Debatte Obama gegen Clinton Kuschelkurs in Kalifornien


Es war ein mit Spannung erwartetes Duell: Wenige Tage vor jenem "Super Dienstag", der das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten entscheiden kann, trafen Hillary Clinton und Barack Obama in Los Angeles direkt aufeinander - und gingen behutsam miteinander um.
Von Frank Siering

So ein bisschen Oscar-Atmosphäre kam schon auf, als am Donnerstagabend Hillary Clinton und Barack Obama zum großen "Duell" im Kodak Theater in Los Angeles antraten. Allein die geladenen Gäste, die es sich in den gemütlichen Sitzen bequem gemacht hatten, erinnerten eher an die Klientel, die sich normalerweise erhebt, um eine Goldene Statue entgegenzunehmen denn an politisch interessierte Normalbürger. Steven Spielberg, Diane Keaton, Rob Reiner, Pierce Brosnan. Inmitten anderer hochrangiger Spender für die Demokratische Partei, verfolgten die Hollywoodianer das von CNN als "historische Debatte" angekündigte Rededuell der beiden übriggebliebenen Präsidentschafts-Kandidaten der Demokratischen Partei.

Müde, aber sachlich

Und was sie sahen, war das, was Sponsor CNN später als einen "fairen Kampf" bezeichnen würde. Andere Beobachter waren da nicht ganz so positiv. Langweilig, monoton, in vielen Bereichen übereinstimmend, so lauteten die Urteile vieler Polit-Journalisten, die die 100minütige Debatte später zusammenfassten. Und dabei hatten doch alle Zeichen auf einen echten Politik-Fight hingedeutet. Rechtzeitig vor der Debatte in Los Angeles war John Edwards ausgestiegen. Eine Frau und ein Schwarzer allein im Rennen um das höchste politische Amt, das in den USA zu vergeben ist? - Das hat es noch nie zuvor gegeben. Und die Senatoren Clinton und Obama waren ja auch in den letzten Tagen nicht gerade zimperlich miteinander umgegangen.

Aber Hollywood scheint auch den bissigsten Politikern den Schneid abzukaufen. Beide Kandidaten sind sich einig, dass der Krieg im Irak gestoppt werden muss. Clinton möchte fast alle Truppen "in nur einem Jahr" abziehen. Obama will als Präsident ein genaues Datum setzen, um die US-Truppen abzuziehen.

Streitpunkt Krankenversicherung

Der grösste nennenswerte Unterschied beider Kandidaten war beim Thema Gesundheitsreform festzustellen. Clinton möchte, dass alle Amerikaner gesetzlich krankenversichert sein müssen. Obama hingegen wehrt sich gegen eine gesetzliche Pflichtversicherung. Er möchte sich auf die Kostenreduzierung konzentrieren, "damit sich jeder Amerikaner freiwillig krankenversichern kann". Immer wieder fiel während der Debatte auf, dass sowohl Clinton wie auch Obama sehr behutsam miteinander umgingen. Obama räumte sogar auf die Frage, ob er zusammen mit Clinton antreten würde ein, dass "Hillary sicherlich auf der Wunschliste eines jeden Arbeitgebers stehe". Und Clinton lobte Obama indirekt, als sie versprach, dass die Demokratische Partei im November "als vereinte und solidarische Partei" antreten werde. Eine klare Absage an das mögliche Ticket "Obama/Clinton" gab keiner der beiden Kandidaten.

Es fiel auf, dass die Demokraten langsam aber sicher eine neue taktische Route einschlagen. Jetzt, da sich das Kandidatenfeld in den eigenen Reihen lichtet, richtet sich der Fokus auf die Republikaner. Mehrfach wurden die Misserfolge der derzeitigen Bush-Regierung während der Debatte angesprochen.

Finanzielle Verantwortung

Auf die Frage, wie Obama auf die Kritik der Republikaner antworten würde, dass Demokraten historisch als "steuererhöhende und ausgabenfreudige Partei" gesehen werde, antwortete der Senator aus Illinois: "Die Republikaner werden es schwer haben, von finanzieller Verantwortung sprechen zu können. Die haben unser Land mit immerhin vier Billionen (in Englisch sind es Trillion) Dollar neu verschuldet. Auf dieses Argument lasse ich mich gerne ein." - Und Hillary Clinton sorgte für Lacher und Applaus, als sie sagte, dass es "einen Clinton gebraucht hat, um das Durcheinander vom ersten Bush im Weißen Haus, aufzuräumen. Es ist an der Zeit, dass ein weiterer Clinton das Durcheinander vom zweiten Bush im Weißen Haus in Ordnung bringt." Unterm Strich, da waren sich die Beobachter der letzten großen Debatte vor dem "Super Tuesday" in der kommenden Woche einig, war es ein ausgeglichener Dialog, der den noch unentschlossenen Wählern im demokratischen Lager die Auswahl nicht gerade leichter gemacht hat.


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