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Den Haag: Milosevic ist tot

Slobodan Milosevic, jugoslawischer und serbischer Ex-Präsident und der Kriegsverbrechen angeklagt, ist in der Haft des UN-Kriegsverbrechertribunals gestorben. Milosevic starb mit 64 Jahren wahrscheinlich eines natürlichen Todes.

Der jugoslawische Ex-Präsident Slobodan Milosevic ist tot. Der frühere starke Mann des Balkans starb in seiner Gefängniszelle in Den Haag. Dort musste er sich vor einem UN-Tribunal wegen des Vorwurfs der Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Balkankriege in den 90er Jahren verantworten. Milosevic wurde 64 Jahre alt. Seine letzten Jahre verbrachte er in Haft.

"Ich habe alles zum Wohl der Nation und des Staates getan"

Im Juni 2001 war er an das Haager Tribunal ausgeliefert worden, nachdem ihn die serbische Polizei drei Monate zuvor in seiner Residenz festgenommen hatte. Der Prozess gegen den mutmaßlichen Kriegsverbrecher begann im Februar des folgenden Jahres. Bis zu seinem Sturz im Oktober 2000 hatte er sein Land mit harter Hand regiert und sich dabei den Ruf eines gewissenlosen Pragmatikers erworben, der stets Krieg und Nationalismus für seinen Machterhalt auszunutzen wusste. Der Name Milosevic ist untrennbar mit den Kriegen der 90er Jahre in Kroatien, Bosnien und dem Kosovo sowie dem Zerfall Jugoslawiens verbunden. Hunderttausende Menschen starben oder wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Bis zu seinem Sturz im Herbst 2000 konnten Milosevic und seine Helfer vor dem Tribunal noch sicher sein. Mit dem demokratischen Wandel geriet er jedoch in die Enge.

"Ich habe alles zum Wohl der Nation und des Staates getan", ließ er nach seiner Auslieferung ausrichten. "Ich hoffe, die Geschichte wird das abschließende Urteil fällen." Das Kriegsverbrechertribunal hat Milosevic stets als "unehrliches Tribunal" bezeichnet. Er sprach von "Siegerjustiz" und erkannte sein Gericht nicht an, was ihn aber nicht davon abhielt, sich auf juristische Zweikämpfe mit Zeugen und Anklägern einzulassen. Immer wieder beteuerte er seine Unschuld. Nie nahm er jedoch Bezug auf "das Gericht", sondern sprach stets von "der anderen Seite". Seinen Prozess konnte er wiederholt hinauszögern. Zuletzt scheiterte ein Antrag, sich wegen seiner Herzprobleme und seines hohen Blutdrucks in Moskau behandeln zu lassen.

Schmutzige Arbeit überließ er anderen

Milosevic wurde 1941 in Pozarevac südöstlich von Belgrad als Sohn eines Theologie-Lehrers geboren. Seine Eltern begingen beide Selbstmord. Er ist mit der Sozialisten Mirjana verheiratet und hat zwei Kinder. 1986 wurde er Chef der Serbischen Kommunistischen Partei. Für die folgenden 13 Jahre war er unbestritten der starke Mann des Landes. 1990 wurde er zum Präsidenten des Bundeslandes Serbiens gewählt und später im Amt bestätigt, ehe er 1997 Präsident Jugoslawiens wurde. Die schmutzige Arbeit in den Konflikten mit den nach Unabhängigkeit strebenden Republiken Bosnien und Kroatien überließ er Leuten wie dem bosnischen Serbenführer Radovan Karazic und dem bosnisch-serbischen General Ratko Mladic - beide werden noch heute vom UN-Kriegsverbrechertribunal gesucht.

Im Westen war Milosevic keineswegs immer die Persona non Grata wie in seinen letzten Amtsjahren und danach. Als es 1995 galt, den Bosnien-Krieg zu beenden, führte an dem Machthaber in Belgrad kein Weg vorbei. Im Beisein des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton und weiterer führender westlicher Politiker war er es, der mit seiner Unterschrift unter das Dayton-Abkommen das Ende des Krieges besiegelte. Doch spätestens mit dem Kosovo-Konflikt geriet Milosevic von einigen Ausnahmen wie Russland und China abgesehen weltpolitisch in die Isolation.

Er hatte sich früh einen Namen als vorgeblicher Schutzpatron der serbischen Minderheit in der südserbischen Provinz Kosovo gemacht. 1989 entzog er dem Kosovo die Autonomie. Seinen Druck auf die Albaner erwiderte die Nato 1999 mit Bombenangriffen. Das Kosovo wurde faktisch zu einem UN-Protektorat. Über dessen Zukunft wird zurzeit verhandelt. Sanktionen verschärften danach den wirtschaftliche Niedergang Jugoslawiens, wo die demokratische im September 2000 schließlich an die Macht kam.

Reuters / Reuters