Dänemark "Ausländer sind eine Last"


Bis vor kurzem hatten die Dänen den Ruf, sympathische und liberale Menschen zu sein, die gute Butter machen. Zumindest in der islamischen Welt hat sich das seit dem Karikaturenstreit geändert. Wie ist es um die dänische Liberalität tatsächlich bestellt?
Von Silke Haas

Es ist noch nicht so lange her, da war die Welt in Dänemark noch in Ordnung. Die Dänen galten gemeinhin als nettes, gemütliches Völkchen mit großem Herz für alle. Ein liberales Einwandererland mit hohem Kuschelfaktor.

Seitdem die Muslime in aller Welt gegen die Mohammed-Karikaturen protestieren, hat dieses Image Risse bekommen. Die Gläubigen im Königreich klagen nicht nur über Gotteslästerung, sondern auch über Diskriminierung. Wie sieht es für die Ausländer im Königreich aus?

"Ausländer sind eine Last"

In ganz Europa haben die Dänen die härteste Ausländer- und Asylpolitik. Ihre Regierung macht keinen Hehl daraus, dass sie die Zahl der nach Dänemark kommenden Flüchtlinge begrenzen und höhere Anforderungen an die Selbstversorgung stellen will. Ausgerechnet der ehemalige Minister für Flüchtlinge, Einwanderung und Integration Bertel Haarder brachte diese Haltung auf den Punkt: "Die Ausländer sind heute eine Last für die Gesellschaft. Sie kosten mehr, als sie einbringen. Das muss sich ändern".

Ausländer sollen das Leben nicht genießen

Dänemark wehrt allerdings nicht jeden einwanderungswilligen Ausländer ab. Mit der "Green Card" sollen fähige Köpfe aus dem Ausland ins Land geholt, um den eigenen Wohlstand zu stärken. Willkommen sind vor allem christliche, weiße Singles mit Computerkenntnissen. So macht Integration Spaß.

Für alle, die diese Kriterien nicht erfüllen, sieht es düster aus. Die Sozialhilfe für Flüchtlinge und Einwanderer wurde drastisch gekürzt. Erst nach siebenjährigem Aufenthalt im Lande haben sie Anspruch auf den vollen Satz. Arbeitsminister Claus Hjort Frederiksen steht dazu: "Nach Dänemark kommende Ausländer sollen von Anfang an wissen, dass von ihnen erwartet wird, Arbeit zu finden. Dies ist nicht das Land, wo Milch und Honig fließen, wo man einfach unter Palmen liegen und das Leben genießen kann." Die Zahlen der anerkannten Asylbewerber spiegeln diese harte Politik wider. Erhielten 2001 noch 6243 Flüchtlinge Asyl, waren es 2004 nur noch 1592. Die Asylbewerber, die das zweifelhafte Glück haben, dänischen Boden zu betreten, werden zum Teil in Containersiedlungen untergebracht, die abseits der Städte liegen. Um Unruhen zu vermeiden, verkehren oft keine Busse. Eine gefährlich gärende Masse gluckert vor sich hin - bis jetzt.

Dänische Arbeitnehmer arbeitslos

In den Städten wird es laut. Die jungen Ausländer brüllen sich ihren Frust, ihre verzweifelte Wut mit "Allah ist groß"-Rufen von der Seele. Von Integration keine Spur. Meistens ergeht es ihnen wie Ausländern fast überall in Europa. Schon beim Lesen ihres Vornamens werfen Personalchefs ihre Bewerbung in den Papierkorb. Der Streit um die Karikaturen war nur der Tropfen, der das brodelnde Fass zum Überlaufen brachte.

Auch außerhalb der Grenzen tobt der Hass gegen Dänemark. Die konzertierte Boykott-Aktion der islamischen Länder gegen dänische Produkte lässt die Wirtschaft schmerzhaft zusammen zucken. Als erste zu spüren bekamen das rund 800 Beschäftigten der Arla-Molkerei in Riad. Sie sind vorerst entlassen. Dabei haben erging es ihnen immer noch besser als ihren 180 Kollegen im fernen dänischen Städtchen Bislev, die ihren Job mangels arabischer Abnehmer für Feta und Schmelzkäse gleich dauerhaft verloren.

Die politische Reaktion auf den Boykott zeugte nicht gerade von diplomatischem Geschick: Per sms wurden Dänen aufgefordert, die Läden und Kioske dänischer Muslime zu meiden. Bekannte Mitinitiatorin dieser Aktion war Louise Frevert, Bürgermeisterkandidatin der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei in Kopenhagen. Sie ist bekannt für bizarre Vorschläge. Wenn es nach ihr ginge, würden kriminelle Einwanderer in russische Gefängnisse deportiert. Das sei billiger.

Ruf los, sympathische Menschen zu sein, die gute Butter machen

Der dänischen Wirtschaft, insbesondere den entlassenen Arbeitern, hilft diese populistische Kampagne wenig. Der Dänischen Industrieverband fürchtet die langfristigen Wirkungen des Boykotts. Der frühere Chef des Dänischen Kulturinstituts in Damaskus, Jørgen Nielsen, fasst diese zusammen: "Wir Dänen sind jetzt unseren Ruf los, umgängliche, sympathische Leute zu sein, die gute Butter machen können." Dieses Image war bisher überall auf der Welt eine gute Geschäftsgrundlage. Jetzt beginnt dieses Image auch bei Kaufleuten aus Dänemark zu bröckeln.

Vertreter der Unternehmen wandten sich in einem offenen Brief an "Jyllands-Posten". Sie warfen dem Blatt vor, verantwortungslos gehandelt zu haben, als sie die Mohammed-Karikaturen veröffentlichten. Die Geschäftsleute verlangten eine öffentliche Entschuldigung gegenüber den Muslimen. Die Islamisten triumphierten postwendend im Internetmagazin 'Islamonline': "Der massive Boykott dänischer Waren in der Golfregion und die Reaktion des Dänischen Industrieverbandes zeigen, dass wirtschaftlicher Druck funktioniert, wo andere Mittel versagen."


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