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US-Wahl 2020: Chaos in Iowa: Darum wurde der Vorwahlauftakt der Demokraten zum Fiasko

Der Start der Demokraten in die Vorwahlen zur US-Präsidentenwahl im November ist komplett in die Hose gegangen. Auch Stunden nach den Abstimmungen in Iowa liegt noch kein Ergebnis vor. Das sind die Gründe für das Desaster.

US-Vorwahl

Die Demokraten sind mit einer desaströsen Panne in die Vorwahlen zum Rennen um die US-Präsidentschaft gestartet: Mehrere Stunden nach der wichtigen ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa am Montag (Ortszeit) liegt noch immer kein Ergebnis vor. 

Die Partei begründete die Verzögerung mit Qualitätskontrollen und "Unstimmigkeiten" zwischen drei verschiedenen Datensätzen zu den Resultaten. Die Stimmen würden per Hand überprüft, teilte Iowas demokratischer Parteichef Troy Price Journalisten in einer kurzen, nächtlichen Telefonschalte mit. Die Ergebnisse würden "später am Tag" bekanntgegeben.

Neuerungen in Iowa bereiten Probleme

Die Abstimmung in Iowa über die Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten fand in sogenannten Caucus-Treffen statt. Das Prozedere bei diesen über den ganzen Bundesstaat verteilten Parteiversammlungen ist ohnehin schon kompliziert und unterscheidet sich deutlich von Abstimmungen per Wahlzettel. Die zwei Knackpunkte bei der jetzt schief gelaufenen Wahl für die Demokraten waren aber offenbar folgende:

1.) In diesem Jahr mussten die Demokraten zum ersten Mal drei verschiedene Datensätze übermitteln.

  • die Stimmenverteilung beim ersten Wahlgang
  • die Stimmenverteilung beim zweiten, finalen Wahlgang (nach dem ersten Wahlgang scheiden die Kandidaten, welche die 15-Prozent-Marke nicht erreicht haben, aus. Ihre Unterstützer können ihre Stimmen dann an einen der übrig gebliebenen Kandidaten neu vergeben)
  • die von der Stimmenverteilung im finalen Wahlgang abhängige Anzahl an Delegierten, die jeder Kandidat gewinnt

In der Vergangenheit hatte die Partei nur das letzte, viel einfacher darzustellende Resultat angeben müssen.

2.) Um die Erfassung all dieser Informationen aus mehr als 1600 Bezirken zu erleichtern, haben die Demokraten eine App entwickelt, mit deren Hilfe die Bezirksvorsitzenden die Ergebnisse weitergeben sollten. Deren Benutzung bereitete aber Probleme, wie mehrere US-Medien melden. Vier Bezirksvorsitzende hätten mitgeteilt, "dass sie die Telefon-App nicht herunterladen oder sich nicht bei ihr anmelden konnten", berichtet die US-Nachrichtenseite "Bloomberg". Einige der Verantwortlichen hätten deshalb versucht, die Zahlen über eine Telefonhotline weiterzugeben und seien dabei in einer Warteschleife gelandet. "Ich bin der Caucus-Sekretär des Bezirks Story County 1-1. Ich hänge seit über einer Stunde in der Warteschleife fest, um die Ergebnisse zu übermitteln. Wir haben 6 Delegierte", schriebt der Twitter-Nutzer Shawn Sebastian.

Andere Bezirke verwendeten in ihrer Not statt der Telefon-App offenbar Papier: "Wir nutzen in vielen Fällen Papier, nicht die App", zitierte Elena Schneider, Reporterin der US-Nachrichtenseite "Politico", auf Twitter einen Demokraten aus Iowa. "Das ganze System ist weitgehend zusammengebrochen."

Die demokratische Partei erklärte dagegen, die App zum Weiterleiten der Ergebnisse sei nicht abgestürzt. Auch einen Hackerangriff habe es nicht gegeben. Es solle lediglich sichergestellt werden, dass die Ergebnisse vor einer Veröffentlichung korrekt seien.

Donald Trump kann sich derweil freuen: Der Präsident gewann die erste Vorwahl der Republikaner erwartungsgemäß mit überwältigender Mehrheit. Er hat keine ernstzunehmenden Herausforderer.

Quellen: "Bloomberg", "Vox", "New York Magazine", Twitter