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Republikaner warnen vor Trump: "Der verantwortungsloseste Präsident der US-Geschichte"

Erneute scharfe Attacke aus der eigenen Partei: 50 Top-Sicherheitsberater der Republikaner nennen Donald Trump ein gefährliches Sicherheitsrisiko. Dieser wehrt sich mit einem fragwürdigen Gegenangriff.

Donald Trump bei einer Wahlkampfrede in Windham, New Hampshire

"Gefährliche Eigenschaften": Donald Trump, hier bei einer Wahlkampfrede in Windham, New Hampshire.

50 namhafte Vertreter der US-Republikaner haben in einer beispiellosen öffentlichen Distanzierung vor der Wahl des Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gewarnt: Der Milliardär wäre "der verantwortungsloseste Präsident der amerikanischen Geschichte", erklärten die Sicherheitsexperten in einem gemeinsamen Schreiben, das von der "New York Times" veröffentlicht wurde. Dem Kandidaten ihrer Partei mangele es an "Charakter, Werten und an Erfahrung, um Präsident zu sein" und er "würde die nationale Sicherheit und das Wohlergehen der USA gefährden", schrieben sie. Trump sei "nicht willens oder nicht fähig, richtig von falsch zu unterscheiden". Der Kandidat falle durch "erratisches Verhalten" auf und durch "gefährliche Eigenschaften", die ihn für das Präsidentenamt ungeeignet machten.

Die Unterzeichner hatten in den Regierungen früherer republikanischer Präsidenten von Richard Nixon bis hin zu George W. Bush wichtige Posten vor allem im sicherheits- und außenpolitischen Bereich inne. Zu ihnen gehören Ex-CIA-Chef Michael Hayden, der ehemalige Vize-Außenminister und Weltbank-Präsident Robert Zoellick, die früheren Heimatschutzminister Tom Ridge und Michael Chertoff und der ehemalige Geheimdienstdirektor John Negroponte.

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"Niemand von uns wird Donald Trump wählen"

Die Sicherheitsexperten warnen, Trump würde die moralische Autorität der Vereinigten Staaten schwächen und stellen seine Kenntnis der amerikanischen Verfassung und seinen Glauben daran infrage. Der 70-Jährige habe "wiederholt gezeigt, dass er wenig Ahnung hat von Amerikas lebensnotwendigen nationalen Interessen, seinen komplexen diplomatischen Herausforderungen, seinen unverzichtbaren Bündnissen und den demokratischen Werten, auf denen US-Außenpolitik basieren muss", heißt es in dem Brief. Zudem habe Trump keinerlei Interesse daran gezeigt, sich weiterzubilden.

"Niemand von uns wird Donald Trump wählen", verkünden die Autoren in ihrem Brief. Zugleich weisen sie aber darauf hin, dass sie auch "Zweifel" in Hinblick auf Trumps demokratische Gegenkandidatin Hillary Clinton hätten.

Trump wehrt sich mit zweifelhaften Vorwürfen

Die Reaktion von Donald Trump auf den Angriff seiner Parteikollegen ließ nicht lange auf sich warten: Bei den Unterzeichnern handele es sich um "nichts anderes als eine gescheiterte Washingtoner Elite, die sich an ihre Macht klammert", heißt es in einer Erklärung des Milliardärs. Trump macht die Unterzeichner des Aufrufs für gravierende Fehlentscheidungen verantwortlich: Ihnen sei die "katastrophale Entscheidung zur Invasion des Iraks" anzulasten, kritisiert der Präsidentschaftskandidat.

Trump wirft seinen Kritikern auch vor, sie hätten zugelassen, dass im September 2012 durch den Angriff von Islamisten auf die US-Botschaft im libyschen Benghazi Amerikaner gestorben seien und dass die Terrorgruppe Islamischer Staat aufsteigen konnte - beides fand allerdings in der Regierungszeit von Präsident Barack Obama statt, als die meisten der Unterzeichner in Expertengremien, privaten Beratungsfirmen oder Anwaltskanzleien oder als Berater von Trumps Gegnern im Vorwahlkampf tätig gewesen seien, wie die "New York Times" schreibt.

Parteikollege tritt gegen Trump an

Der offene Brief der 50 Republikaner ist ein weiteres Zeichen für den gewaltigen Keil, den die Kandidatur von Donald Trump in die Partei getrieben hat. Erst gestern hatte der Republikaner Evan McMullin bekanntgegeben, dass er bei der Präsidentschaftswahl gegen Trump antreten werde.  "Es ist nie zu spät, das Richtige zu tun", schrieb der früherer Anti-Terror-Experte des Auslandsgeheimdienstes CIA auf seiner Facebookseite.

Sein Land habe Besseres verdient als Trump oder die Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, schrieb der 40-Jährige. Deswegen biete er sich "demütig" den "Millionen von desillusionierten Amerikanern" als die bessere Alternative an.

McMullin ist allerdings bislang in der Öffentlichkeit so gut wie unbekannt und startet sehr spät in das Rennen, so dass es ihm schwerlich gelingen dürfte, bei der Wahl eine nennenswerte Rolle zu spielen.

mad, mit AFP