... Wir würden den Irak an unsere Feinde übergeben, die geschworen haben, uns anzugreifen und die terroristische Bewegung würde ermutigt und gefährlicher sein als jemals zuvor."

Kein Ende der Gewalt in Sicht

Bush räumte ein, es habe einen schleppenden Start beim Wiederaufbau des Landes und der Ausbildung irakischer Sicherheitskräfte gegeben. Auch werde es zunächst kein Ende der Gewalt in dem Land geben. "Diese Arbeit im Irak ist äußerst schwierig - schwieriger als wir dachten", sagte Bush. Dennoch werde es bei einer Stärkung der irakischen Sicherheitskräfte eine Verringerung der US-Truppenstärke im Irak geben. Einen Zeitplan nannte Bush erneut nicht.

Bush hat in den vergangenen Woche eine Reihe von Ansprachen über seine Irak-Politik gehalten und war dabei von einer eher optimistischen Darstellung hin zu einer mehr realistischen Sichtweise umgeschwenkt. Er räumt nun Fehler in seinem Vorgehen ein und verweist auf einen langen und schwierigen Weg, der noch zu gehen sei. Vor wenigen Tagen hatte er in ungewohnt deutlicher Form die Verantwortung dafür übernommen, dass die USA auf der Basis falscher Informationen in den Irak einmarschiert sind. Die USA hatten den Krieg mit der Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen begründet. Diese Waffen wurden aber nie gefunden. Bush will sich mit seinen Reden auch gegen seine politischen Gegner zur Wehr setzten.

Umfragewerte im Sinkflug

Der Präsident hat seit Monaten mit schlechten Meinungsumfragen zu kämpfen. Dazu trugen neben der Lage im Irak unter anderem auch die die zögerliche Reaktion auf den Hurrikan "Katrina", hohe Benzinpreise und Korruptionsvorwürfe gegen führende Politiker seiner Republikanischen Partei bei.

Bei einer Stärkung der irakischen Sicherheitskräfte werde es auch eine Verringerung der US-Truppenstärke im Irak geben, sagte Bush am Sonntag. Einen Zeitplan dafür nannte er erneut nicht. Im Vorfeld der Wahl im Irak hatten die USA die Zahl ihrer Soldaten auf 150.000 aufgestockt. Bis Februar soll sie auf 138.000 verringert werden. Insgesamt sind seit dem Einmarsch in den Irak im Frühjahr 2003 mehr als 2100 US-Soldaten dort getötet worden, was bei der US-Bevölkerung ebenso für wachsenden Unmut sorgt wie die Einsatz-Kosten von monatlich sechs Milliarden Dollar.

AP, DPA, Reuters AP DPA Reuters

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