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George W. Bush und Michelle Obama Die Reaktionen auf diese Freundschaft sind ein "Zeichen für die Polarisierung Amerikas"

George W. Bush und Michelle Obama
Diese Umarmung bei der Eröffnung des Museums für Afroamerikanische Geschichte 2016 wunderte viele Amerikaner
© Astrid Riecken/Getty Images / AFP
Ihre Freundschaft ist nicht die naheliegenste, aber dennoch innig. Seit Jahren verstehen sich George W. Bush und Ex-First Lady Michelle Obama blendend. Jetzt verriet der Ex-US-Präsident, wie überrascht er über das Echo auf ihre Beziehung ist.

Wenn ehemalige US-Präsidenten Bücher vorstellen, dann sind das nur selten Bildbände und noch seltener Bände ihrer eigenen Bilder. Nicht so George W. Bush, das 43. Staatsoberhaupt der Vereinigten Staaten. "Out of Many, One: Portraits of America's Immigrants" ist seine zweite Veröffentlichung mit selbstgemalten Porträts. Bei einem TV-Interview auf CBS aber geriet dieses Thema etwas in den Hintergrund. Denn die Moderatorin Norah O’Donnell fand offenbar Bushs Freundschaft mit der früheren First Lady Michelle Obama faszinierender als die Gemälde von Einwanderern.

Spätestens seit 2016, als George W. die damalige Präsidentengattin bei der Eröffnung des Museums für Afroamerikanische Geschichte in Washington in aller Öffentlichkeit umarmte, rätseln die Amerikaner über die etwas bizarr wirkende Innigkeit den beiden. Vor einiger Zeit sagte sie über ihn: "Er ist mein Komplize. Ein wundervoller, lustiger Mann. Ich liebe ihn über alles." Über sie sagte Bush zuvor: Michelle Obama "mag meinen Humor. Jeder, der meinen Humor mag, den mag ich auch sofort."

"Ich glaube, dass liegt an der Spaltung"

Dass ihre Freundschaft in der Öffentlichkeit so kontrovers diskutiert werde, wundere ihn allerdings sehr, sagte er nun auf CBS. "Die Amerikaner sind oft überrascht, dass wir beide Freunde sind. Ich glaube, dass liegt an der Spaltung. Viele sind so polarisiert, dass sie sich gar nicht vorstellen können, dass ein George W. Bush und eine Michelle Obama befreundet sein können", so der Ex-Präsident.

George W. Bush ist einer der ungewöhnlichsten Staatsoberhäupter der jüngeren Geschichte. In seinem ersten Wahlkampf im Jahr 2000 galt der Texaner noch als einfältiger Provinzler. Nach den 9/11-Terroranschlägen stand er dann als einfühlsamer Volksheld da, nur um nach dem Einmarsch in den Irak 2003 als dummdreister Kriegstreiber in die Geschichtsbücher einzugehen. Viele Jahre lang führte er die Liste der "schlechtesten Präsidenten der USA" an und nutzte deshalb seinen Namen auch nicht - anders als die meisten seiner Vorgänger und Nachfolger - um sich mit Vorträgen eine goldene Nase zu verdienen. Im Gegenteil: Bush zog sich weitgehend zurück und begann, Bilder zu malen – eine weitere unerwartete Wendung in seinem Leben unwahrscheinlicher Wendungen.

Nur selten tauchte Bush jun. in den Obama- und den Trump-Jahren bei offiziellen Ereignissen auf. Einer der wenigen Anlässe war die Beerdigung des 2018 verstorbenen Senators und Präsidentschaftskandidaten John McCain. Als einer der vielen Trauergäste saß Bush mit seiner Frau direkt neben den Obamas. In einer Szene ist zu sehen, wie Laura Bush ihrem Mann Bonbons gibt, die er wiederum an Michelle weiterreicht. Diese einfache Geste hatte damals viele entzückt. Aber nicht alle: "Das hat mich geschockt", sagte Bush nun über die Reaktionen von damals. "Als wir danach in Auto saßen, sagte Barbara oder Jenna (seine Zwillingstöchter, d.Red.) 'Hey, du trendest'". Das Thema wurde groß in den sozialen Medien.

"Wir teilen die gleichen Werte"

In den vergangenen Jahren haben sich beide immer mal wieder über ihre Beziehung zueinander geäußert. In einem gemeinsamen Gespräch von Michelle Obama und Bushs Tochter Jenna Bush Hager sagte die Ex-First Lady, dass sie die gleichen Werte teilen würden. Später sagte sie an anderer Stelle: "Wir sind unterschiedlicher Ansicht in der Politik, aber wir sind uns einig über Menschlichkeit, über Liebe und Mitgefühl. Ich denke, das gilt für jeden von uns, aber leider sind diese Werte angesichts der Furcht vor dem Anderen verloren gegangen."

Quellen: "The Hill", "People", Wion/Youtube


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